Altmaier und Manturow auf Russlandkonferenz: Bekenntnis zur Zusammenarbeit

Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier und der russische Industrie- und Handelsminister Denis Manturow haben auf der Russlandkonferenz 2021 ein Bekenntnis zur deutsch-russischen Zusammenarbeit abgelegt. Trotz politischer Herausforderungen muss der Dialog zwischen beiden Ländern fortgesetzt und intensiviert werden, hieß es.

Text: Thorsten Gutmann

Die Europäische Union und Deutschland haben ein „strategisches Interesse“ am Dialog mit Russland, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf der Russlandkonferenz am 16. Februar 2021 (Rede auf YouTube ansehen). Die Konferenz wird jährlich von der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland ausgetragen und vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) unterstützt.

Die politischen Beziehungen zu Russland sind in einer „schwierigen Phase“, so Altmaier. Durch die Krimkrise, den Ukrainekonflikt und den Giftanschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny seien die europäisch-russischen Beziehungen auf einem „Tiefpunkt“ angelangt. Deutschland verurteilt Völkerrechtsbrüche, den Einsatz von chemischen Kampfstoffen und schwere Menschenrechtsverletzungen, so der Minister. Dennoch gebe es keine Alternative zum Dialog mit Russland zu Themen wie internationale Rüstungskontrolle, Klimawandel, Bekämpfung von Epidemien sowie Syrien, Libyen und Iran. „Russland ist einer unserer zentralen Nachbarn und ein zentraler weltpolitischer Akteur“, sagte Altmaier.

Für Vertiefung wirtschaftlicher Zusammenarbeit

Altmaier betonte die starken Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland. Das Interesse der deutschen Wirtschaft an Russland ist „unverändert groß“ - und das Interesse der russischen Wirtschaft an Deutschland ebenfalls. „Abgesehen von einer Ausnahme haben in den vergangenen Jahren keine namhaften Unternehmen den russischen Markt verlassen“, so Altmaier. Trotz eines „nicht immer einfachen Umfelds“ machen deutsche Firmen Geschäfte im größten Flächenstaat der Erde. „Auch deshalb setzt sich das deutsche Bundesministerium aktiv für die Intensivierung des wirtschaftspolitischen Dialogs im Rahmen der geltenden Sanktionen ein.“

Für Nord Stream 2 und Wasserstoff-Kooperation

Ungebrochen ist Altmaiers Unterstützung für die Ostseepipeline Nord Stream 2. Die Gasverbindung zwischen Russland und Deutschland stellt „die zukünftige Energieversorgung in Europa auf eine solide Basis“, sagte der Bundesminister. Kooperationspotenzial sieht der Minister vor allem im Bereich Wasserstoff. Deutschland strebt an, Wasserstoff „im großen Maßstab“ zu importieren. Russland verfügt hierfür die „besten Voraussetzungen für die Erzeugung und den Transport“ auch von grünem Wasserstoff. Ebenso betonte Altmaier Chancen in den Bereichen Technische Regulierung und Digitalisierung, unter anderem im Rahmen der Deutsch-Russischen Initative für Digitalisierung (GRID). Der Minister hob auch die Initiative der Deutschen Botschaft und der AHK „1000 Praktika für 1000 Unternehmen“ hervor.

Manturow: Zusammenarbeit bei Corona und Wasserstoff

Der russische Industrie- und Handelsminister Denis Manturow sagte ebenfalls, dass Russland in vielen Bereichen enger mit Deutschland kooperieren will. In Russland genießt die „Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft“ große Aufmerksamkeit. Manturow betonte, dass Russland „zu einer ernsthaften Zusammenarbeit“ mit Deutschland bereit ist - „angefangen bei der Entwicklung und Produktion von Anlagen bis hin zur Umsetzung von Infrastrukturprojekten für Produktion, Speicherung und Transport von Wasserstoff“. Russland plant, Wasserstofftechnologien „auf die Prioritätenliste für den Abschluss von Sonderinvestitionsverträgen“ zu setzen, um somit gezielt ausländische Investitionen in diesem Bereich anzuwerben.

Große Chancen sieht Manturow bei der gemeinsamen Bekämpfung der Corona-Pandemie. Mit Sputnik V habe Russland „einen der wirksamsten Impfstoffe gegen das Coronavirus“ entwickelt, der weltweit nachgefragt werde. „Natürlich sind wir bereit, auch mit unseren deutschen Partnern zusammenzuarbeiten“, so Manturow. „Sowohl bei der Lieferung als auch beim Herstellen des Impfstoffs, auch auf deutschem Boden. Wir haben bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur schon die Zulassung beantragt.“ Sein Kollege Altmaier hatte zuvor Russland und seinen Forschern zur Entwicklung des Impfstoffs Sputnik V gratuliert.

Ebenso erwähnte Manturow die Kooperationsmöglichkeiten bei der Einführung additiver Technologien, auch bekannt als 3D-Druck, bei Smart Manufacturing sowie bei der Digitalisierung allgemein. Erst vor kurzem sei das russische E-Commerce-Unternehmen Wildberries erfolgreich auf den deutschen Markt gegangen. Es biete rund vier Millionen Produkte für deutsche Kunden an.

Russlandkonferenz 2021 - Die wichtigsten Links

Hier finden Sie Videos, Fotos und weitere Berichte zur Russlandkonferenz 2021 der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland und der Deutsch-Russischen AHK.

Videos auf dem YouTube-Kanal der AHK Russland:

Berichte auf der Website:

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Ansprechpartner

Thorsten Gutmann

Leiter der Abteilung Kommunikation & Marketing