„Konkurrenz ist für uns einerseits eine große Herausforderung, andererseits aber auch ein erfreulicher Faktor“

Der Industriepark „Stupino 1“ ist einer der perspektivreichsten Parks im Moskauer Umland. Wie das Projekt entstanden ist, und wie es weiter geht, erzählt Walerij Schatalin, kaufmännischer Leiter „Stupino 1“.

Walerij Schatalin, kaufmännischer Leiter „Stupino 1“

Womit beginnt die Entstehungsgeschichte des Industrieparks?
Unsere Verwaltungsgesellschaft kam nach Stupino, nachdem wir beauftragt worden sind, ein Produktionswerk für Metallverpackungen zu bauen. Das Werk sollte sich nicht weiter als 200 Kilometer von Moskau befinden. Wir schauten uns verschiedene Varianten an, richteten schließlich unsere Bauanfrage an die Bezirksverwaltung Stupino und bekamen grünes Licht. Wir wählten diese Stadt, weil dort große ausländische Unternehmen bereits seit 1995 tätig sind. Zuerst kam Mars, heute sind es mittlerweile nicht weniger als 15 solcher Unternehmen, darunter ein Produktionswerk für Keramikfliesen, an dessen Bau wir auch beteiligt waren.

Was sind denn die größten Vorteile des Standorts?
Hier herrscht ein positives Geschäftsklima. Die Unternehmer bekommen Unterstützung sowohl von den Bezirksbehörden als auch von der Gebietsverwaltung. Dafür gilt ein großer Dank dem Gouverneur des Gebiets Moskau, Andrej Worobjow, der unseren Industriepark während der Bauarbeiten besuchte, der Bezirksverwaltung Stupino und deren Leiter, Pawel Tschelpan, genauso wie dem Ministerium für Investitionen und Innovationen des Gebiets Moskau, mit dessen Hilfe wir viele Fragen lösen konnten, um neuen Unternehmen den Lokalisierungsstart in der Region zu erleichtern. In letzter Zeit geht die Tendenz dahin, die bestehenden Verfahren zu vereinfachen und die bürokratischen Hürden zu senken, was zu neuen Resultaten und einer schnelleren Entwicklung führen dürfte.

Zurück zum Werk für Metallverpackungen: Wir begannen Mitte 2010 mit dem Bau, und zwölf Monate später lief bereits die Produktion. Ich denke, dass das für sich selbst spricht.

So kam irgendwann mal die Idee, einen Industriepark zu gründen?
In Anbetracht der kompletten Arbeitserfahrung in Stupino war es einfach eine logische Konsequenz, das Projekt Industriepark zu verwirklichen und die besten internationalen Praktiken nach Stupino zu holen. Wir fanden ein geeignetes Grundstück, analysierten die Lage bezüglich Realisierungsmöglichkeiten, Infrastruktur etc., und machten uns im September 2013 an die Arbeit.

Die erste Phase des Projekts beinhaltete den Bau eines Gebäudes für kleine und mittlere Unternehmen mit einer Fläche von etwa 5600 Quadratmeter. Dabei griffen wir auf die vorhandenen internationalen Erfahrungen im schlüsselfertigen Industriebau zurück, unter anderem auch aus Europa.

„Hier herrscht ein positives Geschäftsklima. Die Unternehmer bekommen Unterstützung sowohl von den Bezirksbehörden als auch von der Gebietsverwaltung.“

Wie schnell schreitet das Projekt voran?
Ein Jahr nach dem Projektstart war das Thema Infrastruktur bereits abgehakt: Gas, Strom, sonstige Anschlüsse, Sicherheitsdienst und andere Servicedienstleistungen. Heute bemühen wir uns stark um die Unternehmensakquise: Die interessierten Unternehmen können sich in dem bereits fertigen Gebäude niederlassen, sie können aber auch ihre Produktionswerke bei uns neu bauen lassen, nach eigenen Vorstellungen.

Die aktuelle Krise kann Ihnen nichts anhaben?
Natürlich wirkt sich die allgemeine wirtschaftliche Situation so oder so auch auf unsere Pläne aus. Einerseits beobachten wir gerade eine gewisse Verlangsamung: Ausländische Unternehmen brauchen jetzt mehr Zeit, um zu entscheiden, ob sie in Russland tätig sein wollen. Andererseits sinken die Personalkosten in Russland und sind auf Dollarbasis mittlerweile geringer als in China, was unter anderem für die Entwicklung der Industrie förderlich sein kann.

Mittlerweile entstehen in Russland immer mehr Industrieparks…
Ja, alleine im Gebiet Moskau gibt es einige Dutzend Parks, die schon in Betrieb oder zumindest in Planung sind. Natürlich müssen wir bei solcher Konkurrenz proaktiv werden und alles dafür tun, Unternehmen zu uns zu holen. Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass die zu uns kommenden Unternehmen in möglichst kurzer Zeit ihre Produktion aufbauen können. So gesehen, ist die Konkurrenz für uns einerseits eine große Herausforderung, andererseits aber auch ein erfreulicher Faktor. Sie lässt uns nicht auf unserem Erfolg ausruhen und hält uns nicht nur physisch auf Trab, sondern spornt uns immer wieder zu neuen Ideen und Lösungen an.

Was bieten Sie Ihren potenziellen „Bewohnern“?
Wir sind in der Lage, die bestmöglichen Bedingungen für unsere Unternehmen zu schaffen. Jedes einzelne Projekt wird von Anfang an und bis zum Abschluss begleitet. Dabei bieten wir Hilfe in unterschiedlichsten Bereichen an: juristische und buchhalterische Unterstützung, Sicherheitsdienst, Reinigung, Personalsuche usw. Wenn ein ausländisches Unternehmen nach Russland kommt, soll es sich auf jemanden stützen können, der gute Ratschläge geben kann, welches Versicherungsunternehmen empfehlenswert ist, in welcher Bank man ein Konto eröffnen soll, wo und wie man Übersetzer bzw. geeignete Mitarbeiter findet usw. Wir wollen dieser verlässliche Partner sein.

Die Fragen stellte Lena Steinmetz, AHK Russland

Internationale Unternehmen in Stupino
USA: Mars, Kimberly Clark, Silgan Metal Packaging, Mars Petfood
Niederlande: Campina
Deutschland: Knauf, Caparol
Frankreich: FM Logistic
Italien: Marazzi, Atlas Concorde Group, Mapei, La Fortezza, Zambaiti
Polen: Plast Proekt