„Duale Ausbildung ist Rückgrat des Erfolges der deutschen Wirtschaft“

Die Duale Berufsbildung ist nicht nur einer der größten Exportschlager der deutschen Wirtschaft, sondern auch Rückgrat für ihren Erfolg. Das sagte der Deutsche Botschafter in Moskau, Géza Andreas von Geyr, auf der gestrigen Deutsch-Russischen Bildungskonferenz der AHK. Gerade in politisch schwierigen Zeiten sei der Austausch über Zukunftsthemen mit hohem Kooperationspotential notwendig.

Die Duale Ausbildung ist ein deutsches Erfolgsmodell. Junge Auszubildende lernen an zwei Orten, an der Berufsschule und im Betrieb, und erhalten dadurch ein tiefes Verständnis für Theorie und Praxis. Immer mehr Unternehmen importieren das System auch nach Russland – nicht nur deutsche Unternehmen wie der Autobauer Daimler oder der Landtechnik-Hersteller Claas, sondern auch russische Unternehmen wie der Röhren-Produzent ChelPipe. Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) unterstützt die Duale Berufsbildung seit vielen Jahren mit einem eigenen AHK-Projekt und hat am 12. Oktober 2020 die Deutsch-Russische Bildungskonferenz mit hochkarätigen Beiträgen aus der Wirtschaft organisiert.

„Wir müssen jungen Menschen und Eltern die Wertigkeit der Dualen Berufsbildung verdeutlichen“, sagte Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Russland sei als Kooperationspartner in der Dualen Berufsbildung dazu eingeladen, ein Fundament für gute partnerschaftliche Beziehungen zu legen. Bei einem Treffen von Russlands Präsident Wladimir Putin mit der deutschen Wirtschaft sei eine engere Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Dualen Ausbildung auf „fruchtbaren Boden“ gestoßen, so Treier. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben hatte Ende vergangenen Jahres an dem Treffen in der Schwarzmeerstadt Sotschi teilgenommen.

ChelPipe: „Duale Ausbildung ist perfektes Modell für Russlands Industrie“

Schon vor langer Zeit sei das Tscheljabinsker Rohrwalzwerk ChelPipe bei der Inbetriebnahme neuer Anlagen mit dem Problem des Fachkräftemangels konfrontiert worden, erklärte ChelPipe-Aufsichtsratschef Andrej Komarow auf der ersten Paneldiskussion, die von Managing Director und President bei BMW Russland, Stefan Teuchert, moderiert wurde. Daraufhin habe das Unternehmen die Erfahrungen von Industrieländern analysiert und festgestellt, dass das deutsche Modell am erfolgreichsten sei und perfekt an die Bedürfnisse der russischen Industrie angepasst werden könne. Die Duale Ausbildung sei gut geeignet für russische Betriebe, die in die eigene Entwicklung investieren und konkurrenzfähige Produkte herstellen wollen. Deshalb habe man das System auch erfolgreich bei ChelPipe eingeführt, so Komarow.

Auch beim Dortmunder Pumpenhersteller Wilo habe Duale Ausbildung einen hohen Stellenwert, sagte Wilo-Russlandchef Jens Dallendörfer. „Wir versuchen das System in die ganze Welt zu tragen, vor allem nach Russland.“ Am Standort Russland wolle Wilo fünf Auszubildende aufnehmen. Gerade in der Corona-Zeit sei deutlich geworden, dass Menschen mit einer guten Ausbildung beruflich stabiler seien. Aber die Duale Ausbildung sei nicht nur nützlich für die Jugendlichen, sondern auch für die Firmen. Wer in einem Betrieb ausgebildet wurde, sei loyaler als andere Mitarbeiter, so Dallendörfer. Deshalb zahle sich die Investition in junge Auszubildende vielfach wieder aus. Auch Perry Neumann, Russlandchef von Kühne+Nagel, schwört auf Duale Ausbildung. Er selbst habe nie an einer Universität studiert, aber eine Ausbildung gemacht und damit in seiner Karriere viel Erfolg gehabt.

HeidelbergCement: „Starker Schwerpunkt auf praktischer Ausbildung“

Anton Hadjiiski, Geschäftsführer des Zementwerks „Cesla“ von HeidelbergCement in Nordwestrussland, hält es für wichtig, Studenten so „früh wie möglich die praktische Seite der Arbeit zu zeigen“. Dank der Dualen Ausbildung hätten Auszubildende die Möglichkeit, sich unter Anleitung eines Mentors „stressfrei in das Unternehmen zu integrieren“, sagte Hadjiiski in einem Interview mit AHK Dual.

