Frischer Wind in der Modebranche

Das Kulturzentrum BezGraniz veranstaltet erstmalig einen jährlichen Modewettbewerb „Bezgraniz Couture™ INTERNATIONAL FASHION AND ACCESSOIRE AWARD 2011“. / Andreas Dirksen, AHK Russland

Menschen mit Behinderungen haben oft spezielle Anforderungen an ihre Kleidung, daher ist es für sie oft problematisch passende Kleidungsstücke und Accessoires zu finden. In der Regel sind aufwändige und teure Veränderungen erforderlich, um die richtige Passform zu erhalten. Mode für Menschen mit Behinderungen ist, auf Grund fehlender Wirtschaftlichkeit, bisher nicht in den Interessenbereich der Bekleidungsindustrie gerückt. Die Kleidungsgrößen sind bis dato nicht standardisiert oder normiert, was eine Fertigung in größeren Stückzahlen nahezu unmöglich macht. Spezialanfertigungen können sich nur wenige leisten, da diese recht teuer sind.

„Bezgraniz Couture™“ hat sich mit dem „Bezgraniz Couture™  INTERNATIONAL FASHION AND ACCESSOIRE AWARD“ zum Ziel gesetzt, Designer, Modelabels und Bekleidungsindustrie dazu anzuregen, ihre kreativen Ressourcen auf das Designen von Kleidung, Schuhen und Accessoires zu lenken, die den speziellen Anforderungen von Menschen mit Behinderungen gerecht werden. Mit einer Kollektion speziell für behinderte Menschen können Teilnehmer dieses Wettbewerbs der ganzen Modebranche einen kommerziellen, kreativen und funktionellen Impuls verleihen. Da dieser Bereich bisher nicht intensiv bearbeitet wurde, bietet er viel Spielraum für kreative Ideen und hat ein großes wirtschaftliches Potential.

„Bezgraniz Couture™ INTERNATIONAL FASHION AND ACCESSOIRE AWARD“ startete zum ersten Mal am 1. Februar 2011. Von den Teilnehmern werden Frühling/Sommer-Kollektionen für Frauen, Männer und Kinder in den Kategorien „Alltag“, „Arbeit“, „Freizeit“, „Reisen“, „Sport“ und „Abendmode“ erwartet. Der Wettbewerb soll zukünftig jedes Jahr durchgeführt werden. In den ersten Jahren sollen Erfahrungen gesammelt und ausgewertet werden, wie Mode für behinderte Menschen standardisierbar gemacht werden kann. Dies soll bei der Fertigung zu einer spürbaren Kostensenkung führen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Signalwirkung dieses Wettbewerbs: Mode für Behinderte soll nicht mehr länger als etwas Exotisches angesehen werden, auch in den Geschäften soll es zum Normalfall werden.

Was von vielen für „verrückt“ gehalten wurde, erhält nun zunehmend weltweit positive Resonanz. Die Industrie nimmt eine eher abwartende Haltung ein, bekundet jedoch vorsichtig Interesse. Dieses wirtschaftliche Interesse muss nachhaltig gestärkt werden, um eine Produktion in größeren Stückzahlen in die Wege leiten zu können.

Um internationale Designer zu erreichen, wird das Internet als Plattform genutzt. Die Designer fotografieren ihre Kollektionen und laden diese zusammen mit Skizzen und Beschreibungen über das Internet hoch. Eine kompetente und international besetze Jury wird ebenfalls über das Internet objektiv die zwölf besten Kollektionen für das Finale auswählen. Wichtige Kriterien bei der Bewertung sind ansprechende Materialien, Farbkombinationen und Funktionalität, daneben werden auch Passform für unterschiedliche Körpermaße und die Möglichkeit einer industriellen Fertigung bewertet. Das Finale wird am 1. Juli, im Rahmen der von Messe Düsseldorf organisierten Ausstellung „Integration. Life. Society.“, im Moskauer „Expocenter“ stattfinden. Gewinner werden im Rahmen einer feierlichen Gala-Show im Moskauer Kreml bekannt gegeben.

Das Gesicht dieses Wettbewerbs ist Ewgenija Woskobojnikowa. Die 26-jährige ist selbst in ihrer Mobilität eingeschränkt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Sie weiß aus eigener Erfahrung wie schwierig es für Menschen mit Behinderung sein kann den Alltag zu meistern. Auch das Finden stilvoller und passender Kleidung ist für sie nicht mehr so einfach wie früher.

„Früher“ - das ist für Ewgenija vor dem Autounfall, der ihr Leben völlig veränderte. Damals war sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Model und träumte von Laufstegen in Milan und New York. Diese Träume mussten Träume bleiben. Sie wollte sich aber nicht mit der prophezeiten schwarzgrauen Zukunft abfinden und kämpfte für ihren Platz in der Gesellschaft. Der Rollstuhl hinderte sie nicht daran weiter an ihrer Karriere zu arbeiten. Momentan ist sie beim Sender „TV-Rain“ tätig, wo sie eine eigene Sendung moderiert, in der sie sich mit sozialen Fragen und Problemen befasst. Für diesen Job musste sie ihre Heimatstadt und ihre Familie und Freunde verlassen und nach Moskau gehen. Der Job gibt ihr Freiheit und Unabhängigkeit und das Gefühl gebraucht und geachtet zu werden.

Früher legte sie viel Wert auf Äußeres, Mode und Kleidung und konnte auch alles tragen. Heute ist es für sie nicht mehr so einfach ansprechende Kleidung zu finden, die ihr auch passt. Sie liebt hochwertige Sachen, die zugleich bequem und praktisch sind. „Das ist keine einfache Aufgabe, aber ich bin mir sicher, dass wir sie in Zusammenarbeit mit Designern mit Bravour meistern werden“. Ihre Motivation das Gesicht dieses Wettbewerbs zu sein, ist das Bestreben die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf dieses Thema zu lenken und ungleichgültige Menschen mit dieser Idee anzustecken - was sicherlich auch gelingen wird.