EIN ORT ZUM WOHLFÜHLEN

KARIN VON BERG, SCHULLEITERIN DER DEUTSCHEN SCHULE IN MOSKAU, WILL AN IHRER SCHULE AUSBILDUNG UND LEBENSQUALITÄT VERBESSERN. DIE ZUSÄTZLICHEN MITTEL DAFÜR ERHOFFT SIE SICH VOM „FÖRDERKREIS DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT“, DER IM FEBRUAR INS LEBEN GERUFEN WURDE. DAS INTERVIEW FÜHRTE MONIKA HOLLACHER, AHK RUSSLAND

Frau von Berg, Sie sind seit drei Jahren Schulleiterin. Was ist seitdem anders geworden?

Als ich hier ankam, war die Schule in mancher Hinsicht noch weit von deutschen Standards entfernt. Im Foyer standen wenige Stühle herum, die Cafeteria war mit überlebtem Mobiliar voll gestellt. Mein Vorstellungsgespräch mit dem damaligen Schulvorstand in einem normalen Klassenraum statt, weil es keine anderen Räumlichkeiten gab.
Dementsprechend habe ich gleich zu Beginn meiner Tätigkeit bessere Kommunikations- und Arbeitsbedingungen geschaffen: Für das Foyer wurden ordentliche Sitzgruppen angeschafft und ein Konferenzraum wurde eingerichtet.
Es ist mir wichtig, dass wir in der Schule gute Aufenthaltsbedingungen anbieten können. Die Deutsche Schule Moskau ist eine Ganztagsschule, so dass der Wohlfühlfaktor sehr wichtig ist. Zumal viele Kinder es nicht einfach haben. Oft haben sie schon mehrere Schulwechsel und Umzüge hinter sich wenn sie zu uns kommen, für manch einen gestaltet sich auch das Familienleben in Moskau schwierig.
Der zweite Punkt, der mir am Herzen liegt, ist der Ausbau der Projektarbeit. Es ist wichtig über diesen Weg deutsche Kultur, Sprache, Wissenschaft und Wirtschaft zu vermitteln. Gleichzeitig geht es um ein breites Angebot von Arbeitsgemeinschaften im Nachmittagsbereich. Als ich hier anfing, gab es zwar schon einige Arbeitskreise in den klassischen Sparten Musik, Kunst und Sport, aber man kann und muss aber noch viel mehr machen.

Wie finanziert sich die Schule?

Der deutsche Staat unterstützt die DSM mit der Finanzierung von 15 Studienräten, die die Berechtigung zur Abnahme der Reifeprüfung haben. Außerdem genießen wir Mietfreiheit für die Liegenschaften. Das zusammen macht ungefähr 50 Prozent es Budgets aus. Die anderen 50 Prozent werden aus dem Schulgeld von derzeit 6.400 Euro bestritten. Mit diesem Schulgeld liegen wir im Vergleich zu anderen Auslandsschulen sehr niedrig.
Durch das Schulgeld und die staatliche Förderung werden alle wichtigen Bereiche des Schulbetriebs abgedeckt: Kosten für Liegenschaften, Verwaltung, Lehrerpersonal. Ein bestimmter Betrag wird zur Absicherung angespart.
Das meiste Geld fließt in den Personaltopf. 40 Lehrkräfte sind neben den 15 Studienräten an der Schule beschäftigt, das kostet uns zurzeit ca. 1,9 Millionen Euro. Dieser Posten wird in den nächsten Jahren erheblich steigen, wenn wir mit anderen Standorten in der Welt konkurrenzfähig bleiben wollen. Lehrer sind mittlerweile knapp geworden.
Außerdem wollen wir die Projektarbeit und die Ausstattung der Schule weiter vorantreiben, das kostet zusätzliches Geld.

Woher sollen die Mittel für den „Wohlfühlfaktor“ und die Projektarbeit denn kommen? Das Schulgeld erhöhen?

Auch das wird mittelfristig sicher notwendig werden, ist aber mitten in der Krise schwer durchzusetzen. Der „fakultative“ Bereich - also Projektarbeit, Wohlfühlfaktor und Ausstattung - erfordert jährlich einen recht überschaubaren Betrag. Um diesen abzusichern, möchte ich mit dem „Förderkreis der deutschen Wirtschaft“ ein drittes Standbein für die Schule aufbauen. Mit einem Betrag von ungefähr 100.000 Euro jährlich könnten alle Projekte, externe Arbeitsgemeinschaften und anteilig auch Ausstattungen finanziert werden. Kurz alles das, was nicht Unterricht und Liegenschaften betrifft.
Der Förderkreis sollte aus einem festen Kern von mindestens fünf bis sieben großen Unternehmen und jährlich wechselnden Mitgliedern bestehen. Die Einnahmen erfolgen nach dem Spendenprinzip, über deren ordnungsgemäße Verwendung die Schule, dem Förderprogramm entsprechend, einmal jährlich Rechenschaft abgelegt. Für uns ist eine möglichst unbürokratische Abwicklung dieser Gelder wichtig. Auf unserer Webseite und in der Schule werden unsere Unterstützer ihren Platz erhalten.
Der deutsche Botschafter und die AHK haben mich bei der Suche nach interessierten Unternehmen enorm unterstützt. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Wenn wir 20 Firmen finden, die jeweils 5.000 Euro spenden, wobei nach dem Solidarprinzip, die großen etwas mehr und die kleinen etwas weniger geben können, ist das Ziel schon erreicht.  Aber bis zur Etablierung eines festen Förderkreises ist es noch ein weiter und wahrscheinlich harter Weg.

Wie sehen Sie die Deutsche Schule Moskau im internationalen Vergleich zu anderen deutschen Schulen?

Moskau ist eine wichtige Auslandsvertretung und bedeutender Wirtschaftsstandort. Dementsprechend ist die Deutsche Schule Moskau eine der größten deutschen Auslandsschulen. Deshalb sehe ich die deutschen Unternehmen in einer besonderen Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern und deren Familien. Die Kinder von Heute sind schließlich der Nachwuchs von Übermorgen. Und für deren gute Ausbildung sind wir alle zuständig.
Die deutschen Schulen in Washington, Peking oder Brüssel erheben ein wesentlich höheres Schulgeld als wir und haben dazu noch einen Förderkreis. Warum sollte es ausgerechnet an einem so wichtigen Standort wie Moskau anders sein?

Kontakt:
vwl(at)dsmoskau.ru oder
sl(at)dsmoskau.ru

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