Zum Praktikum nach Russland

Mit dem Programm „Russland in der Praxis“ wird deutschen Studierenden der verschlungene Weg zu einem Praktikum in Russland geebnet. / Dr. Gregor Berghorn, DAAD-Büro, Moskau

Für deutsche Studierende sind Praktika eine wichtige Ergänzung in ihre Ausbildung, besonders geschätzt sind Erfahrungen, die man im Ausland sammeln kann. Bereits seit langem sind deutsches Studenten und Absolventen an  Praktika in Russland interessiert. Aber bei Vorbereitung und konkreter Durchführung stößt man schnell auf  Schwierigkeiten, die viele wieder von ihrem Vorhaben abbringen. Die vergleichsweise geringe Zahl deutscher Praktikanten spiegelt daher nicht die wahre Interessenslage deutscher Studenten an einem Praktikum in Russland wider. Das Interesse ist, wie sich im letzten Jahr gezeigt hat, erfreulich hoch.

Im Oktober 2011 initiierte die Deutsche Botschaft Moskau ein erstes Brainstorming zu einem Programm, das Praktika für deutsche Studierende und junge Hochschulabsolventen in Russland, vorzugsweise bei den hier ansässigen deutschen Unternehmen fördern soll. An dieser „Gründungssitzung“ nahmen Vertreter der Deutschen Botschaft, der deutschen Wirtschaft, der Higher School of Economics (HSE), des Russischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft sowie des Moskauer DAAD Büros teil. Ein Konsens, ein Praktikantenprogramm für Deutsche zu schaffen, war rasch gefunden, ebenso der Name für das Programm: „Russland in der Praxis“.

Im Weiteren wurden die Aufgaben und Kompetenzen verteilt. Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) unterstützt die Kommunikation mit den deutschen Firmen und informiert ihre Mitglieder bzw. die deutschen Unternehmen in Russland über das Programm. Die interessierten Unternehmen stellen die Praktikumsplätze zur Verfügung. Aus rechtlichen und praktischen Gründen übernimmt die HSE das Visaverfahren und der Registrierung beim FSM, die Immatrikulation der Praktikanten als Studierende der HSE aus aufenthaltsrechtlichen Gründen, die „Entsendung“ der Praktikanten an die deutschen Unternehmen sowie die „Betreuung/Ausbildung“ der Praktikanten nach russischem Hochschulrecht.

Die DAAD-Zentrale in Bonn ist zuständig für die Information zum Programm in Deutschland, den Aufbau bzw. die Pflege der Datenbank zur Aufnahme der Wünsche der deutschen Wirtschaft und für die Stellenprofile der von ihr bereitgestellten Praktikumsplätze, für die Ausschreibung und Bekanntgabe des Programms an den deutschen Hochschulen, für die Prüfung der formalen Bewerbungsvoraussetzungen und schließlich für alle mit dem Stipendium verbundenen Fragen.

Die DAAD-Außenstelle Moskau koordiniert zwischen allen Beteiligten und verhandelt mit den am Praktikum beteiligten Partnern.

Das Projekt wird politisch von der Deutschen Botschaft Moskau begleitet, die es gegenüber russischen und deutschen Ministerien vertritt. Langfristig soll erreicht werden, dass die russische Seite, ähnlich wie in Deutschland, ein „Praktikantengesetz“ auf den Weg bringt, das den Rechtsstatus „Praktikant“ auch für ausländische Studierende vorsieht, so dass entsprechende, bis jetzt noch nicht existierende Visabestimmungen geschaffen werden können. Bislang gibt es für Praktikanten keinen Aufenthaltsstatus.

Zielgruppe sind deutsche Studierende aus Bachelor- oder Masterstudiengängen bzw. aus Diplomstudiengängen. Auch Bewerber mit einem Hochschulabschluss, max. sechs Monate vor Praktikumsbewerbung, sind zugelassen.

Die Erfahrungen des ersten Durchgangs haben gezeigt, dass es sinnvoll ist das Praktikum mit sechs Monaten anzusetzen.

Die Praktikanten sollten aus Fachrichtungen kommen, die an der HSE vertreten sind, d.h. alle Wirtschaftsfächer, Management, IT, Jura, Sozialwissenschaften und Ingenieurwesen.

Die Finanzierung übernimmt das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBF) im Rahmen des Programms „GoEast“ über den DAAD. Die Vergütung des Praktikums entspricht den Förderbeträgen für deutsche Stipendiaten in Russland.

Das sind 925 Euro pro Monat, zuzüglich Haftpflicht-, Unfall- und Krankenversicherung sowie eine einmalige Reisekostenpauschale. Die Kosten für Unterbringung tragen die Praktikanten selbst, allerdings kann die HSE für die Moskauer Praktikanten und für die an den HSE-Filialen in St. Petersburg und Nischni Nowgorod ihre Wohnheime zur Verfügung stellen. Im Gegenzug tragen die deutschen Unternehmen die administrativen Kosten, die der HSE entstehen.

Nach jetzigem Stand werden am Programm bis auf weiteres 30 bis 35 Studierende pro Durchgang teilnehmen.

Die Ausschreibung für die zweite Runde 2013/2014 hat bereits im Februar 2013 begonnen. Vom 15. März bis 31. April ist die Datenbank für die Firmen geöffnet. Unter http://go-east.daad.de/content/aktuelles/aktuelles_index können Angebote eingestellt werden.

Nach Sichtung der Angebote durch den DAAD und AHK, wird das Portal vom 10. Mai bis 30. Juni für die deutschen Interessenten geöffnet.

Die deutschen Firmen prüfen die Bewerbungen und erstellen gegebenenfalls ein Bewerberranking. Unter Berücksichtigung der Wünsche der deutschen Firmen legt der DAAD die endgültige Teilnehmerliste fest und verleiht die Stipendienurkunden. Ab 1. September 2013 leitet die HSE das Visaverfahren ein. Die Einreise erfolgt in der ersten Oktoberwoche – alle zu einem Termin! -, nach einem fünftägigen Einführungsseminar beginnt dann das eigentliche Praktikum.