Berufsbildungsexport aus erster Hand

Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer unterstützt Mitgliederunternehmen beim Kampf gegen den Fachkräftemangel. / Dr. Detlev Freyhoff, AHK Russland

Im Rahmen des neuen Strategiekonzeptes „Berufsbildungsexport“ der DIHK-IHK-AHK-Organisation unterstützt die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) ausgewählte Mitgliedsunternehmen beim Aufbau von Strukturen bzw. Modulen einer dualen beruflichen Bildung in Russland. Das erfolgt in enger Zusammenarbeit mit russischen föderalen und regionalen Institutionen sowie mit IHKs und Bildungseinrichtungen in den Zielregionen. Gefördert wird das zunächst auf zwei Jahre befristete Projekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in elf Ländern (u.a. auch die AHKs in China, Brasilien, Indien). Die Schwellenländer sind Teil des Projekts, weil gerade hier der Fachkräftemangel rasant zunimmt, wovon auch die AHK-Mitgliedsunternehmen betroffen sind.

In Russland passt sich das Projekt in die strategisch ausgerichtete Entscheidung von Präsident Putin ein, „neue, effiziente Bildungsmodelle einzuführen, um die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte gewährleisten zu können“. Hier arbeitet die AHK eng mit der vom Präsidenten eingerichteten Agentur für Strategische Initiativen (ASI) zusammen, die den Weg zur Einführung dualer Ausbildungsberufe vorantreiben soll. So erhielten kürzlich zehn Regionen im Rahmen eines landesweiten Wettbewerbs der ASI den Status von Pilotregionen zur Einführung von Elementen der dualen Berufsausbildung. Das sind die Regionen Jaroslawl, Kaluga, Krasnojarsk, Nischni Nowgorod, Perm, Swerdlowsk, Uljanowsk, Wolgograd, das Gebiet Moskau sowie die Republik Tatarstan. Darüber hinaus verlieh die ASI – in Abstimmung mit der AHK – der Region Samara den Status eines Sonderprojektes.

Das langfristige Ziel des Projektes besteht darin, über die Kooperation mit der ASI und anderen föderal-staatlichen Institutionen (u.a. dem Föderalen Bildungsinstitut) die Einführung nachhaltiger, effizienter und marktkonformer Strukturen und Module eines dualen Berufsbildungssystems in Russland zu unterstützen. Hierbei handelt es sich nicht um das formale Kopieren und Übertragen des deutschen Berufsbildungssystems nach Russland. Vielmehr geht es um die Nutzung der Vorzüge dieses in Deutschland bewährten Systems (duale praxisorientierte Ausbildung, ständige Evaluation von schulischer und betrieblicher Ausbildung, einheitliche Ausbildungs- und Prüfungsstandards, unabhängige Prüfungskommissionen, standardisierte Train-the-Trainer-Programme) und deren Umsetzung unter Beachtung der spezifischen politischen, ökonomischen, und sozio-kulturellen Bedingungen in Russland.

In diesem Sinne sieht die AHK das kurzfristige Ziel des Projektes darin, ausgewählte Pilotprojekte ihrer Mitgliedsunternehmen zu koordinieren und zu beraten. Diese können dann als „best practices“ den langfristigen und nachhaltigen Prozess eines erforderlichen Systemwechsels in der beruflichen Bildung unterstützen. Dabei werden die einschlägigen Erfahrungen bereits bestehender Initiativen einzelner AHK-Mitgliedsunternehmen sowie die Fokussierung der russischen Regierung auf Pilotregionen berücksichtigt. Vorgesehen ist auch die Einbeziehung des Bundesinstituts für Berufsbildung / BIBB sowie von IHKs und Bildungseinrichtungen in Deutschland.

Der Zeitdruck für die Vorbereitung und Durchführung des AHK-Projektes ist groß. Gemäß den anspruchsvollen Projektvorgaben des BMBF und des DIHK sowie dem darauf basierenden zweijährigen Arbeitsplan sollen erste von der AHK koordinierte duale Ausbildungsgänge mit Beginn des Ausbildungsjahres 2014/2015 starten.

Die wesentlichen Aufgaben und Termine der AHK zum Erreichen dieses Meilensteines im Projekt sind:

  • die Schaffung einer Stelle „Projektmanager Berufliche Bildung“ an der AHK für die Projektkoordinierung und als Ansprechpartner für Projektpartner – seit Ende Januar 2014; 

  • die Auswahl und Konzipierung von bis zu zehn Pilotprojekten mit AHK-Mitgliedsunternehmen – bis Mitte März 2013;

  • die Auswahl und die Koordinierung des Aufbaus von ausgewählten dualen Ausbildungsberufen – bis Ende April 2014;

  • der Abschluss von ziel- und terminorientierten Vereinbarungen (Memorandum of Understanding) mit allen Projektpartnern pro Pilotprojekt – bis Ende April 2014;

  • die Gründung und Koordinierung jeweils eines Berufsbildungsausschusses pro ausgewählten Ausbildungsgang an der AHK (bestehend aus Vertretern der beteiligten Unternehmen und Bildungseinrichtungen, ggf. auch staatlicher und regionaler Institutionen) – bis Ende April 2014;

  • die Koordinierung der Auswahl, Anpassung und Einführung von ausgewählten dualen Ausbildungsprogrammen/Curricula – ab Mai 2014;

  • die Erfassung des Bedarfs, die Koordinierung der Durchführung und ggf. die AHK-Zertifizierung einer standardisierten „Train-the-Trainer“-Qualifizierung für die o.a. Pilotprojekte – ab Mai 2014, laufend;

  • der Aufbau und die Umsetzung eines standardisierten Systems der Qualitätskontrolle in der betrieblichen und schulischen Ausbildung an der AHK – ab Juni 2014, laufend;

  • der Aufbau und die Einführung eines eigenständigen Prüfungswesens für die o.a. Pilotprojekte an der AHK – ab Ende August 2014, laufend.

Nach dem Kick-off-Meeting am 8. April 2014 mit den Projektpartnern und weiteren Interessenten werden sich sicherlich im Laufe der Zusammenarbeit mit den Projektpartnern Präzisierungen und Anpassungen bei den skizzierten Aufgaben- und Terminstellungen ergeben. Dies entspricht den Vorstellungen der AHK von einer vorrangig an den Interessen ihrer Mitglieder und am russischen Markt orientierten Vorgehensweise im Rahmen des Projektes.