Von Kaliningrad bis Wladiwostok

Die russischen Regionen stehen im Mittelpunkt der zweiten Hälfte des Deutschlandjahres. / Simone Voigt, Goethe Institut Moskau

Anfang 2013 ging das Deutschlandjahr unter dem Motto „Deutschland und Russland: gemeinsam die Zukunft gestalten“ in seine zweite Runde: Nach sechs Monaten mit spektakulären Höhepunkten und insgesamt über dreihundert Veranstaltungen in den beiden Metropolen Moskau und St. Petersburg wurde der Fokus ab Februar 2013 in die Weite des Landes gelegt - von Kaliningrad, über Nischni Nowgorod, Wolgograd, Perm und Jekaterinburg bis nach Nowosibirsk und Wladiwostok. Kulturelle Glanzlichter in den regionalen Zentren, insgesamt schätzungsweise siebenhundert Einzelveranstaltungen in mehr als 45 Städten.

Von besonderer historischer und politischer Bedeutung war das Konzert der Osnabrücker und Wolgograder Symphonieorchester am 3. Februar - ein großes Konzert in der Wolgograder Gebietsphilharmonie zum Gedenken an die schätzungsweise 800.000 Opfer der Schlacht um Stalingrad vor 70 Jahren. Als Hauptwerk erklang Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie, die mit Schillers Gedichtzeile „Alle Menschen werden Brüder" die Intention und Symbolkraft dieses denkwürdigen Musikereignisses widerspiegelte. Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten traten die Osnabrücker Symphoniker als erstes deutsches Orchester nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Wolgograd auf und gaben drei Konzerte.

Einen Monat später ging das Deutschlandjahr auch im Ural und in Sibirien offiziell an den Start. Am 2. März begann in Jekaterinburg das vielseitige Programm aus Konzerten, Ausstellungen, Theatergastspielen, Filmaufführungen und Autorenlesungen mit einem musikalischen Auftakt in der Swerdlowsker Gebietsphilharmonie. Vor 600 Gästen trat das Quartett des renommierten Linos-Ensembles mit erlesener Kammermusik auf. Am darauffolgenden Abend gaben vier deutsche Musikstudenten des im Rahmen des Deutschlandjahres gegründeten Ensembles 2012 gemeinsam mit dem Nairi-Quartett und dem Uraler Philharmonischen Orchester ein Konzert.

 

Zum Auftakt in Nowosibirsk am 3. März spielten die berühmten 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker vor knapp 1.800 Zuhörern im Opern- und Balletttheater. Schwerpunkte des sibirischen Deutschlandjahrprogramms waren zeitgenössischer Tanz und Urbanität . Im April ging die Tanzkompanie Renegade vom Schauspielhaus Bochum unter Leitung von Malou Airaudo mit dem Stück „Irgendwo“ auf Tournee. Am 11. und 12. Mai hatte das auf ein Jahr angelegte Tanztheaterprojekt „Nowosibirsk Transfer“ Premiere. Choreograf Samir Akika entwickelte gemeinsam mit einem Team seiner Kompanie Unusual Symptoms sowie jungen Tänzern, Schauspielern, Pantomimen und einem Zauberer aus Nowosibirsk ein Stück, das die Erzählungen und Blickwinkel der jungen Generation aus Sibiriens urbanem Zentrum versammelte. Zum Abschluss seines Programms lud das Goethe-Institut in Nowosbirsk am 31. Mai im Kunstmuseum zu einer Langen Nacht der Deutschen Kultur „Будущее.De“ ein, in der u.a. die Ausstellungeröffnung „Die Stadt – Vom Werden und Vergehen“ mit Werken von 18 Fotografen der renommierten Berliner Fotoagentur OSTKREUZ stattfand.

Im Mai fanden in Nischni Nowgorod und Wolgograd deutsch-russische Straßenfestivals statt. Drei Tage lang gab es jede Menge Live-Musik bekannter deutscher und lokaler russischer Bands, Streetart, Kinder- und Jugendtheater, Workshops, Wettbewerbe, kulinarische Spezialitäten und vieles mehr für Groß und Klein zu erleben.

 

 

Unter dem Titel „Russland und Deutschland. Improvisationen zum Thema Zukunft“ legte das Permer Kulturzentrum „Ergo“ mit Unterstützung des Goethe-Instituts und der Permer Gebietsverwaltung ein eigenes großes Deutschlandjahrprogramm auf. Dessen Ziel war es vor allem lokale Künstler sowie Kinder und Jugendliche in die Projekte einzubinden. In Begleitung der zahlreichen Veranstaltungen mit deutschen Kulturschaffenden fanden viele Workshops statt, in denen ganz neue Projekte entstanden - darunter verschiedene Musikaufnahmen, Trick- und Dokumentarfilmproduktionen sowie Tanz- und Puppentheaterstücke.

Neben den zentralen Veranstaltungen, bereicherten zahlreiche lokale Initiativen das regionale Programm 2013. Insgesamt 565 Projektanträge aus 103 Städten wurden im Rahmen einer Ausschreibung zur Projektförderung eingereicht. 52 davon wurden bewilligt – die meisten in Nowosibirsk, Jekaterinburg und Kaliningrad.

 

Trotz der vielen Live-Veranstaltungen, ließ sich die besondere Herausforderung des Deutschlandjahres, in ganz Russland möglichst viele Menschen zu erreichen, nur mit Hilfe des Internets bewältigen. Deshalb gab es 2013 drei große Wettbewerbe, die auf der Website www.germanyinrussia.ru und in den sozialen Netzen angekündigt wurden. Unter den Titeln „Mein Deutschlandbild“, „Die beste deutsche Erfindung“ und „Die beste Deutschlandwerbung“ waren kreative Ideen für Fotos, Zeichnungen und Werbespots gesucht. Die Gewinner erhielten Flüge nach Deutschland, Sprachkurse, tolle Sachpreise und Souvenirs im Deutschlandjahr-Design.

Wenn das Deutschlandjahr im Juni 2013 zu Ende geht, werden insgesamt etwa tausend Ereignisse in rund fünfzig russischen Städten stattgefunden haben. „Deutschland und Russland: gemeinsam die Zukunft gestalten“ war für die deutschen und russischen Organisatoren nicht nur ein Motto, sondern auch eine Aufforderung zum Handeln. Was das Deutschlandjahr erreicht hat, sind neben den zahlreichen Begegnungen und Erlebnissen auch neue Erfahrungen und Ideen für zukünftige Vorhaben der vielen Partner in Deutschland und Russland.