Konkurrenzkampf nimmt zu

Wettbewerb der Regionen verbessert die Rahmenbedingungen für Investoren. / Jens Boehlmann, AHK Russland

Deutsche Firmen investieren verstärkt in russischen Regionen. Zwei Drittel aller Investitionen fließen in Produktionserweiterungen. Entscheidend bei der Standortwahl sind die Faktoren wirtschaftliches Potential, Fachkräfte und Infrastruktur. Die attraktivsten Regionen sind Tatarstan, gefolgt von Swerdlowsk, Uljanowsk, Nowosibirsk und St. Petersburg. Das Gebiet Kaluga, das bei der letzten AHK-Umfrage 2010 den ersten Platz belegt hatte, liegt jetzt auf dem achten Platz.

Ein wesentliches Ergebnis der alle zwei Jahre durchgeführten Regionalumfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) ist die klare Tendenz deutscher Unternehmen zur unternehmerischen Aktivität und zur Lokalisierung in den russischen Regionen. Als die Regionen mit den besten Bedingungen für ausländische Investoren werden die Republik Tatarstan, gefolgt von den Regionen Swerdlowsk, Uljanowsk, Nowosibirsk und der Stadt St. Petersburg empfunden. „Das Ergebnis der Umfrage spiegelt auch unsere täglichen Erfahrungen wider. Genau in diesen Regionen siedeln sich deutsche Unternehmen an. Wir spüren seit etwa zwei Jahren, dass zwischen den Regionen ein Wettbewerb um Investoren stattfindet, als dessen Folge haben sich in einigen Regionen die Rahmenbedingungen deutlich verbessert“, so Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der AHK.

Zwei Drittel aller Investitionen fließen in bereits bestehende Projekte, ein Drittel in Neuinvestitionen. In den kommenden zwei bis drei Jahren planen 80 Prozent der produzierenden Unternehmen in neue Projekte zu investieren, 20 Prozent in vier bis fünf Jahren, was die kurz- und mittelfristige Attraktivität des russischen Marktes deutlich macht. In den Bereichen Handel, Vertrieb und Dienstleistungen sind Investitionen teilweise schon 2012 realisiert worden, aber umfangreiche Neu- und Erweiterungsinvestitionen in den kommenden zwei bis drei Jahren geplant. „Wir sind seit vielen Jahren in Russland sehr aktiv, haben dem Markt die Treue auch in unsicheren Zeiten gehalten und rechnen uns mit dem WTO-Beitritt der Russischen Föderation noch bessere Chancen in Russland aus. Die Landwirtschaft zählt zu den sich am schnellsten entwickelnden Wirtschaftszweigen, in den sowohl staatliche als auch ohne private Investitionen fließen“, bestätigt Ralf Bendisch, Generaldirektor Claas Russland und Regionalbeauftragter der AHK für den südlichen Föderalbezirk die strategische Wichtigkeit Russlands als Markt der Zukunft.

Bei den Neuansiedlungen deutscher Unternehmen führt der nordwestliche Föderalbezirk mit einem Zuwachs von  knapp 20 Prozent das Ranking vor den Föderalbezirken Wolga und Süd an. Die eindrucksvollste Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren zeigt jedoch der ferne Osten, in den im Gefolge des APEC-Gipfels und des Förderprogramms der Regierung zahlreiche Investitionen flossen.

Entscheidend für die Wahl des Investitionsstandortes sind die Faktoren: wirtschaftliches Potential, IT- und allgemeine Infrastruktur, Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und Administrationen, Zugang zu Medien wie Strom, Gas, Wasser etc. und Grundstückspreise. „Wir sind in den vergangenen Jahren bei den Rahmenbedingungen zweifellos einen großen Schritt voran gekommen, wir wünschen uns jedoch die schnelle Etablierung eines Ombudsmannes für jede Region, der die Investoren bei ihren Investitionen von Beginn an aber auch in den nächsten Jahren begleitet und betreut“, bringt es Rüdiger Wagner, CEO Schott Glas Russland und Regionalbeauftragter der AHK für die Region Wolga auf den Punkt.

In einem ersten Schritt, informieren sich die Mehrzahl der ausländischen Unternehmen vorwiegend aus dem Internet über die russischen Regionen, die ihnen für zukünftige Aktivitäten interessant erscheinen. Deshalb hat die AHK zusammen mit den Partnern OWC Verlag für Außenwirtschaft und Germany Trade and Invest GmbH im Rahmen des Deutschlandjahres das Internetportal http://www.russische-regionen.degestartet. Das Portal bietet einen täglich aktualisierten Newsticker zu den russischen Regionen, Informationen zu makro- und sozioökonomischen Rahmendaten, einen umfangreichen Veranstaltungskalender und die Adressdaten der relevanten Ansprechpartner in den 83 Föderationssubjekten. Ergänzt werden die Informationen durch zahlreiche Publikationen und Berichte zu den jeweiligen Regionen. Die Zielgruppe des Portals sind vor allem mittelständische deutsche Unternehmen, deren internationale Ausrichtung auch Russland im Fokus hat. Das Portal bietet einen ersten fundierten Überblick über Investitionsbedingungen, die Attraktivität der Region und zu aktuellen Entwicklungen und Investitionsprojekten.