Nowosibirsk baut Infrastruktur und Wohnfläche aus

Die sibirische Metropole hat eine unglaubliche Anziehungskraft für Menschen aus der Region. Auch für die Wirtschaft gibt es in Nowosibirsk viele aussichtsreiche Pläne. / Bernd Hones, GTAI

Nowosibirsk ist das administrative Zentrum Sibiriens und die drittgrößte Stadt Russlands – nach Moskau und St. Petersburg. Dabei ist sie gleichzeitig die jüngste russische Millionenstadt.

Die Großstadt am Fluss Ob ist nicht nur ein wahrer Magnet für Menschen aus Sibirien. Sie hat auch große Pläne für die Wirtschaft: Zum Jahr 2021 sollen die Bruttoanlageinvestitionen im Gebiet Nowosibirsk auf 355 Milliarden Rubel (ca. sechs Milliarden Euro) steigen. Das wäre fast eine Verdoppelung im Vergleich zu den Investitionen im Jahr 2014 in Höhe von 180 Milliarden Rubel. Diese Ziele stehen im deutlichen Gegensatz zur derzeitigen Situation in Russland. Im vergangenen Jahr waren die Bruttoanlageinvestitionen landesweit um fünf Prozent gesunken. Im 1. Quartal 2015 gingen sie erneut um zehn Prozent zurück.

Megaprojekt Brückenbau über den Ob
Die Stadt plant einige große Infrastrukturprojekte. Dazu gehören eine vierte Brücke über den Fluss Ob, die Modernisierung von vier großen Ausfallstraßen aus Nowosibirsk und die 25 Milliarden Rubel (über 400 Millionen Euro) teure Süd-West-Transit-Strecke. Deren Fertigstellung verzögert sich, weil das Zeitmanagement beim Bau der Ostumgehung aus dem Ruder läuft.

Die vierte Ob-Brücke in Nowosibirsk soll bis 2020 fertig gestellt werden. Der Investor und Konzessionär soll dann 20 Jahre lang das Recht erhalten, Nutzungsgebühren für Lkw ab 12 Tonnen zu erheben. Die Kosten für die Brücke werden auf bis zu 427 Millionen Euro geschätzt. Der Gouverneur des Gebietes Nowosibirsk, Wladimir Gorodezki, will noch bis Ende 2015 einen Investor für dieses Großprojekt gefunden haben. Projektiert wurde die Brücke vom Unternehmen SAO Institut Stroiprojekt. Stroiprojekt rechnet damit, dass stündlich 4.300 Fahrzeuge die neue Brücke nutzen werden.

Metro-Bau genießt Priorität
Nowosibirsk ist die einzige Stadt im Osten Russlands mit einer eigenen Metro. Die 13 bestehenden Stationen befinden sich entlang zweier Linien. Diese sollen für 30 Milliarden Rubel (über 512 Millionen Euro) bis 2021 ausgebaut werden. Davon kommen 7,3 Milliarden Rubel aus dem städtischen Haushalt und 9 Milliarden Rubel aus dem regionalen Haushalt.

Auch über der Erde soll es mit dem Schienenverkehr voran gehen. Im Laufe des Jahres 2015 sollen hier neue Straßenbahnschienen verlegt und zwei Wendekreise eingerichtet werden.

Nowosibirsk will Haushaltsabfälle vollständig verarbeiten
In den vergangenen 15 Jahren hat sich das Müllaufkommen privater Haushalte in Nowosibirsk um das Zweieinhalbfache erhöht – auf 3,9 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Zurzeit werden gerade zwei jeweils 80 Hektar große Grundstücke umgewidmet, auf denen künftig Müllsortier- und Verarbeitungsanlagen gebaut werden sollen. Beide Anlagen sind mit einer Kapazität von 300.000 Tonnen Hausmüll pro Jahr projektiert. Das Projekt realisiert die Moskauer Firma Ekologija. Die beiden Komplexe sind laut dem Direktor von MUP Spezawtochosjaistwo Wiktor Krawtschenko in der Lage, die gesamten festen Haushaltsabfälle der Stadt zu verarbeiten. Beide Anlagen könnten noch 2016 fertig gestellt werden. Die Investitionssumme beläuft sich russischen Medienberichten zufolge auf 1,7 Milliarden Rubel (knapp 30 Millionen Euro).

Parallel dazu nehmen sich die Organisation „Tut grjasi net“ (zu Deutsch: Hier gibt es keinen Schmutz) und der Investor OOO Polimer-Rezikl schwer trennbarer Haushaltsabfälle auf der linken Seite des Ob an. Sie haben mehr als 100 Container für Plastik, Metall und Glas aufgestellt. Die Kosten pro Container: 10.000 Rubel (ca. 160 Euro). Aber das Projekt verläuft sehr schleppend. Erstens fällt es schwer, geeignete Plätze für die Container und die entsprechenden Genehmigungen zu erhalten. Zweitens sind die Preise für Altmetall und Plastik auf einem Tiefstand. Auch fehlt es an Anreizen zum Mülltrennen. Zumal der Preis für die Entsorgung auf einer Deponie bei nur 30 Rubel pro Kubikmeter Müll liegt. Der Abtransport zu einer Sortieranlage dagegen kostet 50 Rubel pro Kubikmeter, sagte die stellvertretende Abteilungsleiterin für Energie und Kommunalwirtschaft im Nowosibirsker Bürgermeisteramt, Larissa Anisimowa.

Nowosibirsker Parks sollen schöner werden
Im Nordwesten der Stadt plant die Verwaltung ein 4.500 Hektar großes Erholungsgebiet – mit viel Wald, Heide, einem Zoo und einem botanischen Garten. Entlang dieses Gebietes soll eine Schnellstraße entstehen. Sie soll auf die Jelzowsk-Brücke münden, die ebenfalls in den kommenden Jahren gebaut werden soll. Weil die Schnellstraße Teile des Erholungsgebietes voneinander trennt, werden extra viele Fußgängerunterführungen geplant.

Bürgermeister Lokot will, dass seine Beamten für jeden einzelnen Park ein neues Konzept entwickeln und dabei vor allem die Wünsche der Bewohner umsetzen. Im Sommer 2016 sollen zunächst die Verschönerungsarbeiten im Zentralpark und entlang der Uferpromenade des Flusses Ob beginnen.

Derweil schreiten die Arbeiten an Russlands größtem überdachtem Aquapark fort. Ende 2015 sollen der Vergnügungspark mit mehr als 150 einzelnen Wasserattraktionen und das siebenstöckige Parkhaus fertig sein. Laut Nowosib.com dürften die Gesamtkosten bei 2,6 Milliarden Rubel liegen. Bauherr Kwarsis will künftig 800 Rubel für eine 3-Stunden-Eintrittskarte verlangen und rechnet damit, die Investitionen in drei Jahren amortisieren zu können.

Nicht nur die Lebensverhältnisse in der Stadt sollen besser werden. Es gibt auch immer mehr neuen Wohnraum. Allein im 1. Quartal 2015 wurden über 10.000 Wohnungen fertiggestellt mit einer Gesamtfläche von 660.000 Quadratmeter – das war fast doppelt so viel wie im selben Zeitraum 2014. Und der Bauboom hält an: Die Unternehmensgruppe Strischi hat mit dem Bau eines fünf Hektar großen Wohnviertels mit vier riesigen Wohnblocks begonnen. Der erste Bauabschnitt soll im 2. Quartal 2017 abgeschlossen werden.