Nanotechnologie-Projekte gehen an der Start

DIE STAATLICHE AGENTUR RUSNANO BEWILLIGT ERSTE PROJEKTE UND SICHERT SICH FÜR IHRE INVESTITION FIRMENANTEILE / BERND HONES, bfai

Russlands Institute für Nanotechnologie gehören zur Weltspitze. Nun will der russische Staat die industrielle Nutzung der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung voranbringen und fördert aussichtsreiche Projekte in den kommenden fünf Jahren mit 3,5 Milliarden Euro. Bei der neuen Agentur RUSNANO sind bis Anfang Juni mehr als 450 Förderanträge eingegangen. Die Unternehmen kommen aus den Branchen Elektronik, Medizin, Energie, Maschinenbau, Transport und Landwirtschaft.

Ein erstes Projekt kann heute bereits mit einer ordentlichen Finanzspritze rechnen: RUSNANO will die Produktion von asphärischen optischen Elementen, die mit speziellen Nano-Positionären hergestellt werden, bis 2010 mit knapp 8,7 Millionen Euro bezuschussen. Das gesamte Projekt soll in diesem Zeitraum rund 13 Millionen Euro kosten. Für die Realisierung wird eigens ein Unternehmen gegründet, an dem Rosnanotech die Hälfte aller Anteile minus zwei Aktien erhalten soll.

Laut RUSNANO handelt es sich um ein High-Tech-Produkt. Das Projekt genieße die Anerkennung der führenden russischen Spezialisten aus dem Bereich der optischen Industrie. "Aus unserer Sicht bietet das Projekt ausgezeichnete Marktchancen und dürfte in wenigen Jahren nicht nur das Interesse russischer Investoren auf sich ziehen", sagte Rosnanotech-Chef Leonid Melamed. Bis 2010 sollen in einer ersten Ausbaustufe Hochpräzisions-Werkzeugmaschinen mit einer Verarbeitungsgenauigkeit von 10 Nanometern gebaut werden. In der zweiten Etappe bis 2012 ist dann die industrielle Fertigung von asphärischen optischen Elementen vorgesehen. Nach Einschätzung der Spezialisten beläuft sich das weltweite Marktvolumen für optische Elemente auf 74 Milliarden Euro, davon entfallen 7,5 Milliarden Euro auf asphärische Elemente. Mit asphärischen Linsen wird die Korrektur von Abbildungsfehlern beim Filmen und Fotografieren erleichtert. Die Folge: Es sind weniger Linsen nötig bei verbesserter Abbildungsqualität.

 RUSNANO lagen Anfang Juni mehr als 450 weitere Anträge vor. Die meisten Projektvorschläge kamen aus dem Bereich Elektronik, gefolgt von Medizin, Energie und Maschinenbau. Nicht nur die Verwendungszwecke sind äußerst unterschiedlich, sondern auch die Projektsummen - von 27.000 Euro bis zwei Milliarden Euro. In die engere Auswahl hätten es bereits 17 Antragsteller geschafft, heißt es. Davon will die Staatsholding bis Ende 2008 noch fünf bis sieben Projekte kofinanzieren. Informationen der Wirtschaftszeitung "Wedomosti" zufolge sollen zwei aussichtsreiche Anträge vom Konzern AFK Sistema kommen.

Die Kriterien, nach denen sich die Förderung richtet, schließen neben den technischen Ausarbeitungsmöglichkeiten auch die Rentabilität ein. So soll der Umsatz fünf Jahre nach Produktionsstart mindestens 250 Millionen Rubel (circa 6,7 Millionen Euro) betragen. Damit will der russische Staat gewährleisten, dass die zur Verfügung gestellten Milliarden auch nachhaltigen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen.

Nutzen von der Nanotechnologie für seine Region verspricht sich auch der Gouverneur des Gebietes Tomsk, Wiktor Kress. "Wir sind der erste Oblast, der eine Kooperationsvereinbarung mit Rosnanotech eingegangen ist", sagte er bei einer Veranstaltung der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer in Moskau. Kress hat 40 Projekte aus der Region gebündelt an RUSNANO übergeben.

Einige dieser Projekte hätten großes Potenzial, meinte Kress. So etwa die Anwendung der Nanotechnologie beim "Herausfiltern von Viren und Bakterien aus Wasser". Weitere Projekte kämen aus den Bereichen Maschinenbau und Nanokeramik, sagte Kress Mitte Juni 2008 gegenüber der bfai in Moskau. Auch bei der Forschung könne sich das Tomsker Gebiet sehen lassen: Vier Universitäten, eine medizinische Universität sowie mehrere Institute sorgten nicht nur für wissenschaftliche Leistung und Patente. Dieses Wissen werde darüber hinaus seit drei Monaten in einem Konsortium für Nanotechnologie gebündelt, erklärte Nelli Kretschetowa, die Leiterin der Abteilung für internationale und überregionale Zusammenarbeit der Gebietsadministration Tomsk.


Auch andere Regionen wollen Tomsk in Sachen Nanotech-Förderung in nichts nachstehen. So plant etwa das Gebiet Swerdlowsk von 2008 bis 2010 Subventionen von 370 Millionen Rubel zur Entwicklung der Nanotechnologie, weitere 240 Millionen Rubel kommen aus dem föderalen Haushalt. An dem Entwicklungsprogramm nehmen 30 Unternehmen, sieben Universitäten, vier Fachhochschulen sowie vier Institute teil.

Die Staatsholding RUSNANO wurde im Juli 2007 gegründet und verfügt bis 2012 über ein Budget von 130 Milliarden Rubel (knapp 3,5 Milliarden Euro). Sie soll die politischen Vorgaben des russischen Staates in Sachen Nanotechnologie umzusetzen. Rosnanotech muss die Forschungsinfrastruktur verbessern sowie die Gründung von aussichtsreichen Firmen fördern, die Nanotechnologie zur industriellen Fertigung einsetzen wollen. Um die finanziellen Risiken der privaten Investoren zu verringern, steigt RUSNANO als Koinvestor ein. Natürlich nicht ohne Gegenleistung: Die Staatskooperation ist stets an den neuen Firmen beteiligt.

An RUSNANO gestellte Förderanträge nach Branchen

Branche

Anteil (in %)

Elektronik

15

Energie

10

Medizin

10

Maschinenbau

9

Transport

7

Landwirtschaft

5

Bauindustrie

2

Andere

42

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Quelle: RUSNANO