Global Family

Immer mehr Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Ausland. Damit stellt sich immer häufiger die Frage, wie man Partner und Familien in diesen Trend integrieren kann. / Katharina Schöne, AHK Russland

Internationale Konzerne aber auch immer mehr mittelständische Unternehmen bauen ihr Engagement in vielen Teilen der Erde aus und versenden Mitarbeiter in alle Herren Länder, um dort den Markt zu bearbeiten, Produktionen aufzubauen oder ihr Know-how an lokale Mitarbeiter weiterzugeben. Diese Auslandsaufenthalte sind oft langfristig angelegt. Deshalb ist es längst keine Seltenheit mehr, dass ganze Familien in eine völlig neue kulturelle Umgebung umziehen und sich ohne vorherige Erkundungsreise oder Eingewöhnungsphase in der neuen Umgebung zu Recht finden müssen. Wenn die Vorbereitung gut läuft und genügend Vorlaufzeit vorhanden ist, bekommen die Mitarbeiter und ihre Partner ein interkulturelles Training mit praktischen Tipps und einen Einführungskurs in die Sprache der temporären Heimat angeboten. Vor Ort angekommen, bleiben viele Familien aber meist auf sich allein gestellt, die Ansprechpartner sind oft hoffnungslos überfordert, wenn überhaupt vorhanden.

So finden sich z.B. Mexikaner in Nischni Nowgorod wieder und das Leben wird zum Abendteuer. Wo kaufe ich warme Kleidung? Welche weiterführenden Schulen sind für die Kinder geeignet? Wie werden sie sich dort einleben? Schon der alltägliche Einkauf im Lebensmittelgeschäft kann zum Problem werden. Oft wird den mitreisenden Ehepartnern erst vor Ort bewusst, auf welches Abenteuer sie sich eingelassen haben. Wenn dann erst der Alltag eingekehrt ist, schließt sich meistens die Frage nach der eigenen Weiterbildung, Berufstätigkeit bzw. Beschäftigung an. Sehr wenige Frauen sind bereit ein bis drei Jahre oder länger, als Hausfrau zu verbringen und ihre Karriere zu unterbrechen.

Immer mehr große Unternehmen nehmen sich dieses Problems an und fördern mit speziellen Betreuungsmaßnahmen mitreisende Ehepartner. Ziel ist es, die Ehepartner in das neue Tätigkeitsumfeld zu integrieren und ihnen somit Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Ist die Familie zufrieden, ist es der Mitarbeiter auch. Auch der Volkswagenkonzern hat weltweit ein Partner Support Projekt für die mitreisenden Ehepartner aufgelegt. Zusammen mit der AHK China wurde ein 3-Säulen-Programm entwickelt, das auf erstens Beruf und Karriere, zweitens Studium und Qualifikation und  drittens Kultur und  Ehrenamt basiert. Jetzt wird das Programm an zehn  weiteren  Standorten des Volkswagenkonzerns eingeführt.

Die AHK steht den Teilnehmern des Punkten Partner Support des beratend zur Seite und geht individuell auf deren Wünsche und Vorstellungen ein. Die erste Säule beinhaltet die ausgiebige Beratung zu Beschäftigungsmöglichkeiten am Standort entweder innerhalb der VW Niederlassung selbst oder aber bei anderen deutschen oder internationalen Unternehmen. Oft müssen die Partner, aufgrund ihrer mangelnden Sprachkenntnisse ein Jobangebot mit geringeren Qualifikationsanforderungen annehmen, was aber für viele nur der Einstieg und die Möglichkeit einer Weiterentwicklung bedeutet. Bei der zweiten Säule geht vor allem um die Auswahl der richtigen Sprachkurse für die Partner, oder auch auf Wünsche nach Fernstudiengängen, die sehr gut mit einem Auslandsaufenthalt verbunden werden können. Die dritte Säule gilt vor allem als Integrationsinstrument in die neue Umgebung. Durch eine ehrenamtliche Tätigkeit werden schnell Bekanntschaften zu Einheimischen geschlossen, wo durch sich ein schnellerer Zugang zu den Menschen und der Kultur des Aufenthaltslandes ergibt. Die meisten Partner engagieren sich hier Teilzeit, ein paar Stunden die Woche in sehr unterschiedlichen Einrichtungen, wie z.B. Sportvereine, kirchliche Vereine, Kinderheime etc.

Als AHK in Russland arbeiten wir hier vor Ort vorwiegend mit den Volkswagenstandorten Nischni Nowgorod, Kaluga und Moskau zusammen und betreuen mitreisende Ehepartner aus Deutschland, Tschechien, der Slowakei oder eben auch Mexiko. Die Möglichkeiten an den Standorten sind eingeschränkt und es ist schwer sie mit den Ansprüchen in Übereinstimmung zu bringen. Hier besteht unsere Aufgabe darin zu vermitteln und zu erklären. Als Berater versuchen wir genauso das Problem einer thailändischen Partnerin zu lösen, die viel lieber die tschechische Muttersprache ihres Mannes lernen möchte, also einen Tschechischlehrer mit Englischkenntnissen sucht, wie auch einer mitreisenden Partnerin aus der Slowakei, die unbedingt eine feste Anstellung im Marketingbereich sucht, bevor sie nach Russland umzieht. Die Beratung sollte im Idealfall schon vor der Abreise aus dem Heimatland beginnen, um keine Zeit nach der Ankunft zu verlieren.

Andererseits beraten wir gemeinsam mit Partnerorganisationen in Deutschland und andern Ländern auch Impatriates, sprich zurückkehrende Ehepartner, die nach langen Auslandsaufenthalten, wieder Anschluss in Ihrem Heimatland finden wollen. Meist geht es dabei um die Jobvermittlung.

Das Programm wurde zusammen mit dem VW Konzern initiiert, wird aber zunehmend auch anderen Unternehmen angeboten, die hier vor Ort oft nur wenige Expats beschäftigen. Auf regelmäßigen Treffen wird ein Netzwerk gebildet, das jede Teilnehmerin individuell für sich nutzen kann, um mit der neuen Umgebung schneller warm zu werden und die Möglichkeiten vor Ort schneller kennenzulernen.

Gerne stehen wir auch Ihnen, bzw. Ihren Partnern beratend zur Seite.

Kontakt: Katharina Schöne, AHK Russland, schoene(at)russland-ahk.ru