„Wir brauchen die WTO-Mitgliedschaft für Modernisierung“

Interview mit Alexej Mordaschov, Generaldirektor der OAO Severstal und Vize - Präsident der AHK Russland

2011 hat Severstal ein positives Netto-Ergebnis vorgelegt. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?

Ja, das stimmt. Der Nettogewinn von Severstal betrug für das Jahr 2011 über zwei Milliarden US-Dollar. Nach zweijähriger Pause ist dies das erste positive Finanzergebnis. Außerdem belegten wir 2011 nach der Kennziffer EBITDA den ersten Platz in der Stahlindustrie Russlands und wurden in die Weltspitzenreiterliste nach Ertragskraft und Rentabilität aufgenommen – z.B. in Bezug auf die Kapitalinvestitionen  hat das Unternehmen den ersten und in der Rentabilität nach EBITDA – den dritten Platz belegt.

Diese Ergebnisse verdankt das Unternehmen dem Geschäftsmodell  der OAO Severstal und der Umgestaltung einiger Geschäftsbereiche, wie z.B. dem Verkauf ineffizienter Betriebe in den USA und Europa. Im Großen und Ganzen ermöglicht eine vertikale Integration eine höhere Kennziffernachhaltigkeit der Stahlwerke, Gewinn aus Stahl- und Rohstoffverkauf zu schöpfen und bei niedrigen Rohstoffpreisen die Aufwendungen des Stahlgeschäftes zu minimieren.   

Severstal versorgt eigene Stahlwerke zu fast hundert Prozent mit Rohstoffen aus der Sparte Severstal Resources. Vor Kurzem  wurden Kohleaktiva in den Republiken Komi und Tuwa erworben. Plant das Unternehmen in den nächsten Jahren eine Lizenz zur Erschließung von Eisenerz- und Kohlelagerstätten in Russland zu erwerben?

Unsere Eisenerzsparte deckt nicht nur den Eigenbedarf, sondern verkauft Rohstoffe auch an Dritte. Wir vertrauen auf das Mining und verfolgen deshalb, auch in Russland, die auf dem Markt bestehenden Möglichkeiten. Dabei ist es uns wichtig in der momentanen Phase die vorhandenen Aktiva effizient zu nutzen und in diese zu investieren. Hierbei sind unsere Betriebsaktiva in Russland und in den USA sowie unsere aussichtsstarken Greenfields in anderen Weltregionen gemeint.

Die Severstal-Werke liefern Walzgut unter anderem an die Automobilindustrie. Welche Autohersteller beliefern Sie in Russland?

In der Absatzpolitik des Unternehmens gehört die Automobilindustrie zu den strategischen Richtungen. Der Anteil des Absatzes des Unternehmens an die Automobilindustrie beträgt ca. sieben Prozent. Severstal beliefert die führenden Automobilhersteller Russlands und der GUS-Staaten, darunter GAZ Group, KAMAZ, AvtoVAZ, Sollers, Renault – Nissan, Ford, Hyundai – Kia, BELAZ, GM Uzbekistan. 2012 hat Severstal mit der Belieferung von Volkswagen  in Kaluga begonnen.

Wird eine Erweiterung dieses Geschäftszweiges geplant?

Severstal wird auch in Zukunft die Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern in Russland fortsetzen und ausbauen. Im Jahr 2012 betrug der Anteil von Severstal auf dem russischen Walzgut-Markt für Automobilindustrie 20 Prozent,

Unternehmen, die auf dem russischen Markt tätig sind, bemängeln öfters das Fehlen qualifizierten Personals. Wie gehen Sie mit diesem Problem um?

Wir investieren erhebliche Mittel in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Severstal hat im vergangen Jahr im Bereich der Personalschulung und Ausbildung knapp 340 Millionen Rubel investiert.

2011 haben wir mit der Verwaltung der Region Wologda eine Kooperation bei der Modernisierung des regionalen Berufsausbildungssystems vereinbart.  Von 2011 bis 2013 werden wir über 150 Millionen Rubel in dieses Programm investieren. Dieses Programm ist einer der Sieger eines Wettbewerbs für regionale Programme zur Entwicklung der Berufsausbildung, den das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der RF initiiert hat. 

Sie leiten das Komitee für Integration, Handels- und Zollpolitik und WTO des Russischen Industriellen- und Unternehmerverbandes. Welche Auswirkungen erwarten Sie durch die WTO-Mitgliedschaft auf die russische Wirtschaft?

Die WTO-Mitgliedschaft Russlands bringt eine Reihe an Vorteilen für die russische Wirtschaft mit sich. Hierbei möchte ich zwei Plus-Punkte besonders hervorheben. 
Erstens wird es leichter, russische Güter und Dienstleistungen auf Märkte anderer Länder zu bringen. Das wird ein zusätzlicher Antrieb für die Entwicklung bestimmter Industriezweige. 
Zum Zweiten führt die Implementierung internationaler Handelsnormen zur Steigerung der Investitionsattraktivität bei. 
Wir brauchen die WTO-Mitgliedschaft, damit sich ein freier Wettbewerb und auch die heimische Wirtschaft entwickeln können.

Schauen wir nach China, so hat die WTO-Mitgliedschaft dort durch einen beschleunigten Anstieg ausländischer Investitionen wie auch die Investitionssteigerung im Lande zu einem Wachstum der heimischen Wirtschaft von 0,5% bis 1%. Die WTO-Mitgliedschaft bringt traditionell mehr Transparenz und Ordnung für ausländische wie auch für inländische Investoren. 


Was können Sie als Vorsitzender des G20-Handelsausschusses, zu den nächsten Tätigkeitsplänen der Gruppe sagen?

Die Schwerpunkte unserer Tätigkeit liegt auf praxisorientierten Vorschlägen basierend auf realen Geschäftserfahrungen im globalen Handel, die nach der Zustimmung aller Teilnehmer des internationalen Dialoges zu wirksamen Faktoren des wirtschaftlichen Wachstums werden und der Aufgabenlösung bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze weltweit beitragen können.

Zur Förderung des Handels werden die besten Beispiele und Erfahrungen im Bereich der Organisation des Zollverfahrens sowie internationaler Logistik, Minderung administrativer Hindernisse und Schaffung klarer und transparenter Vereinbarungen zwischen den Ländern ausgewertet und zur weiteren Ausarbeitung vorgeschlagen.

An Hand dieser Vorschläge erarbeitet der Handelsausschuss Empfehlungen für die G20-Teilnehmer, die die Grundlage der Tagesordnung des G20-Gipfels, der im September in Sankt- Petersburg stattfindet.