Deutschland und Russland besprechen „Digitalisierung á la russe“ und kündigen neue gemeinsame Projekte an

Was ist der Beitrag Russlands zum globalen Digitalisierungstrend, und wie wird es von den deutschen Unternehmern unterstützt? Wie schätzen die russischen Partner das Potenzial einer solchen Zusammenarbeit ein, und wie kann die bestehende Kooperation intensiviert werden Diese Fragen wurden am 23. April 2018 auf der Hannover Messe während der Paneldiskussion "GRID: Digital Infrastructure and Opportunities for Enhanced Industry 4.0 Cooperation" am Stand von SAP SE diskutiert. GRID steht für "German Russian Initiative for Digitization" – eine Initiative zur Digitalisierung der russischen Wirtschaft, die deutsche und russische Unternehmen im Februar 2018 gemeinsam gestartet haben. Die Initiative soll den bilateralen Dialog im Bereich Industrie 4.0 voranbringen.

Die Zusammenarbeit der deutschen und russischen Wirtschaft auf dem Gebiet Digitale Zukunftstechnologien kommt in den Schwung. Im Rahmen der Podiumsdiskussion haben beide Seiten das wachsende Potential der digitalen Infrastruktur in beiden Ländern betont und die Möglichkeiten des Kooperationsausbaus für die Bewältigung der steigernden Konkurrenz auf dem globalen Markt. 

Deutsche Unternehmen sind bei Industrie 4.0 ganz vorn – einem Bereich, wo in Russland großer Nachholbedarf herrscht. Gleichzeitig kann die russische Wirtschaft mit großen Wachstumsraten aufwarten.

„Die russische Wirtschaft hat aus vielerlei Gründen einen Bedarf nach digitalen Technologien“, betonte in seiner Rede Dr. Jan Mrosik, Geschäftsführer der Digital Factory Division bei der Siemens AG, die bereits 165 Jahre auf dem russischen Markt tätig ist. „Erstens, aufgrund des riesigen Territoriums und der großen Entfernung vieler Betriebe von hochentwickelter Infrastruktur, und zweitens, weil mithilfe von Technologien wie Digital Monitoring und Digital Twin die Ausgaben entlang der gesamten Wertschöpfungskette optimiert werden können, um sogar in Zeiten knapper werdender Finanzen wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Von erfolgreicher deutsch-russischen Zusammenarbeit redet auch Michael Kleinemeier, Vorstandsmitglied SAP SE: «SAP ist seit über 25 Jahren auf dem russischen Markt aktiv und in fast allen Industriebereichen vertreten. Internet of Things, Blockchain und Big Data sind die Eckpfeiler der Industrie 4.0, an denen sich moderne SAP-Lösungen orientieren, auch die Pilotprojekte, die wir zusammen mit einigen Marktführer Russlands während des SAP Forums in Moskau letztlich dargestellt haben.

Aber gemeinsame Projekte mit Branchenprimussen, wie Severstal, Kamaz, NLMK, ist bei weitem nicht alles. Beispielsweise hat SAP 2012 ein Startup-Programm in Russland gestartet, das russischen Neugründern bei der Entwicklung von Lösungen unterstützt, die heute weltweit angeboten werden. Gleichzeitig fördert SAP den russischen IT-Nachwuchs: Bis 2020 sollen 70 Mio. Euro in Kooperationen mit über 120 russischen Universitäten fließen.

Welches Potential im russischen Markt steckt, zeigt die russische Zyfra: Das Unternehmen ist Markführer in IIoT und Künstliche Intelligenz. Die Firma hat in die Entwicklung der russischen Technologien für Digitalisierung der Wirtschaft 6 Milliarden Rubel (ca. 79 Mio. Euro) investiert.  Bei der Entwicklung von eigenen KI- und Monitoringsystemen, IoT-Platformen orientiert sich die Zyfra auf eigenen russischen R&D und das bestehende Ökosystem von russischen Mathematiker und Programmisten.

"Die Digitalisierung der Industrie spielt eine Schlüsselrolle für die russische Wirtschaft", sagt Igor Bogachev, CEO von Zyfra, "Wir haben mehr als 4.000 Maschinen, darunter auch deutsche, mit mehr als 200 russischen Unternehmen an das industrielle Internet angeschlossen. Dadurch konnte die Auslastung der vorhandenen Industriekapazitäten um durchschnittlich 20% erhöht werden. Durch die Kombination von Wissen und Erfahrung mit globalen Anbietern von Ausrüstung und IT-Systemen können wir digitale Lösungen schaffen, die den Anforderungen des russischen Geschäfts am besten entsprechen. Für die russischen Mitglieder eröffnet GRID neue Möglichkeiten, Partner und Kunden in Deutschland zu finden "

Aber auch allgemein bietet die Digitalisierung mit den großen Transformationsprozessen, die viele Geschäftsbereiche betreffen, neue Wertschöpfungsmöglichkeiten und Kooperationsmodelle, behaupten alle Teilnehmer der Diskussion, aber von Bedeutung wäre, dass nicht nur theoretische Kenntnisse und Technologien ausgetauscht werden, sondern auch die gesammelten Erfahrungen beim Einsatz von Innovationen und bei der Optimierung der Technologie auf die Bedürfnisse der Wirtschaft und beim Ausbau der neuen Öko-Systeme. 

Große deutsche Technologiefirmen wie Siemens, SAP und Bosch bekräftigen mit der gemeinsamen Initiative, bei der Digitalisierung der Wirtschaft intensiver mit russischen Partnern kooperieren zu wollen. Als ihre nächsten Schritte, die der Unterstützung der Digitalisierung in Russland dienen, werden die Eröffnung eines Digi-Labs auf Basis von der regionalen Niederlassung von Siemens im Mai 2018, eines Digital Leadership Center von SAP, und eines GRID-Show Rooms, wo die gemeinsame deutsch-russische Projekte zum Thema Industrie 4.0 detailliert dargestellt werden. 

Programm des Events

Hintergrund

GRID wurde durch ein Memorandum des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (OA) und des RSPP angestoßen, das beim Petersburger Wirtschaftsforum im Juni 2017 unterzeichnet wurde. Das Hauptziel von GRID ist es, europäische Best Practices auf den Gebieten Digitalisierung und Innovation in der russischen Wirtschaft zu implementieren und so ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Auch sollen die deutsch-russischen Produkte durch Erfahrungsaustausch im digitalen Bereich verbessert und ihre Marktanteile weltweit erhöht werden. Dafür werden die Teilnehmer der Initiative russische Firmen bei der Definition und Umsetzung der Strategie für die Digitalisierung der russischen Wirtschaft unterstützen.

An GRID beteiligen sich von russischer Seite der Telekom-Dienstleister Rostelekom, das auf künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmen Zyfra und das Innovationszentrum Skolkowo. Gestützt wird die Initiative von den Wirtschaftsverbänden Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) und Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft (OA) sowie dem russischen Unternehmerverband RSPP.

Kontakt:

Alexej Knelz, Leiter Abteilung Kommunikation
E-Mail: presse(at)russland-ahk.ru
Telefon: + 7 (495) 234 4950

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