Bergbau und Petrochemie: Mehr Nachhaltigkeit durch digitalen Wandel

Sowohl in Russland als auch in Deutschland sind Bergbau und Petrochemie wichtige Standbeine der Industrie. Durch die zunehmende Digitalisierung steigen die Produktivität und die Nachhaltigkeit in den beiden Branchen.

Wie sich die Industrie 4.0 und die Digitalisierung bei verschiedenen Petrochemie- und Bergbauunternehmen durchsetzen, wurde in einem Online-Panel der 13. Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz mit Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Russischen Initiative zur Digitalisierung der Wirtschaft (GRID) und Branchenexperten diskutiert. Das Panel wurde von Dmitrij Kononenko moderiert, der bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) für die GRID zuständig ist.


Der Petrochemie-Konzern Sibur setzt in bereits allen Technologieprozessen digitale Tools wie Big-Data-Analyse und Robotisierung ein, wie Alissa Melnikowa, Geschäftsführerin von Sibur Digital, mitteilte. Mit diesen Tools könne das Unternehmen in Echtzeit seine Produktionsprozesse überwachen, Ergebnisse auswerten und die Produktion automatisieren, was am Ende bessere wirtschaftliche Zahlen bedeute. Außerdem führt die digitale Transformation zu weniger CO2-Ausstoß: Durch ständige Überwachung und Lecksuche reduziert Sibur laut Melnikowa die CO2-Emissionen um 78.000 Tonnen im Jahr. Auch wenn sie für andere Zwecke gedacht sei, trage die Industrie 4.0 zur nachhaltigen Entwicklung bei, betonte die Geschäftsführerin von Sibur Digital. Um diese Technologien im Unternehmen effektiv zu implementieren, habe Sibur mehr als 200 Programme zur Schulung eigener Mitarbeiter entwickelt - von Schweißern bis Spezialisten für additive Technologien.

Auch die in Kirischi (ca. 100 Kilometer südöstlich von Sankt Petersburg) gelegene Ölraffinerie Kinef befindet sich laut ihrem Generaldirektor Wadim Somow im digitalen Wandel. Die Corona-Pandemie habe die Digitalisierung des größten Unternehmens des Gebiets Leningrad vorangetrieben und die Implementierung digitaler Systeme zur Verbesserung technologischer Prozesse beschleunigt, sagte Somow in dem Panel. Kinef entwickle nun hauseigene Informationssysteme und mathematische Produktionsmodelle, während die Betriebsprozesse von einem Steuerzentrum zentral kontrolliert werden. Doch die Umstellung auf die Industrie 4.0 bringt auch Risiken mit sich. Somow zufolge registriert das Unternehmen deutlich mehr Hackerangriffe auf seine internen Computernetzwerke. Deshalb setzt Kinef im Zuge der Digitalisierung verstärkt auf Cybersicherheit.

Von Moderator Kononenko nach dem aktuellen Digitalisierungsstand in der deutschen Braunkohleindustrie gefragt, sagte Martin Kressner, Leiter Markscheiderische Betriebskontrolle und Lagerstättenmanagement bei der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (MIBRAG), dass Deutschland in diesem Bereich führend sei. Was die Entwicklung der Industrie 4.0 betreffe, so lägen die Schwerpunkte aktuell auf der Big-Data-Analyse und der Erstellung digitaler Zwillinge, führte Kressner aus. Ihm zufolge behalten deutsche Unternehmen die globalen Trends im Auge, tauschen Erfahrungen mit Unternehmen aus anderen Ländern aus und sind bereit, neue Technologien zu implementieren, die ihre Wirksamkeit bereits unter Beweis gestellt haben.

Unter den russischen Panelisten war auch Michail Aronson, Vize-CEO der Zyfra Group. Sein Unternehmen habe sich von Anfang an auf die Entwicklung von Technologien spezialisiert, die nicht nur auf dem russischen Markt, sondern auch im Ausland wettbewerbsfähig seien, sagte er. Zyfra sei mittlerweile in 25 Ländern aktiv. Besonders intensiv werde mit Partnern aus Afrika, Asien und Lateinamerika zusammengearbeitet, wo die Zyfra Group mit ihren digitalen Lösungen Bergbaufirmen beim Aufbau komplexer Produktionsmanagementsysteme helfe, teilte Aronson mit. Als Beispiel nannte er ein indisches Bergbauunternehmen, bei dem mehr als 120 Maschinen im Einsatz sind. Mithilfe eines von Zyfra entwickelten Informationssystems habe der indische Kunde seine Maschinenausfallzeiten um 27 Prozent reduzieren können. Deshalb habe sich die Investition in das Informationssystem für ihn schon innerhalb weniger Monaten bezahlt gemacht.

Sergej Makarjewski, Bereichsleiter Digital Mining Solutions bei Siemens in Russland, erzählte, wie sich mit Künstlicher Intelligenz der Zustand von kritisch wichtigen Produktionsanlagen überwachen und ihre Leistung genau vorhersagen lassen. Er erklärte auch, welche Unterschiede es bei der Implementierung der Industrie-4.0-Technologien zwischen Greenfield-Projekten - also neu entstehenden Betrieben - und bereits laufenden Betrieben gibt.

Alexander Pissarez, Direktor des Industrie-Clusters im Expertise-Zentrum von SAP CIS, äußerte die Meinung, dass Homeoffice und Nachhaltigkeit neben der Beschleunigung der Prozesse gegenwärtig die wichtigsten Triebfedern der Digitalisierung in der Bergbau- und Rohstoffindustrie seien. SAP biete Unternehmen der Branche digitale Komplettlösungen sowie Cloud-Services sowohl in internationalen öffentlichen Datenclouds als auch im eigenen Datenzentrum in Russland an, das in Kooperation mit dem Telekommunikationskonzern Rostelecom entstanden ist.

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Ansprechpartner

Thorsten Gutmann

Leiter der Abteilung Kommunikation & Marketing