Die Russland-Debatte

Jede Woche fassen wir für Sie zwei Hintergrundanalysen von deutschen, russischen und englischsprachigen Top-Experten aus Fachjournalen, Tageszeitungen oder wissenschaftlichen Publikationen in kurzen Stichpunkten zusammen. Sie können sich die Zeit der langen Lektüre sparen und werden durch unsere kompakte und prägnante Übersicht trotzdem top informiert!

05. August 2021


HANDELSBLATT

„Nord Stream 2 ist das schädlichste Einzelobjekt der europäischen Sicherheitspolitik“ von Wolfgang Münchau, Direktor des Informations- und Analysedienstes eurointelligence.com

  • Die Erdgaspipeline Pipeline Nord Stream 2 ist ein Symbol nicht nur der russisch-deutschen Freundschaft, sondern auch der europäischen Teilung.
  • Sie unterminiert die Bemühungen der EU um eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, die nun erst eine Generation später Realität werden kann.
  • Die polnische Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ wird bei der nächsten Parlamentswahl im Jahr 2023 von der neu aufflackernden antideutschen Paranoia profitieren.
  • Da Russland und Deutschland mit Unterstützung der USA eine politische Achse bilden, bleibt Polen sicherheitspolitisch nur die Option einer strategischen Allianz mit China. Die polnisch-chinesische Annäherung hat bereits begonnen.
  • Nord Stream 2 macht Deutschland nicht nur abhängiger von Russland, sondern auch abhängiger von fossilen Brennstoffen.
  • Eine erfolgreiche Klage gegen die Pipeline könnte sie unrentabel machen, ebenso ein beschleunigter Ausstieg Deutschlands aus der gasbasierten Stromerzeugung, der wahrscheinlich wird, wenn die Grünen in den 2020er Jahren an die Macht kommen.

KOMMERSANT

„Auf manuelle Steuerung angewiesen“ von Alexej Gromyko, Direktor des Europa-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, und Wjatscheslaw Sutyrin, Vizerektor der Staatlichen Akademischen Universität für Geisteswissenschaften

  • Eine weitere Integration von Russland und Weißrussland ist notwendig, um die Widerstandsfähigkeit beider Länder gegenüber zunehmenden Herausforderungen zu stärken und ihre Entwicklungspfade zu optimieren.
  • Über 50% der wirtschaftlichen Wertschöpfung in Weißrussland erfolgt im Rahmen seiner Kooperation mit Russland. Weißrusslands Exporte nach Russland lagen 2020 bei 13,1 Mrd. USD, in die EU bei 3,9 Mrd. USD und nach China bei 0,8 Mrd. USD.
  • Es ist an der Zeit, eine Unionsbürgerschaft einzuführen, ohne die nationalen Staatsbürgerschaften abzuschaffen, um innerhalb des Unionsstaates Bewegungsfreiheit sowie einheitliches Arbeits-, Steuer-, Zoll- und Wettbewerbsrecht zu erreichen.
  • Es gilt, mehr ambitionierte Wirtschaftsprojekte gemeinsam zu realisieren, z.B. eine Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke zwischen Minsk, Moskau und St. Petersburg.
  • Der Unionsstaat wird nachhaltig sein, wenn es sich zu einer „Union der Gesellschaften“ ohne übermäßige Bürokratie und Hürden im Wirtschafts-, Bildungs- und zivilgesellschaftlichen Bereich entwickeln kann.