„Wir haben noch Weihnachtsgeschenke!“

Siemens Vorreiter in Sachen Compliance

Vom Saulus zum Paulus, so könnte man den Wandel eines der größten Technologiekonzerne der Welt bezeichnen: Die Siemens AG hat seit 2006 konsequent alle Konzernbereiche weltweit den Regeln der Compliance unterworfen. „Ich hätte mir vor drei Jahren bestimmte Entscheidungen einfach nicht vorstellen können“ fasst der Präsident und CEO von Siemens Russia, Dr. Dietrich Möller, die Veränderungen zusammen. Compliance bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als alle Vorgänge im Unternehmen auf den Prüfstand zu stellen – von Beraterverträgen über die Überprüfung der Geschäftspartner, sämtliche internen und externen Verträge bis zum give away. „Sicher stellt man sich manchmal die Frage: War es der richtige Weg? Ja, denn die Unternehmenskultur und

-struktur haben sich verändert und wir folgen wieder ethischen Grundsätzen“, so Möller weiter.

Compliance zahlt sich wirtschaftlich aus

Auch ein zweiter großer deutscher Konzern, die Daimler AG, geht den Weg der absoluten Transparenz, auch wenn, wie der CEO Russland Jürgen Sauer, rückblickend feststellt: „Compliance-Kultur in eine bestehende Firma einzuführen, ein bisschen wie das Verhältnis zwischen Doping und Sport ist.“ Das schwierigste im Prozess der Umstellung ist die Kommunikation zu den Mitarbeitern. Aber am Ende des Prozesses zahlt sich die Einführung der Compliance auch wirtschaftlich aus. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass man den – meist zahlreichen - Prüfungen des Finanzamtes sehr gelassen entgegen sehen kann.

Regeln in Russland besonders wichtig

Vor allen Dingen in Russland, so die übereinstimmende Meinung der Unternehmen, ist es unabdingbar Regeln für den Geschäftsverkehr verbindlich festzulegen und so offen, wie es die Wettbewerbs- und Marktsituation zulässt, Verträge und Vereinbarungen zu kommunizieren. Wie schmal der Grad zwischen geschäftlicher Verbindung und dem Verdacht der unerlaubten Einflussnahme sein kann, wird am Beispiel Weihnachtsgeschenke deutlich. In Deutschland darf ein solches Geschenk die Obergrenze von 35 Euro nicht überschreiten. Auch in Russland gelten ähnliche Regeln: mehr als 3000 Rubel darf ein Essen mit einem Regierungsbeamten nicht kosten, bei den Preisen in Moskauer Restaurants eigentlich fast nicht einzuhalten. Bei Siemens verzichtet man deshalb vollkommen auf Geschenke. So weit ist es bei Daimler noch nicht: „Wir haben noch Weihnachtsgeschenke“, so Sauer mit einem Schmunzeln.

Gründung einer Compliance-Agentur

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben auch deutlich gemacht, dass Verstöße gegen die Regeln unternehmerischer Ethik immer dann auftreten, wenn Geschäftsprozesse intransparent und verschlungen sind. „Korruption findet in Russland auf allen Ebenen statt“, konstatiert Möller und plädiert deshalb für eine Compliance-Agentur, die allen deutschen und russischen Unternehmen zur Seite stehen könnte, vor allem natürlich dem Mittelstand. Zur Koordination und Führung einer solchen Agentur sei die AHK geradezu prädestiniert und die Zustimmung der Unternehmen sich daran zu beteiligen, ist überwältigend groß. Noch ist das Thema Compliance in der russischen Öffentlichkeit nicht sehr bekannt, aber „wir werden die Initiative ergreifen und unter Führung der AHK Vorreiter in Russland sein“, so Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der Kammer. Denn Compliance wirkt nicht nur in die Unternehmensstruktur sondern führt auch zu mehr und fairem Wettbewerb.

Code of conduct geplant

Im Ergebnis der Veranstaltung zum Thema Compliance wurde die Erarbeitung eines so genannten code of conduct – eines Verhaltenskodex für den Geschäftsverkehr beschlossen. Dieser Kodex könnte den sich dazu verpflichtenden Unternehmen als eine Art freiwillige Selbstkontrolle und Richtlinie dienen. Geregelt würden darin vor allen Dingen die Konditionen für den täglichen Geschäftsverkehr, Verträge und allgemeine Verhaltensweisen in Russland.

Kontakt

Alexander Markus

Mitglied der Geschäftsleitung

E-Mail: markus(at)russland-ahk.ru

Tel: 007 495 2344950