Corona-Bekämpfung: Wer toppt, wer floppt?

Die Covid-19-Pandemie ist noch lange nicht überwunden, vieles deutet darauf hin, dass die neue Krankheit womöglich auf Dauer bleibt. Viele Länder und Menschen ziehen in diesen Tagen und Wochen eine Zwischenbilanz.

Ein wichtiger und objektiver Indikator sind die Sterbezahlen seit Beginn der Pandemie vor einem Jahr. Hier ergibt sich trotz unterschiedlicher Eindämmungskonzepte ein ziemlich einheitliches Bild, obwohl sich China mit offiziell gemeldeten 0,3 Covid-Todesfällen je 100.000 Einwohner zweifellos positiv abhebt. Die meisten anderen Länder weisen ähnliche Werte auf; als Beispiel seien Russland mit 64, Israel mit 70, Deutschland mit 90, Schweden mit 131 und die USA mit 164 Fällen genannt. Zu beachten sind jenseits der offiziellen Zahlen auch die Übersterblichkeit und die zum Teil unterschiedlichen Methoden, Corona-Tote abhängig von der Betrachtung der hauptsächlichen Todesursache zu zählen.

Bei den Impfraten gehen die Zahlen jedoch stark auseinander: Während in den USA bereits 13 Prozent und in Israel sogar mehr als die Hälfte der Bevölkerung beide Impfdosen erhalten haben, sind es in Deutschland und Schweden knapp vier Prozent, in China schätzungsweise drei Prozent und – nach jüngsten Aussagen von Präsident Putin – in Russland trotz seines weltweit ersten Impfstoffes auch nur drei Prozent. Dieses Gefälle lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen: Ungleichheiten bei den Produktionskapazitäten und der organisatorischen Effizienz sowie einer weit verbreiteten Impfskepsis mancherorts.
 
Auch bei Betrachtung der Sieben-Tage-Inzidenz (Erkrankungsfälle pro 100.000 Einwohner in der vergangenen Woche) fallen enorme Unterschiede ins Auge: Während China aktuell keinen einzigen Fall ausweist, liegt der Wert in Schweden, das keinen Lockdown in der ersten Pandemiewelle verhängte, noch immer bei 314 – fast dreimal höher als in den USA, Deutschland und Israel und fast siebenmal über dem Wert in Russland, wo die Fallzahlen nach dem Jahreswechsel nach unten zeigen.

Die wirtschaftliche Dynamik war im Pandemiejahr 2020 in allen analysierten Ländern rückläufig – mit Ausnahme von China (+2,3 Prozent), dessen Wirtschaft nicht nur vor Corona am schnellsten gewachsen war, sondern sich auch am schnellsten von der Pandemiekrise erholt hat. Auch Schweden (-2,8 Prozent), Russland (-3,1 Prozent) und die USA (-3,5 Prozent) haben sich im Vergleich nicht nur zum EU-Durchschnitt (-7,6 Prozent), sondern auch zu Deutschland (-5 Prozent) und Israel (-6,3 Prozent) angesichts des Corona-Schocks recht gut geschlagen.
 
Bei der Zunahme der Arbeitslosigkeit hat Deutschland während der Pandemie jedoch kaum schlechter abgeschnitten als Russland: Pro 100.000 Einwohner waren in Deutschland im 4. Quartal letzten Jahres 764 und in Russland 751 mehr Menschen arbeitslos als im 4. Quartal 2019. In den USA war dieser Wert doppelt so hoch (1.561), auch Schweden und Israel verzeichneten deutlich höhere Werte (1.447 bzw. 1.133 zusätzliche Arbeitslose je 100.000 Einwohner). In China hatte sich die Arbeitslosigkeit jedoch bereits im 2. und 3. Quartal 2020 weitgehend auf das Vorkrisenniveau stabilisiert, sodass die Differenz zum Vorjahresquartal im 4. Quartal 2020 nur noch 100 Arbeitslose pro 100.000 Einwohner betrug. / Zeit (DE), Statista (DE), Rosstat (RU)


Diese Meldung stammt aus dem Morgentelegramm der AHK Russland. Das Morgentelegramm ist ein exklusiver AHK-Newsletter mit einer kurzen Nachrichtenübersicht zur Wirtschaft in Russland.

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