Bionorica: „Russland ist unser wichtigster Auslandsmarkt“

Seit mehr als 20 Jahren ist der deutsche Naturarzneimittel-Hersteller Bionorica in Russland aktiv. Rund 40 Millionen Euro investiert das mittelständische Unternehmen aus der Oberpfalz in ein neues Werk in Woronesch. Im Interview mit der AHK Russland spricht der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Michael A. Popp über Wachstumspotential, Zukunftsstrategien und die Digitalisierung des Pharmasektors.

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Bionorica ist seit über zwei Jahrzehnten in Russland tätig. Welche Rolle spielt der Markt in Ihrer Unternehmensstrategie und was ist Ihr Erfolgsrezept?

Russland ist nach Absatz und Umsatz unser wichtigster Markt im Ausland und spielt in unserer Unternehmensstrategie somit eine sehr wichtige Rolle. 2018 gelang uns eine erhebliche Steigerung im Apothekenabverkauf trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen. Ebenso haben wir eine deutliche Steigerung von Marktanteilen bei unseren Produkten hingelegt. Unsere pflanzlichen Arzneimittel sind sehr beliebt in Russland: Canephron, Sinupret und Mastodynon sind dort die meist verschriebenen Produkte von Seiten der Ärzte in ihrer Hauptindikation. Wie auch in Deutschland sind die Ärzte und Apotheker in Russland unsere wichtigsten Partner. Hinzu kommt, dass die russische Bevölkerung seit jeher gegenüber pflanzlichen Präparaten sehr aufgeschlossen ist. Dieses Vertrauen in die Heilkräfte aus der Natur verbindet uns.

Welche Zukunftspläne haben Sie auf dem russischen Markt?

In vielen Märkten weltweit sind wir mit unseren wissenschaftlich erforschten Naturarzneien die Nummer 1 im Phytomarkt – so auch in Russland. Wir wollen in Russland weiter wachsen und noch mehr Patienten mit Phytopharmaka versorgen, unser Werk in Woronesch ist dabei sehr wichtig für uns.

Sie investieren 40 Millionen Euro in ein neues Werk in Woronesch, das 2021 eröffnen soll. Warum haben Sie diese Investitionsentscheidung getroffen und welche Ziele verfolgen Sie damit?

Mit Investitionen von rund 40 Millionen Euro in den Standort Woronesch wollen wir Kapazitäten erweitern sowie kürzere Lieferwege und -zeiten erzielen. Zudem ergeben sich für Bionorica Zoll- und Transportkostenvorteile.

Wo sehen Sie in Russland das größte Wachstumspotential für Bionorica?

Im Markt für evidenzbasierte pflanzliche Arzneimittel sehen wir in Russland das größte Wachstumspotenzial.

Sind Sie bei den Komponenten auf Importe angewiesen oder beziehen Sie diese größtenteils aus dem Inland?

Die Materialversorgung der Produktion in Woronesch soll möglichst lokal, also aus Russland erfolgen, wir sprechen da von „Local Sourcing“. Regulatorische Gründe verpflichten uns, bei primären produktbetreffenden Packmitteln zu einem globalen Sourcing. Primärpackmittel sind Glasflaschen und Blister-Folien. Ziel ist eine möglichst hohe Wertschöpfung in Russland zu erreichen und Transporte zu reduzieren.

Das Thema "Smart Factory" wird immer wichtiger im Pharmasektor. Wie erfolgreich implementieren Sie digitale Technologien in Ihren Produktionsprozessen?

Wir implementieren sehr erfolgreich digitale Technologien in unseren Produktionsprozessen, etwa in unserer Unternehmenszentrale in Neumarkt. Hier haben wir durch massive Investitionen im dreistelligen Millionenbereich im Laufe der letzten Jahrzehnte die wohl digitalste Herstellung pflanzlicher Arzneimittel weltweit geschaffen, viel läuft vollautomatisiert ab. Wir haben patentierte Herstellverfahren und der für uns so wichtige Engineering-Gedanke findet sich auch in unserer Unternehmensphilosophie wieder, das nennen wir „Phytoneering“.

Die russische Wirtschaft wächst nur schwach, Realeinkommen und Verbrauchervertrauen stagnieren. Wie gefährlich ist die seit mehreren Jahren anhaltende Situation für Sie?

Wir wollen, dass sich Patienten unsere Produkte leisten können. Daher haben wir eine entsprechende Preispolitik.

Welches sind neben der schwächelnden Konjunktur derzeit die größten Herausforderungen für Bionorica in Russland?

In Russland werden unsere beiden wichtigsten Produkte Canephron und Sinupret massiv mit Generika und Eigenmarken von Apothekenketten unter Druck gesetzt. Um dem entgegenzuwirken, analysieren wir die Nachahmerprodukte sehr genau, denn unsere Produkte sind nicht imitierbar.

Wie wichtig sind Russlands Nachbarländer für Sie und sehen Sie die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) als Vorteil für Ihr Business?

Unter Russlands Nachbarländern finden sich wichtige Märkte für uns, etwa Belarus und Kasachstan. Die Eurasische Wirtschaftsunion bringt Vorteile mit sich, weil sie beispielsweise den Austausch von Waren erleichtert.

Das Interview führte Thorsten Gutmann.

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Ansprechpartner

Thorsten Gutmann

Leiter der Abteilung Kommunikation