Alles unter Kontrolle und voll geschäftsfähig – Interim-Management

Interim-Management ist eine weitverbreitete und hilfreiche Leistung für deutsche und internationale Unternehmen in Russland. Was bedeutet das genau? / Philipp Rowe, RUFIL CONSULTING

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Jedes in Russland registrierte Unternehmen braucht einen offiziellen Generaldirektor (Geschäftsführer), welcher das Unternehmen nach außen vertritt. Gleichzeitig hat ein Generaldirektor in Russland umfassendere Rechte und Vollmachten als z.B. ein Geschäftsführer in Deutschland.

Interim-Management in Russland bedeutet die Übernahme dieser Generaldirektorfunktion durch eine darauf spezialisierte Person oder Gesellschaft. Man spricht dann vom Interim-Geschäftsführer oder Interim-Manager bzw. von der Management Company oder Treuhandgesellschaft.

Interim-Manager und sein Aufgabenbereich

Die Aufgaben des Interim-Managers sind meist rein formal. Das heißt, der Interim-Manager trifft in der Regel keine eigenen geschäftlichen Entscheidungen, sondern unterschreibt wichtige Dokumente wie Verträge mit Kunden, Zulieferern und Mitarbeitern im Auftrag und auf Anweisung des Auftraggebers. Außerdem sorgt der Interim-Manager dafür, dass der Dokumentenumlauf mit der russischen Buchhaltung und den russischen Behörden funktioniert. Häufig werden Rechtsanwälte oder Steuerberater des Vertrauens als Interim-Manager eingesetzt.

Wann ist Interim-Management eine Lösung?

Erste Ziele bei der Entscheidung, für die russische Tochtergesellschaft einen Interim-Manager einzusetzen, sind: schnelle Herstellung der Geschäftsfähigkeit, umfassende Kontrolle und mitunter auch eine Senkung der Kosten der russischen Tochtergesellschaft.

Interim-Management wird häufig in folgenden Situationen als Lösung gewählt:

  • wenn noch kein Geschäftsführer für die Tochtergesellschaft vor Ort gefunden wurde;
  • wenn die Vollmachten des faktischen russischen Generaldirektors vor Ort eingeschränkt werden sollen;
  • wenn Geschäftsführer vor Ort ein Ausländer werden soll, dieser aber noch keine russische Arbeitserlaubnis hat;
  • wenn die geschäftlichen Entscheidungen in erster Linie in der Muttergesellschaft getroffen werden, so dass ein lokaler faktischer Geschäftsführer nicht gebraucht wird und die damit verbundenen Kosten (Gehalt, Steuern, Dienstwagen, etc.) gespart werden sollen.

So kann Interim-Management in Russland gewisse Vorteile mit sich bringen, unter anderem:

  • Kontinuität und Transparenz im Russlandgeschäft;
  • Kontrolle über alle Geschäftsvorgänge der russischen Tochtergesellschaft;
  • reibungsloser und bequemer Dokumentenumlauf;
  • deutliche Kostenersparnis gegenüber der Einstellung eines wirklichen Generaldirektors.

Worauf sollten Sie bei der Wahl des Interim-Managers achten?

Als Träger der offiziellen Geschäftsführerfunktion ist der Interim-Manager eine Vertrauensperson. Wählen Sie also nur jemanden, dem Sie vertrauen. Ideal sind Rechtsanwaltskanzleien, Steuerberatungskanzleien oder Unternehmensberatungen, mit welchen Sie bereits in der Vergangenheit gut zusammengearbeitet haben und welche einen guten Ruf auf dem Markt haben.

Die formale Geschäftsführerfunktion besteht zu einem großen Teil daraus, Unterlagen für die russischen Behörden zu unterschreiben. Der Interim-Manager muss sich damit auskennen. Auch hier sind Rechtsanwälte, Steuer- und Unternehmensberater die erste Wahl.

Ein Wechsel des Generaldirektors ist mit Aufwand und Kosten verbunden. Achten Sie darauf, wie beständig die Beziehung des als Interim-Manager eingetragenen Mitarbeiters zu seinem faktischen Arbeitgeber ist. Partner oder Geschäftsführer von Rechtsanwaltskanzleien oder Steuerberatungen sind in der Regel beständiger als einfache Mitarbeiter. Denn die Personalfluktuation ist in Russland weit höher als z.B. in Deutschland.

Vier-Augen-Prinzip jetzt auch in Russland möglich

Seit dem 1. September 2014 erlaubt das russische Zivilgesetzbuch (Graschdanskij Kodex), dass ein Unternehmen mehr als einen Generaldirektor hat. Auch eine Treuhandgesellschaft kann die Funktion eines Generaldirektors übernehmen.

Es hängt nun nicht mehr alles von der Unterschrift eines Generaldirektors ab. In der Satzung der Firma kann definiert werden, ob jeder Generaldirektor jegliche Geschäftshandlungen allein freigeben kann oder jeweils beide zustimmen müssen. Es gilt das in Deutschland bekannte Vier-Augen-Prinzip. Dabei darf für jeden Vertrag individuell entschieden werden. Gemäß russischem Gesetz ist die Anzahl der möglichen Generaldirektoren unbegrenzt.