Pressemeldung
Berufsbildung

Deutsche Firmen als Pioniere bei Ausbildung in Russland

13.10.2021

Mercedes-Benz beteiligt sich an Dualer-Ausbildungs-Initiative der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer / Lob von Merkel und Putin 

Die deutsche Wirtschaft ist im größten Flächenstaat der Erde Vorreiter bei moderner, praxisorientierter Ausbildung junger Fachkräfte. Ab sofort wird auch Mercedes-Benz in seiner hochmodernen Fabrik im Moskauer Gebiet Nachwuchskräfte ausbilden.

Dazu unterzeichnen heute das Mercedes-Benz-Werk in Jessipowo bei Moskau, das Bildungsministerium des Moskauer Gebiets, die Berufsschule Podmoskowje in der Stadt Klin und die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) eine Kooperationsvereinbarung zur Ausbildung von Kfz-Mechatronikern.

„Mercedes-Benz setzt als eine der bekanntesten und beliebtesten deutschen Marken in Russland ein Zeichen für nachhaltiges Engagement im russischen Markt“, so Matthias Schepp, AHK-Vorstandsvorsitzender und Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Russland. „Mercedes-Benz gibt jungen Leuten die Chance, frühzeitig Praxiserfahrung zu sammeln und bei einem Top-Arbeitgeber ins Berufsleben zu starten.“

Putin unterstützt Duale Ausbildung nach deutschem Vorbild

Bei einem Treffen deutscher Spitzenmanager mit Präsident Wladimir Putin im Dezember 2019 in Sotschi hatte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Dr. Martin Wansleben, die Duale Ausbildung als Schlüsselthema für die bilaterale Zusammenarbeit lanciert. Putin begrüßte die Initiative und schlug vor, künftig eine Deutsch-Russische Berufsbildungskonferenz auszutragen. Der russische Präsident beauftragte seinen Berater Maxim Oreschkin, das Thema bei Gesprächen mit dem Bundeskanzleramt voranzutreiben.

Die erste Bildungskonferenz fand im Oktober 2020 wegen der Corona-Pandemie online statt. Die zweite Deutsch-Russische Berufsbildungskonferenz wird heute im Hybridformat aus dem Mercedes-Benz-Showroom in Moskau ab 11:00 Uhr Moskauer Zeit (10:00 Uhr MEZ) gestreamt.

Neben Spitzenmanagern tritt auch der deutsche Botschafter Dr. Géza Andreas von Geyr auf.

Ausbildung in Betrieb und Berufsschule

Die Duale Ausbildung ist ein deutsches Berufsbildungsmodell, das praktische Erfahrungen in einem Unternehmen mit theoretischen Elementen in einer Berufsschule verbindet. „Die Duale Berufsbildung ist nicht nur einer der größten Exportschlager der deutschen Wirtschaft, sondern auch Rückgrat für ihren Erfolg“, sagt AHK-Vorstandschef Schepp.

Nach Abschluss einer erfolgreichen Ausbildung erhalten die Auszubildenden deutsch-russische Zertifikate, die vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gemeinsam mit der AHK herausgegeben werden. Der DIHK vertritt die gesamte gewerbliche Wirtschaft in Deutschland. Unter seinem Dach sind 79 Industrie- und Handelskammern (IHK) mit mehreren Millionen Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen vereint – vom Kiosk-Besitzer bis zum Großkonzern.

Mercedes-Chef Suffel setzt auf russischen Markt

„Wir sind überzeugt vom Potential des russischen Premium- und Luxusautomarkts und wollen im Rahmen unserer neuen Markenstrategie das führende Technologieunternehmen in diesem Segment werden", sagt Holger Suffel, CEO von Mercedes-Benz Russia. Der Autobauer hat mehr als 250 Millionen Euro in sein 2019 eröffnetes Werk bei Moskau investiert. Dort werden die E-Klasse Sedan sowie die drei SUV-Modelle GLC, GLE und GLS hergestellt. „Das Werk ist flexibel, grün und verwendet modernste Industrie-4.0-Technologien“, so Suffel. Ihm zufolge deckt die lokale Produktion bereits mehr als ein Drittel des gesamten Mercedes-Benz-Umsatzes in Russland ab.

