"Es macht Freude Russland zu erkunden"

GERHARD MITROVITS, NEUER DIREKTOR DES BALTSCHUG KEMPINSKI, ÜBER SEINE ERSTEN EINDRÜCKE VOM LEBEN UND ARBEITEN IN MOSKAU.


Herr Mitrovits, vor Moskau haben Sie das Kempinski in Jakarta geleitet. Wie waren vor diesem Hintergrund Ihre ersten Eindrücke von Moskau?
Ich bin bei +37 Grad in Jakarta abgeflogen und bei -32 Grad in Moskau gelandet. Mein allererster Eindruck war die Kälte.
Moskau hat sofort ein positives Bild bei mir hinterlassen. Ich muss sagen, ich haben genau das was vorgefunden, was ich erwartet habe.

Was haben Sie denn erwartet?
Eine sehr dynamische, hektische Hauptstadt, die sehr viel Macht und Kraft ausstrahlt. Man spürt, dass in Moskau, ähnlich wie in New York Tokio, Paris und London, dynamische Leute zu Hause sind und natürlich auch die, die etwas bewegen wollen.

Sie waren schon in vielen Städten dieser Welt zu Hause. Unterscheidet sich Moskau ehr von Ihren anderen Stationen oder gibt es mehr Gemeinsamkeiten?
Von seiner Kultur und Geschichte ist Moskau eine europäische Stadt, vergleichbar mit Wien, London und Paris. Aber es hat die Hektik und die Dynamik von New York. Vielleicht ist es diese Mischung, die es besonders macht.

Ist das Arbeiten in Moskau anders?
Allerdings kann man auch weniger vorausschauend planen, muss oft spontan reagieren und kann sich nicht so gut organisieren.

Die Hotellandschaft ist hier noch ausgesprochen überschaubar. Ich kam direkt aus Jakarta, wo die Hotelkapazitäten in unserer Klasse um ein vielfaches größer sind als hier, auch die meines eigenen Hauses. Das Kempinski in Jakarta verfügt über 260 Luxusappartements, sieben Restaurants und zwei Ballsäle, von denen der kleinere 1000 m² und der größere 4000 m² hat.In Moskau ist das Angebot ungleich kleiner. In unmittelbarer Fußnähe zum Roten Platz gibt es in unserer Klasse nur wenige Haeuser, es kommen dann noch einige wenige in den nächsten zwei Jahren dazu. In absehbarer Zukunft wird auch noch das zweite Kempinski, das gegenüber der Ljubjanka gebaut werden wird, hinzustossen. Das ist im Vergleich zu anderen Großstädten relativ wenig. So gesehen ist der Wettbewerb klein.

Wie ist der Stand bei der lang erwarteten Renovierung des Hauses?
Es gab bislang recht gute Pläne, die natuerlich immer wieder geändert wurden. Ich selbst bin unter anderem mit dem Auftrag hierher gekommen, mich auf dieses Vorhaben zu konzentrieren. Und momentan geht es sehr zügig voran. Zurzeit sind wir noch im Abstimmungsprozess, den wir voraussichtlich zu großen Teilen mit dem nächsten Board - Meeting Ende Mai abschließen können. Danach folgen die Ausschreibungen, Auftragsvergabe etc. Wenn alles so weiter läuft wie bisher, können wir im November mit den Umbauten beginnen. Nach wie vor planen wir in geschlossenen Abschnitten zu agieren, die jeweils vom restlichen Geschehen abgetrennt werden. So können wir den Hotelbetrieb einfach und ruhig aufrecht erhalten. Der Gast wird gar nichts, oder sehr wenig, davon mitbekommen. Wir haben in die Planung auch zwei Monate für mögliche Verzögerungen eingebaut. So können z.B. bestimmte Arbeiten verschoben werden, wenn gerade eine wichtige Großveranstaltung läuft.
Ich kann Ihnen verraten, dass wir anstelle des Kranzlers ein mediterranes Bistrorant/Bar mit Außenterrasse, Live-Musik am Nachmittag und offener Küche planen. Überhaupt werden wir eine sehr hochwertige Küche anbieten. Einen kleinen Vorgeschmack erhalten Sie Ende Mai, wenn wir unser zukünftiges Foodkonzept vorstellen.

Ist die Krise, die ja auch der Hotelbranche starke Einbrüche beschert hatte, überwunden?

Das Geschäft hat sich in diesem Jahr wieder sehr gut entwickelt. Wir liegen heute schon um 40 Prozent höher im Verkauf als im Vorjahr. Die starken Monate sind jetzt schon gut ausgelastet, wir haben gerade mal Anfang Mai und sind im Juni schon an zwölf Tagen zu 100 Prozent ausgebucht. Es sieht also gut aus.
Was wir bräuchten ist eine stärkere Auslastung an den Wochenenden. Leider gibt es da nach wie vor immer noch zu wenig Initiative in der Stadt. Hier wären z.B. kleine aber feine Kongresse für 100 bis 150 Personen denkbar. Großveranstaltungen mit 15.000 Uebernachtungen, sogenannte Weltkongresse, sind derzeit leider noch nicht zu stemmen. Dazu fehlen der Stadt noch die Möglichkeiten. Ich glaube das Potential ist riesig, aber es bedarf natürlich einiger Investitionen.
Ebenso ist noch immer der größte Hinderungsgrund das aufwendige Visaverfahren.

Gibt es Bemühungen seitens der Hotellerie in dieser Richtung Einfluss zu nehmen?
Im Rahmen der Association of European Business gibt es eine Arbeitsgruppe, bestehend aus den führenden Hotels in Moskau. Ende April bin ich zum Sprecher dieser Gruppe gewählt worden. Wir werden in Zukunft Themen definieren, von denen wir glauben, dass sie den Tourismus beleben könnten, wie z.B. die Bewerbung zur Fußball WM 2018, die das Baltschug Kempinski stark unterstuetzt,  Ausstrahlung der Winterolympiade auf Moscow als pre und post visits, oder auch wie man auf die Stadt Einfluss nehmen kann, sich bestimmter wichtiger Tourismus fördernder Projekte und Themen anzunehmen. Aber natürlich können wir nur Impulsgeber sein, die eigentliche Initiative in Sachen Marketing für Moskau muss letztendlich von der Stadt ausgehen, wir können hierbei nur unsere Unterstützung anbieten.

Zum Schluss: Was vermissen Sie in Ihrem Moskauer Leben am meisten?
Ausgedehntes Laufen durch Grünanlagen und Parks, frische Luft inhalieren und gutes Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Da schlägt eindeutig meine Liebe zu den Alpen und zu Tirol durch. Ich habe auch schon in Moskau über 100 Kilometer zurückgelegt, aber es ist meist erst mit einer Anfahrt irgendwohin verbunden, und mein geliebtes Golfspiel.

Was gefällt Ihnen am besten?
Wieder eine neue Stadt, einen neuen Kulturkreis kennen zu lernen, Dinge zu sehen, die es nur hier gibt. Das macht mir und meiner Familie immer wieder große Freude. Und natürlich auch raus zu fahren und das ganze Land Russland zu erkunden. Dazu haben wir ja Zeit in den nächsten Jahren.

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