Neustart für russische Flughäfen

Steigende Passagierzahlen machen die Modernisierung der russischen Flughäfen notwendig. / Gerit Schulze, GTAI, Monika Hollacher, AHK Russland

Russlands Luftfahrt wächst in großen Schritten. Schon für 2010 konnte ein neuer Rekord bei den Passagierzahlen verzeichnet werden: ein Viertel mehr Passagiere als im Vorjahr wurde befördert. Besonders auf internationalen Strecken gab es starke Zuwächse. Die Flughäfen und Fluggesellschaften des Landes sind optimistisch, dass der Aufwärtstrend auch in diesem Jahr anhält. Deshalb gehen die Ausbauarbeiten an den Airports weiter. Das bedeutet gute Geschäftschancen für deutsche Planer, Zulieferer und Betreiber.

Für 2011 erwartet die Föderale Luftfahrtagentur Rosaviazija, dass die Passagierzahlen mit mindestens zehn Prozent weiterhin schneller wachsen als der Weltmarkt. Wie sich allerdings die spürbare Erhöhung der Kerosinpreise und damit auch der Ticketpreise auswirken wird muss noch abgewartet werden. Die Passagierzahlen für das erste Quartal 2011 zeigen jedoch nach Angaben von Rosaviazija weiterhin ein Wachstum, wenn auch ein etwas Geringeres als ursprünglich prognostiziert. Auch beim Frachtverkehr setzt sich das deutliche Wachstum fort.

Um die steigenden Passagier- und Frachtmengen zu bewältigen, investieren Russlands Flughafenbetreiber in die Modernisierung und Kapazitätserweiterung. Selbst auf den modernen Moskauer Flughäfen kam es zu Jahreswechsel zu Störungen im  Flugverkehr. Diese Erfahrungen werden bei den zukünftigen Planungen eine wichtige Rolle spielen. So ist damit zu rechnen, dass die Airports ihre Lagerkapazitäten für Enteisungsmittel aufstocken. Zum Jahreswechsel 2010/11 musste in Moskau - Scheremetjewo der Betrieb eingestellt werden, weil die Chemikalien ausgegangen waren und die Tragflächen der Flugzeuge nicht vom Eis befreit werden konnten.

Ebenso müssen die Airports ihre Notstrom-Versorgung verbessern und höhere Sicherheitsstandards einführen. Das gilt nach dem verheerenden Bombenanschlag in Domodedowo Ende Januar 2011 vor allem für die Eingangsbereiche.

Unabhängig davon plant der Flughafen Moskau-Domodedowo bis 2015 Investitionen von 100 Milliarden Rubel (rund 2,5 Milliarden Euro) für ein neues Terminal, Parkhäuser und Flugsteige. In Sankt Petersburg wurde am Airport Pulkowo Ende 2010 der Grundstein für das neue 1,2 Milliarden Euro teure Terminal gelegt. In Wladiwostok und Sotschi-Adler werden die Flughäfen für die anstehenden Großereignisse "Asien-Pazifik-Gipfel 2012" und "Olympische Winterspiele 2014" fit gemacht. Im Fernen Osten ist jetzt erstmals ein koreanischer Investor ins Flughafengeschäft eingestiegen. Die Incheon International Airport Corporation hat Anfang Juli 2011 zehn Prozent am Flughafen Chabarowsk erworben, mit Option auf Erweiterung des Anteils. Die Koreaner ziehen, nach eigenen Angaben, als nächsten Schritt Investitionen in Wladiwostok in Betracht.

Das gilt auch für Kasan in der Republik Tatarstan. Dort sollen im Oktober 2011 die Bauarbeiten am internationalen Passagierterminal 1A zum Ende kommen. Pro Stunde können dann 600 Fluggäste abgefertigt werden. Die Millionenstadt wird 2013 die Universiade ausrichten, zu der Tausende Studenten aus aller Welt anreisen. Danach geht der Ausbau des Kasaner Airports noch bis 2015 weiter. An der Planung ist die Fraport AG beteiligt. Im Vorjahr wurden in Kasan knapp eine Million Passagiere gezählt.

