Minister Lewitin setzt positive Signale

Trotz Krise war die Stimmung auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der AHK Russland optimistisch. Verkehrsminister Igor Lewitin gab als prominentester Redner Anlass zu Hoffnung für einen wirtschaftlichen Aufschwung zum Jahresende. / Jens Böhlmann, AHK Russland

Der Verkehrsminister der Russischen Föderation, Igor Lewitin, umriss als prominenter Gastredner auf der Mitgliederversammlung der AHK in einer beeindruckenden Rede die Pläne der russischen Regierung und seines Ministeriums zur Umsetzung der „Transportstrategie der Russischen Föderation bis 2030“. Sie sieht eine umfassende Modernisierung oder Erneuerung nahezu aller Transportmittel und -wege vor. Die dafür veranschlagten Kosten werden im hohen dreistelligen Milliarden Rubel Bereich liegen. Ein Teil der Projekte sollen nach dem Willen der Regierung als Private Public Partnership realisiert werden. Des Weiteren sollen zur Finanzierung so genannte „Infrastruktur-Obligationen“ in einer Höhe von bis zu 100 Milliarden Rubel ausgegeben werden. Zur Finanzierung des Aus- und Neubaus des Schienennetzes plant die russische Bahngesellschaft (RZhD) die bisherigen Tarife zu verändern. Das Ministerium erhofft sich von dieser Maßnahme Einnahmen in einer Höhe von bis zu 50 Milliarden Rubel. Augenblicklich werden nur zwei Prozent des gesamten Güteraufkommens in Russland per Bahn transportiert.


Lewitin sieht im Infrastrukturausbau einen Motor zur Ankurbelung der Konjunktur und zur Überwindung der Krise. Seine Rede war von Zuversicht und der Gewissheit eines Aufschwungs zum Ende des Jahres geprägt. Diese Ansicht deckte sich mit der Prognose des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers des DIHK, Dr. Achim Dercks, der noch einmal die große Bedeutung des Exportgeschäftes für die deutsche Wirtschaft hervorhob und die sich aus den weltweiten Konjunkturpaketen ergebenden Möglichkeiten für deutsche Hersteller. Die Konjunkturprogramme sind im Wesentlichen investitionsgebunden; ein großer Teil besteht aus öffentlichen Investitionen. In diesem Segment sieht Dercks Möglichkeiten für deutsche Unternehmen zur Akquise von Aufträgen. Zwar sind auch die deutschen Exporte nach Osteuropa und Russland um ein Viertel zurückgegangen, allerdings ist das im weltweiten Vergleich der geringste Wert.
Dmitrij Tschernyschenko, der Präsident des Organisationskomitees der Olympischen Winterspiele Sotschi 2014, stellte die aktuellen und künftigen Projekte in der Schwarzmeermetropole vor und unterstrich die überragende Bedeutung der Spiele für Russland. Auch für die deutsche Wirtschaft würden sich als langjähriger und verlässlicher Partner zukünftig gute Möglichkeiten ergeben. Augenblicklich seien viele Projekte noch in Planung, der Bau würde jedoch fristgerecht und in hoher Qualität garantiert. In vielen Feldern werden noch Sponsoren gesucht, so zum Beispiel in den Bereichen: Versicherung, Luftverkehr und Gas.


Der Vorstandsvorsitzende der AHK, Michael Harms, konnte für das vergangene Jahr einen Rekord-Mitgliederzuwachs von über 100 bekannt geben. Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch in der deutlich gestiegenen Zahl deutscher in Russland tätiger Unternehmen von über 6.000 wider. Der Präsident der AHK, Dr. Heinrich Weiss, wies auf die augenblicklichen Schwierigkeiten im Geschäft mit Russland hin und unterstrich die dringende Notwendigkeit von Wirtschaftsreformen, betonte aber gleichzeitig das nach wie vor große Potential des Marktes, das nach dem Ende der Krise vor allen Dingen von deutschen Unternehmen genutzt werden muss. Wichtig seien vor allen Dingen institutionelle Reformen mit im Ergebnis wesentlich weniger Bürokratie, die stärkere und schnellere Unterstützung des Mittelstandes und der schnellstmögliche Rückzug des Staates aus den Unternehmen. Die deutsche Wirtschaft sieht die Entwicklung des Marktes zwar sehr verhalten, will und wird aber an Russland als strategischem Markt festhalten. Den Willen der Unternehmen fasste Weiss mit den Worten: „Wir werden dem Land treu bleiben“ zusammen.


Alexej Mordaschow, Vorstandsvorsitzender der OAO Sewerstal und Generaldirektor der Sewerstal-Gruppe wurde von der Mitgliederversammlung einstimmig zum Vizepräsidenten der AHK gewählt. Nachdem mit der Gründung der AHK die Bilateralität zum Grundprinzip erklärt wurde, ist mit der Wahl Mordaschows ein weiterer Schritt in Richtung Parität vollzogen worden. Auch wenn die Zahl der russischen Unternehmen beständig steigt, sind insgesamt erst 15 Prozent der Mitglieder russische Unternehmen.

Anmelden

Kennwort vergessen?

Unsere Partner