Aufschwung trotz Krise: Deutsche Wirtschaft investiert in Russland

Im ersten Quartal 2021 haben deutsche Firmen trotz Corona und politischer Turbulenzen 1,1 Milliarden Euro in Russland investiert. Das meldet die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) unter Berufung auf die Bundesbank kurz vor dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF), das vom 2. bis 5. Juni stattfindet.

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„Der gute Trend hoher deutscher Investitionen in Russland, der in Vor-Corona-Zeiten erkennbar war, setzt sich fort“, sagt Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Russland. „Der Investitionsboom der vergangenen Jahre ist neben Großprojekten wie Nord Stream 2, Gasaufbereitungsanlagen von Linde, modernster Zugtechnologie von Siemens oder den hohen Investitionen von Volkswagen in seine russischen Werke insbesondere vom Mittelstand und familiengeführten Unternehmen geprägt.“

Nach Rekord-Nettodirektinvestitionen von 3,4 Milliarden Euro bzw. 2 Milliarden Euro in den Jahren 2018 und 2019 war die Tendenz vor allem wegen der Corona-Krise im vergangenen Jahr stagnierend. „Es ist daher erfreulich, dass die deutschen Investitionen in Russland nun kurz vor dem SPIEF, dem wichtigen Wirtschaftstreffen in St. Petersburg, an dem die deutsche Wirtschaft traditionell stark vertreten ist, wieder kräftig an Fahrt aufnehmen“, sagt Matthias Schepp.

Auch der deutsch-russische Handel war im März erstmals in diesem Jahr wieder auf Erholungskurs. Die deutschen Exporte nach Russland stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 11,3 Prozent, meldete die AHK kürzlich unter Berufung auf das Statistische Bundesamt. Die Importe aus Russland sind um 13,6 Prozent gewachsen.

SPIEF: Hochrangige Beteiligung aus Politik und Wirtschaft

Auf dem SPIEF findet am 2. Juni der Unternehmertag „Russland in Mecklenburg-Vorpommern“ im Onlineformat statt. Dort sprechen unter anderem die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, und der russische Vize-Industrieminister Wassilij Osmakow über Perspektiven der deutsch-russischen Zusammenarbeit. Die AHK und der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft organisieren am 4. Juni einen deutsch-russischen Businessdialog zum Thema Energie, unter anderem mit Firmenchefs von Siemens Energy, OMV, Uniper, Wintershall Dea und Wilo.

„Dass Deutschland mit hochrangigen Global-CEOs und Politikern auf dem SPIEF vertreten ist, zeigt, wie wichtig Russland für die deutsche Wirtschaft ist – und es ist umgekehrt auch ein Zeichen dafür, wie wichtig Deutschland für Russland ist“, sagt Rainer Seele, Präsident der AHK. In Medienkreisen und politischen Kreisen herrscht der Eindruck vor, dass das SPIEF immer mehr von asiatischen Ländern, an erster Stelle von China, dominiert wird. „Hier sind die deutsche Regierung und auch europäischen Regierungen gefragt, mit neuen Initiativen verlorene Geländegewinne wieder zurückzuholen“, so Seele.

Zu den größten Herausforderungen in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen gehören nach wie vor die gegenseitigen Sanktionen. „Die traditionelle AHK-Geschäftsklimaumfrage unter unseren 1000 Mitgliedsunternehmen zeigt, dass die deutsche Wirtschaft in Russland auf ein Ende der Sanktionsspirale hofft“, sagt Rainer Seele. „Wir appellieren deshalb an die Politiker in Moskau, Washington, Berlin, Brüssel und Paris, noch stärker auf ernsthaften Dialog zu setzen, um die Streitfragen zu lösen“.


Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) ist die Vertretung deutscher Unternehmen in Russland und russischer Unternehmen in Deutschland. Mit 1000 Mitgliedsunternehmen ist die AHK der größte ausländische Wirtschaftsverband in Russland. Derzeit sind im russischen Markt 3.971 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung aktiv.

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Ansprechpartner

Thorsten Gutmann

Leiter der Abteilung Kommunikation & Marketing