In Nischni Nowgorod wird der russische Konzern Renowa rund 2,7 Milliarden Rubel investieren. Damit sollen bis 2016 ein neuer Passagierterminal und Parkplätze gebaut werden. Renowa gründet mit seinem Flagschiff Kolzowo (Ekaterinburg) und Strigino (Nischni Nowgorod) eine neue Flughafen Holding. Interesse besteht auch an einem Einstieg bei den Flughäfen Samara, Wolgograd, Nowosibirsk und Rostow am Don. Nischnij Nowgorod ist Reserveflughafen für Moskau.

Am Flughafen Irkutsk haben in diesem Jahr die Ausbauarbeiten an der Start- und Landebahn begonnen. Dafür stehen aus dem Staatshaushalt etwa 15 Millionen Euro bereit. Die Projektplanung führt die Sankt Petersburger Lenaeroprojekt ( www.lenaeroproject.ru) durch. Anschließend wird per Ausschreibung der Generalunternehmer für die Bauarbeiten ermittelt.

Im sibirischen Omsk beginnt 2011 der 215 Millionen Euro teure Ausbau des Flughafens Fedorowka. Dabei ist auch ein Anschluss an das U-Bahn-Netz vorgesehen.

Der Umbau des Flughafens Tomsk steht für 2012 bis 2013 an. In die Sanierung der Start- und Landebahn fließen 17 Millionen. Euro aus dem Staatshaushalt. Bei der Projektierung des internationalen Terminals will der Flughafen Leipzig-Halle die Tomsker unterstützen.

Deutsche Unternehmen profitieren als Planer, Bauunternehmer, Betreiber und Ausstatter mit vom Modernisierungsboom. Aber wie auch in anderen Branchen nimmt der Anteil der einheimische Anbieter zu. So z.B. in Wladiwostok, wo Hochtief nach Planung und Rohbau jetzt nur noch an der technischen Aufsicht beteiligt ist. Neben Wladiwostok und Scheremetjewo ist Hochtief bei der Planung der Flughafens Jemeljanowo in Krasnojarsk eingebunden. Die WM 2018 wird den Ausbau der Flughafen Infrastruktur weiter ankurbeln, glaubt Schmidt. Denn von den 13 bisher genannten Austragungsorten sind nur drei mit den FIFA Normen entsprechenden Flughäfen ausgestattet.

Optimismus zeigt auch Ausstatter ThyssenKrupp Elevator. Mit Liften und Rolltreppen von ThyssenKrupp gleitet man schon in den Moskauer Flughäfen Domodedowo, Scheremetjewo und Vnukowo, in Nowosibirsk (Tolmatschewo), Chanty-Mansiysk und Wladiwostok zwischen den Ebenen auf und ab.. ThyssenKrupp beteiligt sich an sämtlichen Ausschreibungen, die im Bereich Flughafenausstattung ausgeschrieben werden, so Eleana Zhbankova, Marketing Direktor bei ThyssenKrupp. Die Liste der Städte ist lang und umfasst Großprojekte wie z.B. Pulkowo, Krasnojarsk, Ekaterinburg und Kasan, aber auch kleiner Flughäfen wie Anadyr, Bijsk und Ulan Ude. Die Chancen für ThyssenKrupp Elevator entweder bei der Ausstattung oder beim Service einen Zuschlag zu erhalten, schätzt Zhbankova positiv ein.

Im Osten des Landes unterstützt die russische Regierung in diesem die Modernisierung kleinerer Flughäfen unterstützten. Dazu gehören Petropawlowsk-Kamtschatski, Magadan, Anadyr, Jakutsk und die Kurilen.

Eine Chance zur Entwicklung der Regional-Flughäfen bietet die Flugtaxi-Gesellschaft Dexter. Sie ist dabei, ein eigenes Linienflugnetz zwischen kleineren russischen Städten aufzubauen. Den Anfang machten Flüge zwischen der Stadt Kysyl (Republik Tywa) und dem 500 Kilometer entfernten Krasnojarsk. Seit Anfang 2011 bietet Dexter zweimal wöchentlich reguläre Flüge zwischen Iwanowo und Sankt Petersburg mit schweizerischen Turboprop-Flugzeugen der Marke Pilatus an. Die Ticketpreise (4.000 Rubel inkl. Steuern und Gebühren) werden zum Teil aus dem Regionalhaushalt subventioniert.