„DIE REGION HAT NOCH SEHR VIEL ENTWICKLUNGSPOTENTIAL“

FÜR DIE MODERNISIERUNG DES FLUGHAFENS PUKOLWO GRÜNDETE DIE FRAPORT AG MIT SEINEN PROJEKTPARTNERN DIE NORTHERN CAPITAL GATEWAY LLC. IMPULS SPRACH MIT ANDREA PAL, CHIEF FINANCE OFFICER BEI NORTHERN CAPITAL GATEWAY LLC, ÜBER PETERSBURG ALS INVESTITIONSSTANDORT UND DIE PERSPEKTIVEN DES PROJEKTS.

Was macht St. Petersburg für ein Investment attraktiv?

Das Flughafengeschäft unterscheidet sich von anderen Branchen, weil man kein Produkt verkauft, für dessen Marktantritt man eine bestimmte Strategie entwickeln kann. Es ist abhängig davon, in welchem Land oder in welcher Stadt Projekte initiiert werden. Fraport war auch an Moskau sehr interessiert und hat dort sehr lange die Situation beobachtet. Mehrere Mal waren wir kurz davor in Scheremetjewo als Flughafenbetreiber einzusteigen. Diese Projekte sind dann aber immer an politischen Hürden gescheitert.

In St. Petersburg dagegen waren die Bedingungen sehr klar. Es fand eine ganz normale, sehr transparente Ausschreibung statt.

Das war aber sicher nicht der einzige Grund für Ihre Investitionsentscheidung.

Sicher hätten wir uns in Murmansk bei den gleichen Ausschreibungsbedingungen nicht in dem Maße engagiert. Petersburg ist als Zielort sehr attraktiv. Es ist eine Stadt mit 4,6 Millionen Einwohnern und einem entsprechenden Einzugsgebiet. Außerdem ist es ein beliebtes Touristenziel. Das heißt, es gibt mehr Verkehr als die Bevölkerung selbst produziert. Hinzu kommt ein umfangreicher Geschäftsverkehr. Das ist eine gute Mischung, die ein stabiles Verkehrsaufkommen garantiert. Das ist für uns ein sehr wichtiges Kriterium, denn z.B. reine Tourismusdestinationen sind extrem anfällig. Bleiben einmal die Besucher aus irgendwelchen Gründen weg, brechen gleich die Umsätze ersatzlos ein. Die Region hat noch sehr viel Entwicklungspotential.

Was hat letztendlich den Ausschlag für ein Investment in St. Petersburg gegeben?

Wie gesagt, wir haben lange unseren Schwerpunkt in Moskau gesehen, aber die undurchsichtigen Verhältnisse und politischen Schwierigkeiten haben einen Einstieg von Fraport verhindert. Auch Nowosibirsk war an einer Zusammenarbeit mit Fraport interessiert. Aber dort waren Investition und Risiko zu hoch für uns. Das Projekt war zu wenig durchkalkuliert. Der gute Wille und das Wort eines Gouverneurs alleine reichen nicht aus, um einen Investoren anzulocken und einen angemessenen Vertrag zusammenzustricken, zumindest geht das bei einem Flughafenprojekt so nicht. Es sollte schon ein schlüssiges Vertragswerk mit einer angemessenen Risikoabschirmung angeboten werden, das erfordert Know-how und viel Erfahrung.

Fraport ist zum Teil immer noch ein Unternehmen der öffentlichen Hand und gehört als solches zu 51 Prozent der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen. Für Projekte, die zu viele offene Fragen und ein zu hohes Risiko enthalten, würde Fraport gar keine Genehmigung erhalten.

In Petersburg war das gesamte Verfahren so strukturiert und transparent, das es den Anforderungen standhalten konnte.

1,2 Milliarden Euro sollen zunächst investiert werden.  Was genau soll damit realisiert werden?

Das ist die veranschlagte Summe für die erste Projektphase bis 2014. In dieser ersten Phase soll der neue Terminal für 14 Millionen Passagiere gebaut werden, die Vorfeldfläche erweitert werden, einige Rollfelder, ein Hotel und ein Businesscenter gebaut und der alte Terminal renoviert werden.

Die zweite Phase ist noch nicht so klar definiert und ist natürlich auch von der Verkehrsentwicklung abhängig. Es könnte ein weiterer Pier am neuen Terminal gebaut werden, auch der alte Terminal könnte weiter modernisiert und ausgebaut werden.

Für das Investment ist die Northern Capital Gateway LLC gegründet worden? Wie sind ist Fraport mit seinen Partnern zusammen gekommen?

Es war von vorneherein klar, dass dieses Investment für Fraport allein zu groß ist, um mit 100 Prozent einzusteigen.  Mit Horizon Air Investments (Copelouzos Group, Anmerkung der Redaktion)  standen wir in Verhandlungen zu anderen Projekten. Dabei entstand die Idee gemeinsam in Russland einzusteigen. Dimitrios Copelouzos kennt sich in Russland durch das Gasgeschäft sehr gut aus. Er war bereit, sich bei der Suche nach einem russischen Partner zu engagieren. Wir standen zu Beginn mit Basic Element in Verhandlungen, aber letztendlich kam dann irgendwann die VTB Bank auf uns zu. Und ich muss sagen die Zusammenarbeit ist sehr gut.

Was waren ihre grüßten Schwierigkeiten bisher?

Der Einstieg war insgesamt nicht einfach. Es handelt sich um ein riesengroßes Unternehmen mit rund 4000 Mitarbeitern. Es ist sehr schwer alte Strukturen auszubrechen und Arbeitsprozesse zu verändern und die Mitarbeiter von der Notwendigkeit der Veränderungen zu überzeugen

Auch gab es eine Verzögerung bei der Lizenzerteilung für einige Dienstleistungen.

Die Trennung von der alten Gesellschaft die Pulkowo Airport Company ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben nicht von Anfang an eine neue Gesellschaft gegründet, sondern haben aus der alten sehr viel mit hinüber nehmen können, aber es ist ein langwieriger Prozess.

Jede Phase hat ihre eigenen Schwierigkeiten und auch in 30 Jahren wird es Probleme geben. Das ist normal.

Andere Unternehmer in der Region beklagen den akuten Arbeitskräftemangel. Haben Sie davon schon etwas gespürt?

Ich habe für meine Führungsmannschaft bei den Finanzen Topleute gesucht und gefunden. Die Suche hat etwas länger gedauert als in Deutschland. Aber die kurzfristigen Kündigungszeiten im russischen Arbeitsrecht haben diesen Zeitverlust wieder ausgeglichen.  Man muss natürlich abwerben und gute Konditionen bieten. Als sehr positiv empfand ich, dass drei meiner Leute nicht in erster Linie an den materielle Vorteilen  interessiert waren, für sie war es wichtig, Teil dieses Projektes zu sein, dass ja für ihre Stadt eine enorm hohe Bedeutung hat.

Das Interview führte Monika Hollacher, AHK Russland