„Unser Werk beschäftigt derzeit über 1000 Mitarbeiter im Moskauer Umland“, sagt Andreas Lettner, CEO von Mercedes-Benz Manufacturing RUS. „Ihre hohe Qualifikation bildet die Grundlage für unseren Erfolg. Deshalb entwickeln wir ihre Fähigkeiten ständig weiter.“ Das Modell der Dualen Berufsbildung sei ein Schritt nach vorne in der Unternehmensstrategie und helfe bei der Qualifizierung von Arbeitskräften für Zukunftstechnologien in der Automobilindustrie, so Lettner.

Merkel lobt 1000 Praktikanten-Initiative

Die AHK hat sich zum Ziel gesetzt, das weltweit anerkannte Modell der Dualen Ausbildung mit ihrer besonderen Kombination aus Praxis und Theorie für deutsche und russische Unternehmen nutzbar zu machen. Mehrere deutsche Unternehmen, darunter Großkonzerne wie Volkswagen und Bosch, mittelständische Familienunternehmen wie die Supermarktkette Globus und der Landmaschinenhersteller Claas, aber auch Start-ups wie der Glasfasertapeten-Hersteller BauTex im Gebiet Wladimir bilden seit Jahren erfolgreich dual in Russland aus.

Die AHK hat inzwischen 13 Berufe auf der Grundlage deutscher Lehrpläne an die Firmenerfordernisse in Russland angepasst, darunter Mechatroniker, Anlagenmechaniker, Bürokaufleute, Köche und Metzger. Im kommenden Jahr kommen Kfz-Mechatroniker, Hotelmanager und Fachkräfte für Abfall- und Kreislaufwirtschaft dazu. Es sei ein „Leuchtturmprojekt der deutsch-russischen Ausbildungszusammenarbeit“, sagt Patricia Robel, die das „Duale Ausbildung“-Programm bei der AHK leitet.

„Wir freuen uns, dass auch auf höchster staatlicher Ebene Anerkennung findet, was deutsche Firmen zur Modernisierung der russischen Wirtschaft beitragen“, erklärt AHK-Chef Matthias Schepp.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem Treffen mit Wladimir Putin Ende August bei einer gemeinsamen Pressekonferenz die Initiative „1000 Praktika“ der deutschen Wirtschaft lobend hervorgehoben, die über eine interaktive Digitalplattform jungen Russinnen und Russen Praktika bei deutschen Firmen in Russland vermittelt. Die Plattform geht auf eine Idee der Deutschen Botschaft im Rahmen des Deutsch-Russischen Themenjahrs „Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung“ zurück, das unter der Schirmherrschaft der Außenminister Heiko Maas und Sergej Lawrow steht. Sie wurde von der AHK entwickelt und wird von der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Deutschen Botschaft in Moskau unterstützt.

Hohe deutsche Direktinvestitionen

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im Dezember vergangenen Jahres gesagt, dass die deutsche Wirtschaft zu den wichtigsten Investoren des Landes gehört und im Gegensatz zu anderen in den realen Sektor investiert. Trotz Corona, Sanktionen und politischer Schwierigkeiten investierte die deutsche Wirtschaft laut Bundesbank allein im ersten Halbjahr 2021 netto 1,3 Milliarden Euro in Russland.


Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) ist die Vertretung deutscher Unternehmen in Russland und russischer Unternehmen in Deutschland. Mit 1000 Mitgliedsunternehmen ist die AHK der größte ausländische Wirtschaftsverband in Russland. Derzeit sind im russischen Markt 3.971 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung aktiv. Die deutschen Direktinvestitionen nach Russland betrugen zwischen 2018 und 2020 insgesamt rund fünf Milliarden Euro.


 

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