Medizinische Versorgung für Mitarbeiter: Optimierungsvorschläge

In Krisenzeiten konzentrieren sich viele Unternehmen auf den Erhalt der finanziellen Stabilität. Mit den richtigen Maßnahmen können Unternehmen ihre Kosten für Krankenversicherungsprogramme erheblich reduzieren. / Alexander von Gleich, Norman Uhde, Denis Narulin, Allianz AG Russland

Russland befindet sich derzeit in einer wirtschaftlichen Krise, die mit der Krise von 1998 vergleichbar ist. Wie auch damals reagieren viele Unternehmen mit Senkungen der Kostenbudgets und Entlassungen. Außerdem werden die Ausgaben von Mitarbeiterleistungen, insbesondere im Bereich Krankenversicherung, stark reduziert und eingeschränkt.

Mit der Optimierung und Anpassung von Krankenversicherungsprogrammen kann Kunden in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten geholfen werden, sowohl eine Grund- oder Basisleistung der medizinischen Versorgung für ihre Mitarbeiter als auch die Qualität der Dienstleistung der Krankenversicherer zu erhalten.

Krankenversicherungsprogramme können wie folgt angepasst werden:

  • Reduzierung des Leistungsumfanges;
  • Inanspruchnahme von Ersatz-Kliniken;
  • Zuzahlung von bestimmten Serviceleistungen;
  • Nutzung spezialisierter Anbieter.

Leistungsumfang reduzieren
Am Beispiel des Unternehmens А betrachten wir den Umfang der erbrachten medizinischen Leistungen. In den Grafiken 1-3 ist ersichtlich, dass es erhebliche Unterschiede in der Nachfrage nach der Art der ärztlichen Beratung und Behandlung gibt. Dennoch lässt sich vollwertige und umfängliche medizinische Versorgung nur dann erreichen, wenn alle notwendigen medizinischen Dienstleistungen angeboten werden können.

Um eine ernsthafte Kostenersparnis zu erreichen, bedarf es einer deutlichen Reduzierung des Leistungsumfanges, da die Preise der einzelnen Servicebausteine gering sind. Meistens kompensieren die wirtschaftlichen Vorteile nicht den Unmut der Beschäftigten über den reduzierten Leistungsumfang der vom Unternehmen angebotenen Krankenversicherung. Aus unserer langjährigen Erfahrung und engen Zusammenarbeit mit unseren Kunden in den letzten Krisen ist die Leistungsreduzierung allerdings wirtschaftlich nicht zweckmäßig.

Inanspruchnahme von Ersatz-Kliniken
In Abhängigkeit von der Lage und den entsprechenden Wünschen werden normalerweise die behandelnden Kliniken in das Krankenversicherungsprogramm der jeweiligen Kunden eingefügt. Ein Wechsel oder die Inanspruchnahme von Ersatz-Kliniken sollte in Zeiten wirtschaftlicher Schwächen in Betracht gezogen werden. Oftmals enthalten Krankenversicherungsprogramme teure Kliniken, die von fünf Prozent der Mitarbeiter genutzt werden, aber zu mehr als zehn Prozent der Gesamtkosten beitragen. Mit dem Austausch einer solchen teuren Klinik verschlechtert sich die Situation für den Großteil der Belegschaft nicht wirklich, für das Unternehmen wirtschaftlich aber erheblich.

Diese Maßnahme ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Kliniken eine deutliche Preiserhöhung für medizinische Dienstleistungen infolge von Inflation durchsetzen wollen (wie z.B. eine generelle Erhöhung der Krankenversicherungskosten um 10,35 Prozent – nach Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat für Januar 2015).

Wie die Praxis zeigt, führt der Austausch von einzelnen Kliniken dazu, dass andere Kliniken und therapeutische Einrichtungen geplante Kostenerhöhungen entweder unterlassen und signifikant senken. Nach unseren Erfahrungen lassen sich 67 Prozent der Patienten in einer bestimmten Klinik behandeln, eine Behandlung in einer anderen Klinik wird nicht in Betracht gezogen. Der andere Teil der Patienten (33 Prozent) lässt sich in mehreren Kliniken, die im Programm enthalten sind, behandeln. Die durchschnittlichen Kosten sind für die letztgenannten 33 Prozent der Patienten ca. 23 Prozent höher als bei den Patienten, die sich nur in einer bestimmten Klinik behandeln lassen.

