AHK-Präsidialratssitzung: Konjunktur lahmt, Aussichten gut

Vizepremier Dmitrij Kosak hat bei der Sitzung des AHK-Präsidialrates angekündigt, „keine Gesetze mehr einzubringen, die das Investitionsklima in Russland verschlechtern.“ Der AHK-Präsidialrat tagt einmal im Jahr, ihm gehören bekannte Unternehmerpersönlichkeiten aus Deutschland und Russland an, die den AHK-Vorstand bei strategischen Entscheidungen beraten. An der Sitzung am vergangenen Freitag nahmen unter anderem die russischen Großunternehmer Wiktor Wechselberg und Alexej Mordaschow sowie Klemens Rethmann von Rhenus und Matthias Bruch von Globus teil. Neben Vizepremier Kosak hielt Elena Bunina, CEO von Yandex, eine Keynote. Yandex hat es jüngst auf der Forbes-Liste der weltweit am schnellsten wachsenden Unternehmen auf Platz 24 geschafft.

AHK-Präsident Rainer Seele bemerkte zu Beginn gut gelaunt und in Anspielung auf Nord Stream 2, dass „nichts Deutschland und Russland besser zusammenhält als meine Pipelines“. Im globalen Kontext gebe es aber weniger Gründe zur Freude. Der Handelskrieg zwischen den USA und China trübe die Weltkonjunktur stark ein. „Insgesamt sieht die wirtschaftliche Lage nicht nur für Russland nicht sehr gut aus“, betonte der AHK-Präsident. „Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass wir in Europa starkes Wachstum haben werden.“

Der AHK-Präsidialrat war sich einig, dass die Situation in der Weltwirtschaft schwierig sei und die russische Konjunktur lahme. Allerdings helle sich das Geschäftsklima in Russland etwas auf. Die deutschen Firmen vor Ort wachsen bei Umsatz und Gewinn insgesamt stärker als der Markt, wie die regelmäßigen Geschäftsklimaumfragen der AHK zeigen.

AHK-Vizepräsident Alexej Mordaschow sagte, dass über den amerikanisch-chinesischen Handelskrieg hinaus Russland stark von den US-Sanktionen belastet werde. Auch Deutschland sei stark betroffen, weil Exporte sinken, die Wirtschaft nur schwach wachse und eine Rezession nicht unwahrscheinlich sei. Das russische BIP-Wachstum von lediglich 0,9 bis 1,2 Prozent pro Jahr entspreche nicht den ambitionierten Zielen. „Damit sich Russland entwickelt, muss seine Wirtschaft vier bis sechs Prozent pro Jahr wachsen“, sagte der AHK-Vizepräsident.

„Weltweit sehen wir mehr und mehr protektionistische Tendenzen, Handelsbarrieren und Schutzzölle. Das gefällt uns nicht“, erklärte der AHK-Vorstandsvorsitzende Matthias Schepp.  Zur Entwicklung der AHK sagte Schepp: „Die AHK ist der einzige internationale Wirtschaftsverband, der stark gewachsen ist. Mit mehr als 900 Firmen haben wir so viele Mitglieder wie noch nie zuvor.“

Der Großunternehmer Wiktor Wechselberg bemängelte Russlands Abhängigkeit von Rohstoffen und mangelnde Unterstützung für den realen Sektor. Trotz aller strategischen Versuche, die Wirtschaft auf Trab zu bringen, blieben staatliche Förderprogramme selbst in innovativen Bereichen – etwa Digitalisierung – staatlichen oder staatsnahen Playern vorbehalten, beklagte der Unternehmer. „Die Priorität liegt also eher auf der staatlichen Kontrolle von Prozessen als auf der Förderung des Unternehmertums“, so Wechselberg. Eine erfreuliche Ausnahme bilde das Innovationszentrum Skolkovo bei Moskau, an dem Wechselberg selbst über seine Renova-Gruppe beteiligt ist.

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