AHK-Präsidialrat 2020: Russischer Wirtschaftsminister will Partnerschaft mit deutscher Wirtschaft ausbauen

„Natürlich überschattet die Pandemie in diesem Jahr alles, aber auch in dieser Krise pflegen wir enge wirtschaftliche Beziehungen zwischen Russland und Deutschland. Im Geiste von Otto Wolff von Amerongen sollten diese engen wirtschaftlichen Beziehungen auch zu einem gegenseitigen Verständnis in anderen Bereichen führen.“ Mit diesen Worten eröffnete AHK-Präsident Rainer Seele die Sitzung des AHK-Präsidialrats, die dieses Jahr im Hybridformat abgehalten wurde.

Der AHK-Präsidialrat tritt einmal im Jahr zusammen und besteht aus bekannten Geschäftsleuten aus Deutschland und Russland, die den AHK-Vorstand bei strategischen Entscheidungen beraten.

Rainer Seele, der auch Vorstandsvorsitzender des österreichischen Öl- und Gasunternehmens OMV ist, dankte der AHK für die Unterstützung des Pipeline-Projekts Nord Stream 2 . Außerdem erklärte er, dass es in der Energiewirtschaft einen Paradigmenwechsel gebe, der einen strategischen Wandel im Öl- und Gassektor bewirken werde. Bei Vorhaben wie dem europäischen „Green New Deal“ sehe er nicht nur Risiken, sondern auch viele Chancen. Die Wasserstofftechnologie hält er für sehr vielversprechend. Zudem wies er auf die vor kurzem ins Leben gerufene AHK-Initiativgruppe Wasserstoff hin, die von Torsten Murin geleitet wird, dem Managing Director von Wintershall Dea Russland (siehe auch: Positionspapier zur Deutsch-Russischen Wasserstoffpartnerschaft).

AHK-Vize Mordaschow für Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok

AHK-Vizepräsident Alexej Mordaschow sagte: „Ich bin ein kultureller Europäer. Wir müssen zur Idee eines gemeinsamen europäischen Hauses zurückkehren und eine Wirtschaftszone von Wladiwostok bis Lissabon errichten.“

Der Vorstandsvorsitzende des Stahlproduzenten Severstal verwies auf das gerade zustande gekommene RCEP-Freihandelsabkommen, das von ASEAN-Mitgliedstaaten und Ländern wie China unterzeichnet wurde und nun 2,2 Milliarden Menschen, 30 Prozent des globalen BIP und 28 Prozent des globalen Handels umfasst. Wenn Europa und Russland Gehör finden wollen, müssten sie zusammenarbeiten, um ihren Stellenwert in der Welt zu erhöhen, so Mordaschow.

Ehrengäste: Wirtschaftsminister Reschetnikow und Vize-Energieminister Sorokin

Als Ehrengast hielt Maxim Reschetnikow, seit Januar Minister für wirtschaftliche Entwicklung, die Hauptrede beim Präsidialrat. Der ehemalige Gouverneur der Region Perm kennt die Arbeit der AHK und hatte in seiner früheren Funktion gute Beziehungen zu deutschen Unternehmen. „Wir sind daran interessiert, die Kooperation mit unseren deutschen Partnern auszubauen. Unser Ziel ist der Übergang zur gemeinsamen Fertigung von Produkten mit hoher Wertschöpfung für Autoindustrie, Flugzeugbau, Bahnbranche und Energiewirtschaft”, erläuterte der 41-Jährige.

Obwohl der Staatshaushalt wegen der Auswirkungen der Corona-Krise in den kommenden drei Jahren wohl in die Schieflage geraten werde, gehe es Russland im Vergleich zu anderen Ländern gut. Der BIP-Rückgang werde geringer ausfallen als vor einigen Monaten erwartet.Minister Reschetnikow will das Wachstum durch Investitionen ankurbeln. Um dies zu erreichen, sei es wichtig, das Geschäftsklima zu verbessern, Sonderwirtschaftszonen zu errichten und die Verkehrsinfrastruktur zu modernisieren. Die wichtigste Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Aufschwung sei die Verlässlichkeit der russischen Regierung, so Reschetnikow.

Als zweiter Ehrengast hielt Pawel Sorokin, stellvertretender Minister für Energiewirtschaft, eine Grundsatzrede zum Thema „Zukunftstechnologien im Energiesektor“ und sprach dabei ausführlich über die Bedeutung der Wasserstoffenergie.

AHK-Vorstandschef Schepp: Kammer wächst trotz Corona-Krise

„Die Kammer ist gut durch die Krise gekommen, da wir ein Spiegel unserer Mitglieder sind, welche im Schnitt während der Pandemie sogar Marktanteile gewinnen konnten.” Mit diesen Worten begann Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen AHK und Delegierter der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation, seinen Rechenschaftsbericht.

„Selbst im Krisenjahr 2020 beliefen sich die deutschen Netto-Direktinvestitionen in Russland bis September auf beachtliche 1,4 Milliarden Euro. Nach einem Rückgang im 2. Quartal wurde im 3. Quartal erneut mit 700 Millionen in die Zukunft investiert.”

Zu Beginn des Jahres hatte die Kammer 907 Mitglieder. Nach dem Beginn der Pandemie im März hatte sich die AHK das Ziel gesteckt, diese Mitgliederzahl nicht kleiner werden zu lassen. Umso bemerkenswerter ist es, dass mit 188 Neuzugängen in diesem Jahr die 1000-Mitglieder-Marke sogar geknackt werden konnte. Von diesen Mitgliedern kommen rund zwei Drittel aus den DACH-Ländern, aber auch internationale Akteure schlossen sich der Kammer an.

„Im März war das Motto: Nicht groß jammern, sondern anpacken! Wir wollten keine Veranstaltungen ausfallen lassen, deshalb haben wir Zehntausende Euro in die Entwicklung einer Online-Plattform investiert. Die Pandemie hat unsere Digitalisierung um mindestens zwei Jahre vorangetrieben.” So lautete das Fazit von Matthias Schepp.

Nicht eine Veranstaltung wurde 2020 aufgrund der äußeren Umstände verschoben oder abgesagt. Am Ende dieses Jahres werden mehr als 300 Veranstaltungen stattgefunden haben, viele davon im hybriden Online-Offline-Format.

Ein Bericht von Thomas Baier

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Leiter der Abteilung Kommunikation & Marketing