Weniger deutsche Firmen in Russland

Im Corona-Krisenjahr 2020 ist die Anzahl der deutschen Unternehmen in Russland um 7 Prozent zurückgegangen. Das meldet die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) unter Berufung auf die russische Steuerbehörde. Dennoch investiert die deutsche Wirtschaft weiter kräftig im größten Flächenstaat der Erde.

Zum Jahresende sind laut offiziellen Angaben der russischen Steuerbehörde 3971 Unternehmen und Repräsentanzen mit deutschem Kapital in Russland registriert – rund 7 Prozent weniger als im Vorjahr, als 4274 deutsche Firmen in Russland tätig waren. „Die Corona-Krise macht sich auch bei der deutschen Wirtschaft in Russland bemerkbar“, sagt Rainer Seele, Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). „Am stärksten ist der Rückgang in den russischen Regionen. Dort schließen viele Unternehmen ihre Filialen und regeln ihre Geschäfte stattdessen aus der Zentrale in Moskau oder Sankt Petersburg.“

Bereits seit Einführung der EU-Sanktionen gegen Russland im Zuge der Ukrainekrise 2014 ist die Firmenzahl stark rückläufig. 2011 waren 6300 deutsche Unternehmen in Russland tätig. Seither ist ihre Anzahl um mehr als ein Drittel gesunken. „Neben der Pandemie zählen auch Sanktionen, globale Handelskonflikte und Protektionismus zu großen Herausforderungen für deutsche Großkonzerne und mittelständische und familiengeführte Unternehmen in Russland“, so Seele, der auch Vorstandsvorsitzender des Nord-Stream-2-Finanziers OMV ist.

Hohe Investitionen trotz Corona-Krise

Trotz Corona belaufen sich die deutschen Netto-Direktinvestitionen in Russland in diesem Jahr nach Angaben der Bundesbank bisher auf 1,3 Milliarden Euro. „Die Quantität der Firmen geht zurück, doch die Qualität des deutschen Russland-Engagements bleibt hoch“, sagt AHK-Präsident Seele. „Nachdem das zweite Quartal aufgrund von Lockdowns und vollständigen oder zeitweisen Produktionsstopps erwartungsgemäß schwach ausfiel, investierten die deutschen Firmen im dritten Quartal fast 700 Millionen Euro in Russland.“ Zahlreiche deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Wochen und Monaten neue Investitionen in Russland angekündigt oder bereits umgesetzt, darunter der Landmaschinenhersteller Claas, die Einzelhandelskette Globus, der Pharmakonzern Bayer und der Logistikdienstleister Rhenus.

Um die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland zu vertiefen, ist Mitte Dezember der Deutsch-Russische Unternehmerrat ins Leben gerufen worden. Die AHK hat gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und dem russischen Wirtschaftsministerium den Co-Vorsitz des neuen Gremiums inne. Auf der Agenda stehen gemeinsame deutsch-russische Kooperationen und Leuchtturmprojekte, unter anderem in den Bereichen Wasserstoff, Digitalisierung, Gesundheit, Mobilität und duale Berufsbildung.

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Ansprechpartner

Thorsten Gutmann

Leiter der Abteilung Kommunikation & Marketing