„Wir sollten nicht auf den Gesetzgeber warten, sondern die Chancen, die sich zahlreich bieten, ergreifen und zum Erfolg führen“

Interview mit Daniel Kiefer, Direktor / Standortleiter, OOO THOST Russia Projektmanagement

Daniel Kiefer, Direktor/ Standortleiter, OOO THOST Russia Projektmanagement

THOST Projektmanagement GmbH hat seit 2006 eine Niederlassung in Moskau. Warum denn erst seit 2006?

THOST ist seit 1995 in Einzelprojekten auf dem Gebiet der GUS tätig. 2004 haben wir in Russland mit einer dauerhaften Repräsentanz begonnen und 2006 die OOO THOST Russia Projektmanagement gegründet.

Wie lief es für THOST Russia in den letzten zehn Jahren?

Sehr gut. Wir können auf eine Vielzahl erfolgreich durchgeführte Projekte verweisen. Außerdem ist es uns gelungen, ein stabiles (vorwiegend russisches) Team aufzubauen und zu entwickeln, um auch weiterhin nachhaltig erfolgreich tätig sein zu können.

THOST Russia kann auf alle Projekte, unabhängig von Größe und Komplexität, stolz sein. Unsere Projektmanagementdienstleistung hat für die Projekte unserer Kunden Mehrwert erzeugt, und wir konnten zum Projekterfolg beitragen, z.B. dass die gewünschte Nutzung im Zeit- und Kostenrahmen erreicht wurde.

Was hätte aus Ihrer Sicht in der Zeit vermieden werden können bzw. sollen?

Das politische Auseinandertriften von EU und Russland hätte vermieden werden sollen und können. Dadurch wurden bestehende Chancen einer für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit und gemeinsamer weltweiter Marktentwicklung wenig genutzt.

Die derzeitige Krise macht es Russlands Baubranche nicht leicht. Wie geht THOST mit der aktuellen Situation um?

THOST Russia entwickelt sein Dienstleistungsangebot und die Kompetenzen seiner Mitarbeiter kontinuierlich weiter und ist damit für eine erfolgreiche Zukunft nachhaltig aufgestellt. Die solide wirtschaftliche Basis dafür sind Aufträge in zahlreichen Projekten unterschiedlichster Auftraggeber. Außerdem hilft unsere breite Tätigkeit in den unterschiedlichsten Branchen: neben dem Bau insbesondere auch in Industrie- und Produktionsanlagen sowie in Energie- und Infrastrukturprojekten.

Nach unserer Beobachtung belebt sich derzeit der Markt, und wir erwarten eine weiterhin positive Entwicklung.

Sie leiten die AHK-Arbeitsgruppe Immobilien und Bauwirtschaft. Welche Themen haben sich in den letzten zwei-drei Jahren herauskristallisiert. Was kommt aus Ihrer Sicht in die Top 5 der größten Herausforderungen für die Bauwirtschaft in Russland heute?

Die Herausforderungen würde ich eher als Chancen und Entwicklungsfelder bezeichnen – denn in Russland kann man nur erfolgreich sein, wenn man nach vorne blickt und jede Herausforderung als Chance zur Weiterentwicklung begreift und nutzt.

In der Top 5 sind:

  • Finanzierungsengpässe von Projekten und Liquiditätsengpässe von Planungs- und Ausführungspartnern: Hier ist besondere Aufmerksamkeit und Fantasie in der Findung von partnerschaftlichen Lösungen erforderlich, um Projekte mit beherrschbaren Risiken erfolgreich durchführen und abschließen zu können.
  • Vermeiden von weiterer zeitlicher Verschiebung von Projekten wie in den letzten zwei-drei Jahren geschehen, um die Auslastung bestehender ausführender Unternehmen und Planungsbüros zu stabilisieren und deren Ressourcen für den Markt zukünftig zu erhalten.
  • Beschaffung von Baumaterialien in zunehmendem Umfang und mit konstant hoher Materialqualität – in Zeiten der Importsubstitution – in Russland: Hier besteht großes Entwicklungspotenzial und die Chance zur Markterschließung für internationale Baustoffhersteller durch Aufbau lokaler Produktionen.
  • Heranführung örtlicher Planer, ausführender Firmen und Baustoffhersteller an internationale Standards: Hier ist bereits eine gute Entwicklung zu sehen, aber es gibt auch noch weiter viel zu tun.
  • Verbesserung der handwerklichen und materialtechnischen Fähigkeiten der ausführenden Firmen sowie Einführung qualifizierter Facharbeiterausbildungen.

Welche Lösungen für die genannten Herausforderungen würden Sie anbieten bzw. von der russischen Gesetzgebung erwarten?

Wir sollten nicht auf den Gesetzgeber warten, sondern innerhalb der bereits guten bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen in Russland und der teilweise sehr positiv entwicklungsunterstützenden örtlichen Verwaltungen die Chancen, die sich zahlreich bieten, ergreifen und zum Erfolg führen.

Allgemein gültige Lösungen gibt es nicht. Ich freue mich jedoch, wenn ich dazu persönlich angesprochen werde, und gebe gerne – angepasst auf individuelle Situationen – Hinweise zu möglichen Lösungsansätzen.

Gelten diese Problemfelder gleichermaßen für rein russische Unternehmen und internationale Marktteilnehmer? Oder gibt es da Unterschiede?

Ich würde auch hier von Entwicklungsfeldern sprechen. Unterschiede gibt es weniger in Abhängigkeit von der Frage russisch/ international als von der jeweils individuellen Unternehmenssituation. Generell haben alle Marktteilnehmer die Möglichkeit, in den genannten Feldern Chancen und Entwicklungspotential zu nutzen, und müssen daran kontinuierlich arbeiten, um im russischen Markt erfolgreich bestehen zu können.

Die Fragen stellte Lena Steinmetz, AHK Russland