Von Partnerschaften profitieren

Russland und Deutschland auf dem Energieeffizienzpfad. / Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung, Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena)

Russland gehört zu den energiereichsten Ländern der Erde. Über 30 Prozent der weltweiten Erdgasreserven liegen auf dem Gebiet der russischen Föderation. Dementsprechend groß ist die Bedeutung des Energiesektors für die russische Wirtschaft. Zugleich gehört diese zu den energieintensivsten Volkswirtschaften der Welt. Die niedrigen Energiepreise der Vergangenheit führten dazu, dass Energie etwa in der Industrieproduktion oder bei der Wärmeversorgung von Gebäuden nicht effizient eingesetzt worden ist. Russland könnte laut Energieministerium rund 40 Prozent des Energieverbrauchs allein durch effizientere Nutzung einsparen. Der große volkswirtschaftliche Vorteil von Energieeffizienz setzt sich mittlerweile auch in Russland mehr und mehr durch. Denn je effizienter Russland seine Energie im Inland einsetzt, umso mehr Energie kann zu Weltmarktpreisen exportiert werden. Investitionen in Energieeffizienz sichern zudem die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und schaffen nachhaltige, zukunftssichere Werte. Deutschland ist hierbei ein wichtiger Partner, verfügt es doch über langjährige Erfahrung bei der effizienten Energienutzung.


Effizienz durch Kooperation
Energie spielt seit über 30 Jahren eine zentrale Rolle in der deutsch-russischen Zusammenarbeit. Hier hat sich eine verlässliche Partnerschaft entwickelt, die durch politische Konsultationen gefestigt und mittels direkter Kooperationen zwischen russischen und deutschen Unternehmen stetig vertieft wird. Was sich bei der Förderung und beim Transport von Gas und Öl seit Jahrzehnten bewährt hat, wird seit ein paar Jahren auch auf den Bereich der Energieeffizienz ausgedehnt. Für diese intensive Zusammenarbeit hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier den Begriff der Modernisierungspartnerschaft zwischen Deutschland und Russland geprägt. Die Herausforderungen und Chancen hier sind enorm. Nach einem Erlass von Präsident Medwedew vom Sommer 2008 soll der Energieverbrauch je Produktionseinheit bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent unter den Stand von 2007 reduziert werden. Dies entspricht der doppelten Energiemenge, die Russland heute in Form von Erdgas nach Westeuropa exportiert. Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sind zudem häufig wirtschaftlicher zu erschließen als neue Erdgasfelder in Sibirien. Bei der Ausschöpfung der Effizienzpotenziale setzt Russland auf die Unterstützung Deutschlands. Zu Recht, denn deutsche Unternehmen verfügen über viel Erfahrung und die entsprechende Effizienz-Technologien. 


Im Rahmen der gemeinsamen Anstrengungen zur Steigerung der Energieeffizienz kommt dem Know-how-Transfer, der Durchführung von gemeinsamen Projekten, der breiten Einführung von Instrumenten eine wichtige Rolle zu. Beide Seiten können von dieser Kooperation profitieren: die russische Wirtschaft und Infrastruktur wird modernisiert und zukunftssicher, während deutsche Unternehmen für ihre Effizienztechnologien neue Märkte erschließen können. Voraussetzung dafür ist, dass die gesetzlichen, strukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass eine effiziente Umsetzung der Projekte gewährleistet ist und hohe Transaktionskosten vermieden werden. Ein wichtiger Schritt hierzu stellte die Einrichtung der Unterarbeitsgruppe Energieeffizienz im Rahmen der Deutsch-Russischen Strategischen Arbeitsgruppe im Jahr 2007 dar. Damit wurde ein wirkungsvolles Instrument geschaffen, um die strategische Partnerschaft durch die gemeinsame Umsetzung konkreter Projekte zu vertiefen. Beispielsweise in Form eines Pilotprojektes zur energetischen Sanierung eines Kinderkrankenhaus und eines mehrgeschossigen Wohnblocks in Jekaterinburg.


Russisch-Deutsche Energieagentur
Russland kann von den in Deutschland gemachten Erfahrungen profitieren. Die Entwicklungen in Deutschland zeigen eindrucksvoll, dass bei der nationalen Steigerung der Energieeffizienz eine zentrale, unabhängige und kompetente Energieagentur eine entscheidende Rolle spielt. Daher unterstützt  Präsident Medwedew die Gründung einer russischen Energieagentur ausdrücklich. Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) hat gemeinsam mit dem russischen Energieministerium das Konzept für diese Energieagentur erarbeitet, die in der ersten Jahreshälfte 2009 gegründet wird. Die Ziele der Russisch-Deutschen Energie-Agentur (RuDEA) sind die Steigerung der Energieeffizienz und die Förderung innovativer Technologien zur effizienten Energieumwandlung mittels der Initiierung von Kampagnen und Projekten in Russland. Zudem soll sich die neue Institution an den fachlichen und öffentlichen Diskussionen als unabhängiger Partner beteiligen und die russische Regierung beraten. Die RuDEA soll von russischen und deutschen Gesellschaftern getragen werden. Russische und deutsche Unternehmen sollen mit der Agentur kooperieren, um den Know-how-Transfer zu organisieren. Zentrale Zielgruppen sind Fachakteure aus Energiewirtschaft, Industrie & Gewerbe, Handwerk und Wissenschaft, die politischen Entscheidungsträger auf nationaler und regionaler Ebene sowie die Endverbraucher. Wichtige Projekte sollen im Bereich der Gebäudesanierung, in Industrie und Gewerbe sowie bei der effizienten Förderung und dem effizienten Transport von Öl und Gas aufgebaut werden. Ergänzt werden diese Projekte durch Modellvorhaben zum Einsatz regenerativer Energiequellen wie beispielsweise Biogas in der Landwirtschaft oder Windenergie in dafür geeigneten Gebieten. 


Russland schafft mit der Gründung der russisch-deutschen Energieagentur die institutionellen Voraussetzungen, um Energieeffizienz auf allen Ebenen – von der Erzeugung über den Transport bis hin zum Verbrauch – zu forcieren. Zugleich stellt die Schaffung der Energieagentur ein deutliches Signal für den Aufbau von Effizienzmärkten in Russland dar. Hier eröffnen sich für deutsche und russische Unternehmen attraktive Handlungsfelder.

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