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Deutsche Firmen in Saratow leben Nachhaltigkeit vor

27.08.2021

Ein „Zusammendenken der Energie- und Klimapolitik“ ist dem deutschen Botschafter Dr. Géza Andreas von Geyr zufolge entscheidend für die Zukunft. Auch in Russland sehe er ein wachsendes Verständnis dafür. Andere Teilnehmer der AHK-Konferenz „Nachhaltigkeit als wirtschaftliches Erfolgsrezept“ in der Wolgastadt Saratow teilten ihre Erfahrungen und Ideen, wie in Russland Nachhaltigkeit gelebt werden kann.

Russland und Deutschland seien sich in den vergangenen Jahren beim Thema Nachhaltigkeit nähergekommen, betonte der deutsche Diplomat bei der Podiumsdiskussion nach der feierlichen Eröffnung der AHK-Wanderausstellung „Die Russland-Meister 4.0“. Eine Grundlage für die strategische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern für die kommenden Jahrzehnte könne Wasserstoff werden. Russland habe ein großes Potenzial auf diesem Gebiet.

Dieser Einschätzung stimmte auch der Industrie- und Energieminister des Gebiets Saratow, Andrej Archipow, zu: Sowohl bei der Bevölkerung als auch Regierung wachse das Verständnis, dass zwischen Wirtschaft und Klimapolitik eine Balance gefunden werden müsse. Die Region lebe nicht abgekapselt, sondern sei in globale Prozesse verwickelt. Die örtliche Regierung unterstütze nachhaltige Projekte mit entsprechenden Gesetzen und Geldern.

Am Beispiel von Henkel zeigte Archipow auf, wie nachhaltige Herstellung in Saratow geht: In den vergangenen zehn Jahren sei es dem deutschen Unternehmen gelungen, den Wasserverbrauch für eine Tonne Produktionsware fast um das Vierfache, den Stromverbrauch um das Zweifache und die Abfälle um 60 Prozent zu reduzieren. Auch die Region selbst könne in Sachen Nachhaltigkeit so einiges vorweisen: Mit Solaranlagen würde erneuerbare Energie erzeugt. Zudem sei ein Windpark in Planung.

Was wird konkret unternommen?

Henkel wolle bis 2025 seinen CO2-Fußabdruck um 25 Prozent verringern, betonte Sergej Bykowskich, Präsident von Henkel Russland. Bis dahin soll fast die Hälfte der Verpackungen aus wiederverwerteter Plastik hergestellt werden. Das Unternehmen habe aber jetzt schon Plastikverpackungen, die zu 100 Prozent wiederverwertet werden können. Das sei ein großes Thema in Russland, wo es an diesem Rohstoff stark mangle.

„Wir suchen nach Lieferanten für wiederverwertete Plastik.“ Deshalb rief er die regionale Regierung auf, Unternehmen zu helfen, die in entsprechende Technologien investieren wollen, um den Markt mit wiederverwertbarer Plastik zu versorgen. 

Laut Andreas Renner, Generaldirektor von Linde Engineering Rus und Regionalbevollmächtigter der AHK in der Wolga-Region, hat sein Unternehmen gemeinsam mit der russischer Firma Sibur ein Projekt im Zuge der Digitalisierung gestartet. Bei dem Projekt werden russische Anlagen durch Datendigitalisierung so optimiert, dass der CO2-Fußabdruck um bis zu 20 Prozent sinkt.

Die Digitalisierung ist auch für Henkel ein wichtiges Thema. 60 Messgeräte in dem Henkel-Werk in Engels kontrollieren, dass bei der Trocknung des Waschpulvers nicht unnötig Energie verbraucht wird.  

Abfallverwertung

Außerdem wurde eingehend über Müllverwertung gesprochen. Der deutsche Botschafter betonte, dass er viel von seinen Kindern im Umgang mit Müll gelernt habe. „Ich gehe selbst vielleicht legere damit um und werde von meinen Kindern zurechtgewiesen, zu trennen und aufzupassen.“ Gerade die junge Generation habe die Notwendigkeit begriffen, Abfälle umweltgerecht zu entsorgen.

Industrieminister Archipow verwies auf die strikten Umweltrichtlinien in der Region. Bei festen Siedlungsabfällen wolle das Gebiet Saratow bis 2024 erreichen, dass 70 Prozent davon verarbeitet und zehn Prozent wiederverwertet werde. Bis 2030 strebe die Region sogar eine hundertprozentige Müllverarbeitung an.

Bei Henkel wurde das Gewicht der Verpackungen reduziert, indem weniger Plastik verbraucht wird. Henkel-Chef Bykowskich lobte zudem ein staatliches Programm, mit dem Unternehmen die Kosten für die Abfallverwertung mit der Umweltgebühr verrechnen können.

Blick in die Zukunft

Dem Generaldirektor von Lindner wurde bei der Konferenz die prophetische Einschätzung abverlangt, wie Russland in Bezug auf die Nachhaltigkeit in zehn Jahren aussehen wird. Renner sagte, dass Russland zu den Nationen gehören werde, die großen Anteil daran haben würden, wie Nachhaltigkeit gelebt werden solle.

Damit diese Vision Wirklichkeit wird, sollte Russland ihm zufolge bei der sozialen und ökologischen Bildung ansetzen - und zwar mit der Sensibilisierung der Bevölkerung und der Führungskräfte  für Strategien zur nachhaltigen Entwicklung. Denn wenn dieses Verständnis nicht entwickelt werde, dann „sind wir alle verloren“, resümierte Renner.

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