Nach Moskau! Nach Moskau?

Immer mehr Regionen bewerben sich aktiv um die Gunst der Investoren und machen den traditionellen Zentren zunehmend Konkurrenz. Auch deutsche Firmen bauen ihr Engagement aus. / Monika Hollacher , AHK Russland

 

So eindeutig wie für Tschechows drei Schwestern, ist die Frage nach dem Ort des Glücks in Russland schon lange nicht mehr zu beantworten. Hohe Preise, Personalknappheit, mangelndes Entgegenkommen der Verwaltungen veranlassen die Unternehmen, russische wie internationale, immer häufiger in den Regionen ihr Glück zu suchen. Offensichtlich werden sie immer häufiger fündig. Mit dieser Entwicklung treten die Regionen zunehmend miteinander in einen Wettbewerb um eine begrenzte Anzahl von Investoren. Wachsendes Selbstbewusstsein der Regionen und die überlasteten Zentren sorgen dafür, dass die Tendenz zur Regionalisierung in der Wirtschaft anhält. Zu diesem Schluss kam auch die Regionalumfrage 2010 der AHK, an der sich 116 Unternehmen beteiligten.

Nach wie vor liegt der Schwerpunkt deutscher Präsenz in den führenden russischen Industrieregionen. Neben Zentralrussland, vor allem Moskau und Moskauer Gebiet, ist das der Nord-Westen mit St. Petersburg und Leningrader Gebiet an erster Stelle, gefolgt vom russischen Süden, in dessen Mittelpunkt Krasnodar steht, Nowosibirsk und Krasnodar in Sibirien, Samara und Nischni Nowgorod in der Wolgaregion und dem Ural. Aber schon der Blick in die Zukunft verrät, dass sich der Fokus leicht verschiebt. 52 Prozent der Befragten wollen ihr Engagement in den Regionen ausbauen, 33 Prozent planen Neuansiedlungen. Zwar bleibt das Interesse an den 15 führenden Regionen bestehen, aber die Metropolen Moskau und St. Petersburg verlieren spürbar, während Sibirien, der Ural und der russische Süden leicht zulegen konnten.  Die Tendenz möchte die föderale Regierung in Moskau in Russland gezielt fördern, in dem sie den Regionen mehr Eigenverantwortung für ihre Investitionspolitik übertragen wird. Das Interview mit Sergei Beljakow, Leiter der Abteilung für Investitionspolitik und Entwicklung von öffentlich-privaten Partnerschaften im russischen Wirtschaftsministerium vermittelt Ihnen einen direkten Einblick in die Pläne der Regierung in Moskau.

Was suchen Investoren? Welche Faktoren sind bei einer Standortentscheidung ausschlaggebend? Falsch ist die Annahme, harte Standortfaktoren würden eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung spielen. Zwar steht das wirtschaftliche Potential einer Regionen auf Platz eins der Interessenliste, aber die nächsten Plätze werden belegt von weichen Faktoren, wie politische Stabilität, qualifizierte Arbeitskräfte, Rechtssicherheit und niedrige bürokratische Hürden, kompetente Administration. Regionen, die diese weichen Faktoren klug umsetzen, befinden sich zurzeit auf der Überholspur. Das zeigen die bekannten Beispiel Kaluga und Uljanowsk. Aber auch andere Regionen holen auf. Lesen Sie hierzu die Berichte der Korrespondenten der GTAI aus Stawropol und Chakassien.

Viele Regionen versuchen nicht nur Mittel zur Ansiedlung von Investoren zur Verfügung zu stellen, sondern auch über andere Wege attraktiv zu werden: z.B. steuerliche Vergünstigungen in den ersten Jahren, administrative Unterstützung der Investoren nach dem Prinzip des one-window-Planning-Service. Die Effektivität der administrativen Unterstützung wird besonders von den Unternehmen geschätzt, die schon in den russischen Regionen vertreten sind und gute Beziehungen zur Administration haben.

Eine wichtige Rolle bei der Zusammenarbeit der russischen Regionen mit Unternehmen aus Deutschland spielt die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer. Auf zahlreichen Veranstaltungen, die oft in Zusammenarbeit mit der  mit der Deutschen Botschaft durchgeführt werden, erhalten interessierte Unternehmen wichtige Informationen aus erster Hand. Die von der AHK organisierten Treffen mit regionalen Vertretern oder Reisen in die Regionen sind wichtige Informationsquellen für Fragen zu den Regionen und deren Perspektiven. Besonders bewährt hat sich auch das Format „Treffen mit dem Gouverneur“. Hier haben Unternehmen Gelegenheit im direkten Gespräch mit dem Gouverneur, ihre konkreten Anliegen oder bestehende Probleme zu besprechen. Eine weitere wichtige Informationsquelle für Unternehmen mit Erweiterungsambitionen in die russischen Regionen sind die Empfehlungen und Praxisberichte von anderen Unternehmen die schon entsprechende Erfahrungen gesammelt haben. Auch hier bietet die AHK die Plattform für den Meinungsaustausch.