Mit Deutsch ausgebildet in die Zukunft

Am 22. und 23. November 2014 organisierte das Goethe Institut Russland die II. Gesamtrussischen Deutschlehrertage in Moskau. Fazit: Deutsch ist eine wichtige Investition in die Zukunft und aus dem russischen Bildungswesen nicht wegzudenken. / Dr. Anne Schönhagen, Goethe-Institut Moskau

Rund 1600 russische Deutschlehrerinnen und -lehrer aus knapp 280 Orten Russlands trafen sich zu den II. Gesamtrussischen Deutschlehrertagen. Unter dem Motto „Bildung.Deutsch.Zukunft“ diskutierten sie mit 40 Experten aus neun Ländern über Perspektiven für die deutsche Sprache in Russland, die Zukunft des Lehrens und Lernens und die Herausforderungen einer globalisierten Wissensgesellschaft.

Mit ihrem umfangreichen Programm aus über 50 Einzelveranstaltungen waren die Deutschlehrertage eines der Großereignisse des Jahres der deutschen Sprache und Literatur 2014/15 in Russland. Die Veranstaltung wurde vom Auswärtigen Amt sowie dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation unterstützt.

Eröffnet wurde der zweitägige Kongress mit einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Bildung, an der Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Bildung Deutschlands und Russlands teilnahmen.

„Die Kenntnis von Fremdsprachen ist die Basis für Verständigung “, betonte Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts. Mit Bezug auf die aktuelle politische Situation fügte er hinzu, dass den Deutschlehrenden gegenwärtig eine besondere Stellung zukomme, denn mit ihnen als Vermittler der deutschen Kultur nehme der deutsch-russischen Dialog im Klassenzimmer seinen Anfang.

Deutschland bleibe ein „Schlüsselpartner“ für Russland, unterstrich der Sonderbeauftragte des russischen Präsidenten für internationale kulturelle Zusammenarbeit, Michail Schwydkoj. Daher sei das Deutschlernen hierzulande auch weiterhin von besonderer Bedeutung. Ergänzend sagte der Chef der Siemensvertretung in Russland und Zentralasien, Dietrich Möller: „Das Lernen der deutschen Sprache ist der Zugang zur Bildung, zu Beruf und Karriere und damit zur Zukunft. Auf Sprachzugang basiert oft ein ganzer Lebensweg.“

Ein sprachpolitischer Meilenstein auf dem weiteren Weg von Deutsch in Russland ist die Gründung des überregionalen Deutschlehrerverbandes Russlands, die auf den Deutschlehretagen vollzogen wurde. Unter diesem Dach vereinigen sich nunmehr 13 unabhängige regionale Deutschlehrerverbände. Für die neu gewählte Präsidentin, Galina Perfilowa von der Moskauer Staatlichen Linguistischen Universität, ist die Zielrichtung klar: “Deutsch muss seine ihm gebührende Position im russischen Bildungswesen wieder erlangen. Unsere dringlichste Aufgabe hierbei ist es, die deutsche Sprache an den Schulen zu stärken, damit wieder Deutschlehrer gebraucht und ausgebildet werden.“ Der neu gegründete Deutschlehrerverband soll auch eine Plattform für den professionellen Austausch der rund 20.000 Deutschlehrenden in Russland mit ihren Kollegen im In- und Ausland bieten.

Ein weiterer Höhepunkt der Deutschlehrertage war die Verleihung der Deutschlehrerpreise 2014 in sieben Kategorien, mit der das Goethe-Institut herausragende Leistungen russischer Deutschlehrkräfte würdigte. Im Rahmen des Wettbewerbs „Deutschunterricht innovativ gestalten“ hatten rund 200 Lehrer für Deutsch als Fremdsprache an staatlichen Bildungseinrichtungen in ganz Russland ihre Konzepte eingereicht. Eine fachkundige Jury nominierte 35 von ihnen für die Preisverleihung. Die sieben Preisträgerinnen wurden von Vertretern der deutschen Unternehmen und Verlage, die je einen Preis gestiftet hatten (Cornelsen Verlag, Henkel Group, Klett-Langenscheidt Verlag, Knauf Gips KG, Moskauer Deutsche Zeitung, Volkswagen Group RUS, Wintershall Holding GmbH), mit der Gläsernen Eule und der Teilnahme an einer einwöchigen Bildungsreise nach Deutschland ausgezeichnet.

Als Veranstalter der II. Gesamtrussischen Deutschlehrertage waren wir vom Goethe-Institut äußerst zufrieden mit der Resonanz und den Ergebnissen des Bildungsforums. Das rege Interesse an diesen Deutschlehrertagen zeigte, dass Deutsch als Fremdsprache auch auf lange Sicht aus der Bildungslandschaft in Russland nicht wegzudenken ist. Es ist uns gelungen, wegweisende Impulse für die Zukunft der deutschen Sprache in Russland zu geben, um den Abwärtstrend zu stoppen. Frühes Deutschlernen, berufsorientierter Deutschunterricht und Förderung des Studienzugangs sind drei Ansatzpunkte für neue Konzepte, die wir in Kooperation mit unseren deutschen und russischen Partnern sowie den Schulen und Hochschulen vor Ort in naher Zukunft umsetzen werden.