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Die Russland-Meister

AHK-Konferenz in Kaliningrad: „Wer CSR missachtet, gerät ins Abseits“

11.10.2021

Ist soziale Verantwortung für Unternehmen nur ein Ausgabenposten oder die Möglichkeit, Gewinne zu erzielen? Wie setzen die Untenehmen CSR-Konzepte in Russland um? Mit diesen Fragen setzten sich am vergangenen Freitag Vertreter russischer und internationaler Unternehmen bei einer Podiumsdiskussion der AHK-Wanderausstellung „Die Russlandmeister 4.0“ in Kaliningrad auseinander.

CSR beschreibt den freiwilligen Beitrag von Unternehmen zu einer besseren Work-Life-Balance ihrer Belegschaft,  zum Umweltschutz und die Verantowrtung ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft. Bereits seit den 1970er-Jahren ist dieser Begriff bekannt. Die russische Wirtschaft fing aber Medienberichten zufolge erst vor knapp 30 Jahren damit an, soziale Programme umzusetzen. 

Unternehmerische Sozialverantwortung sei mehr als nur Geld verdienen und ausgeben, sagte Andrej Syrjanow, Manager für Regierungskontakte bei McDonald's. Für ein modernes Unternehmen sei sie sogar unerlässlich. „Wer sich nicht damit beschäftigt, läuft Gefahr, ins Abseits zu geraten.“

Dmitri Tschemakin, Vizepräsident des Kaliningrader Autoherstellers Avtotor Holding Management, ist hingegen davon überzeugt, dass „es bei Business immer ums Geldverdienen geht“. Wenn ein Unternehmen kein Geld verdiene, könne es seinen Verpflichtungen gegenüber Menschen und Staat nicht nachkommen. „Aber wie wir das Geld verdienen, ist uns nicht egal“, betonte Tschemakin und verwies auf die Avtotor-Sportarena, das bislang größte soziale Projekt des Kaliningrader Fahrzeugbauers. Außerdem wolle Avtotor bis 2024 ein Elektrofahrzeug für Menschen mit Behinderung auf den Markt bringen.

Auch die Politik leistet ihren Beitrag, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Im Gebiet Kaliningrad sei der Mindestlohn über den Landesdurchschnitt hinaus erhöht worden, sagte die regionale Ministerin für Soziales, Anschelika Maister. Sie sieht die höheren Ausgaben als eine Investition in Humankapital: „Es lohnt sich, in Menschen zu investieren.“ 

Polina Scharowa, CEO des familiengeführten Metallverarbeiters Hermes-Ural, trat der verbreiteten Vorstellung entgegen, CSR sei die Sache großer Konzerne und gehe den Mittelstand nur wenig an. „CSR ist ein wichtiger Teil unserer Agenda. Wir halten uns an die Umweltnormen. Die Gehälter in unserem Werk sind leistungsbezogen, sodass Mitarbeiter manchmal ihren Monatslohn verdoppeln bzw. verdreifachen.“ 

Umweltschutz groß schreiben 

„Wer eine würdige Zukunft will, muss professionelle und zuverlässige Partner auswählen“, so Avtotor-Vize Tschemakin. Der Kaliningrader Autobauer habe von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit Weltmarken gesetzt, die sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben haben. 

Auch bei McDonald’s wird Umweltschutz groß geschrieben. Laut ihrem Manager Andrej Syrjanow hat sich die Fastfood-Kette verpflichtet, bis 2025 eine komplette Mülltrennung zu implementieren und bis 2030 ihren CO2-Fußabdruck um 36 Prozent zu reduzieren. In einem Pilotprojekt testet McDonald’s inzwischen das Weglassen von Plastikverpackungen und verarbeitet in einem eigens geschaffenen Recyclingsystem abgestandenes Frittenfett zu Biodiesel. 

Aivars Taurins, Russlandchef des international agierenden Logistikdienstleisters DB Schenker, räumte während der Paneldiskussion ein, dass Logistik ein großer СО2-Verursacher sei. Deshalb fliegt DB Schenker seit April 2021 mit klimaneutralen Biotreibstoff von Frankfurt am Main nach Shanghai. Den Kunden von Logistikunternehmen rät Taurins, auf die Schiene zu wechseln. Die Bahn sei zwar weniger flexibel als Lkw, verursache aber bis zu 75 Prozent weniger CO2.

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