Einführung von Zuzahlungen
Die wirksamste und am weitesten verbreitete Methode, Kosten im Gesundheitswesen zu reduzieren, sind Zuzahlungen zu bestimmten medizinischen Dienstleistungen – in der Regel 5-15 Prozent. In den meisten entwickelten Industrieländern gelten Zuzahlungen zu den wesentlichen Komponenten der Gesundheitssysteme – mit dem Ziel, die Anzahl der nicht notwendigen Behandlungen und Medikamente zu reduzieren und somit die Kosten des Gesundheitssystems zu senken. Die Einführung von geringen Zuzahlungen führt bereits zu einer Senkung der Anzahl der Behandlungen um 10-25 Prozent.

Ähnliche Änderungen des Krankenversicherungssystems in Russland sind ebenfalls zu erwarten. Das russische Gesundheitsministerium hat bereits vorgeschlagen, die in der Praxis üblichen, aber nicht offiziellen Zuzahlungen der Bürger bei der gesetzlichen Krankenversicherung in eine gesetzliche und offizielle Zuzahlung umzuwandeln. Diese zusätzlichen finanziellen Mittel können für eine bessere und transparentere medizinische Versorgung der gesetzlichen Krankenversicherung genutzt werden; so können auch marktübliche Praktiken in der gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt werden.

Aussichten für das Jahr 2015 für den Markt der privaten Krankenversicherung sind bekannt, da die meisten Budgets für die Krankenversicherung bereits vor der Krise vereinbart wurden. Die Perspektiven für das Jahr 2016 sind mehr als pessimistisch, daher werden sich Kunden auf Zuzahlungen zu medizinischen Leistungen einstellen müssen.

Für die meisten Kunden ist der maximale Erhalt der Qualität der medizinischen Behandlung trotz Kostendruck von hoher Bedeutung. Zuzahlungen eröffnen neue Möglichkeiten sowohl für Versicherte als auch für Arbeitgeber, Kliniken und Versicherungen. Die Versicherten werden somit direkt in die Entscheidung, welche medizinischen Dienstleistungen in Anspruch genommen werden können, eingebunden – entweder über Zuzahlungen in den teuren Kliniken oder ohne Zuzahlungen in Standardkliniken.

Arbeitgeber sind in der Lage, die Qualität des Krankenversicherungspaketes zu verbessern, ohne die eigenen Kosten zu erhöhen. Kliniken können ihren Kundenkreis und Servicepakete erweitern. Versicherungen können Risiken und Kosten in Folge des veränderten und rationelleren Kundenverhaltens besser steuern und reduzieren. Ein Beispiel des Zuzahlungsmechanismus kann wie folgt beschrieben werden (siehe Bild 4):

Praktische Beispiele zeigen, wie das System der Zuzahlungen funktioniert. In Folge der Einführung eines Selbstbehaltes in Höhe von fünf Prozent für jeden Arztbesuch sanken nicht nur die durchschnittlichen Krankenversicherungskosten um fünf Prozent, sondern auch die Gesamtkosten des Programmes um zehn Prozent als Folge des Rückganges der erbrachten medizinischen Leistungen.

Nutzung spezialisierter Anbieter
Die Nutzung spezieller Anbieter ist eine weitere Möglichkeit der Kostenoptimierung, z.B. durch die Verlagerung von zahnmedizinischen Leistungen von allgemeinen Kliniken zu speziellen Dental-Netzwerken. Die Behandlungskosten der spezialisierten Kliniken sind oftmals durch die Nutzung von Skaleneffekten und bessere Abläufe geringer als in Kliniken. Ähnliche Einsparungen lassen sich bei anderen medizinischen Leistungen ermöglichen.

Die Anwendung einer oder mehrerer der oben genannten Maßnahmen in der Summe kann zu erheblich reduzierten Kosten der Krankenversicherung führen und kann gemeinsam mit dem Versicherungspartner realisiert werden.