Bei einer zweiten Paneldiskussion, die von BauTex-Chef Achim Lutter moderiert wurde, brachte Ulf Räse, COO von Daimler Kamaz Rus, ebenfalls einen großen Bedarf an gut ausgebildeten Menschen zum Ausdruck. Der deutsche Autobauer produziert seit Ende 2019 gemeinsam mit dem russischen Fahrzeughersteller Kamaz Lkw-Fahrzeugkabinen in seinem zehn Jahre alten Montagewerk in Nabereschnyje Tschelny in der Republik Tatarstan. Langfristig sei es sinnvoll, in Tatarstan nicht nur Cluster für Zulieferer zu bilden, sondern auch Cluster für die Berufsausbildung. VW-Russlandchef Marcus Osegowitsch sagte, das Thema Berufsbildung stoße auch bei der Regierung auf offene Ohren. Allerdings müsste noch mehr Geld in Colleges investiert werden, um den Bereich stärker zu fördern.

Claas: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie die Gesichter strahlten“

Eine ähnliche Erfahrung machte der führende Landtechnik-Hersteller Claas, der in den vergangenen Jahren stark in Lokalisierung und Erhöhung der Fertigungstiefe in seinem Werk im südrussischen Krasnodar investiert hatte. „Wir haben die Notwendigkeit gesehen, die Ausbildung künftiger junger Mitarbeiter in die eigene Hand zu nehmen“, so Claas-Generaldirektor Ralf Bendisch. Problematisch allerdings war die Gesetzgebung in der Region Krasnodar, die eine gleichmäßige Aufteilung von Praxis und Theorie in der Ausbildung nicht zuließ. Erst in diesem Jahr sei das Gesetz auf Initiative von Claas und mit Unterstützung der AHK geändert worden. Zehn Auszubildende haben seither erfolgreich ein deutsch- und russischsprachiges Ausbildungszertifikat erhalten – mit Unterschriften von DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben und AHK-Vorstandschef Matthias Schepp. Am Anfang der Ausbildung seien die jungen Russen von einem großen Unternehmen mit ausländischem Kapital eingeschüchtert gewesen, erinnert sich Bendisch an den Beginn des Projekts. „Doch sie können sich gar nicht vorstellen, wie deren Gesichter strahlten und wie viel Selbstbewusstsein sie mit sich brachten, als sie ihre Projekte stolz präsentieren konnten.“

Zum Ende sprach Globus-Gesellschafter Matthias Bruch über die Erfahrungen der deutschen Einzelhandelskette im Bereich der Dualen Ausbildung in Russland. Die russischen Globus-Filialen seien „stark zugeschnitten auf lokale Verbraucher“. Zudem würde das Unternehmen auch viele Produkte in eigenen Bäckereien oder Metzgereien selbst produzieren, weshalb eine gute Ausbildung der Mitarbeiter essenziell sei. „Wichtig ist, Balance zwischen Theorie und Praxis herzustellen“, bestätigte Bruch.

Teilgenommen hatten neben deutschen und russischen Unternehmen auch Vertreter zahlreicher Organisationen, unter anderem des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Konrad-Adenauer-Stiftung, des Bildungsministeriums der Russischen Föderation, des russischen Unternehmerverbandes RSPP, der Nationalen Agentur für Qualifikationsentwicklung und der Agentur für Strategische Initiativen. 

Herr Maennel aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung betonte die Bedeutung des Lernens am Arbeitsplatz und verwies auf die jährlich stattfindende deutsch-russischen Arbeitsgruppe, welche die Umsetzung von Reformen in der Berufsbildung und innovative Zukunftsthemen bespricht. Sein Kollege Dr. Nicolin aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sprach in seiner Videobotschaft die duale Ausbildung im Rahmen der Effizienzpartnerschaft zwischen Russland und Deutschland an, unterstrich dabei die Bedeutung des bilateralen Austausches, darunter im Rahmen des Managerfortbildungsprogramms, und der Curricula für duale Berufe.

Ein Bericht von Thorsten Gutmann


AHK-Onlineplattform

Die Veranstaltung mit mehreren Hundert Zuschauern wurde online über die AHK-Eventplattform gestreamt. Mehr über die Plattform und über Möglichkeiten für Ihr Unternehmen können Sie in dieser Präsentation (PDF) erfahren. Eine Aufzeichnung der gesamten Veranstaltung finden Sie auf unserer Facebook-Seite


Sponsoren

Wir danken den Sponsoren und Partnern der Deutsch-Russischen Bildungskonferenz:

Kooperationspartner

  • Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Auslandsbüro Russland

Hauptsponsor

  • HeidelbergCement

Platinsponsor

  • Liebherr

Silbersponsoren

  • Enders
  • Kühne+Nagel
  • Globus
  • Wintershall Dea

Sponsor

  • Claas
Zurück

Ansprechpartner

Thorsten Gutmann

Leiter der Abteilung Kommunikation