GRID-Delegation besucht innovative Unternehmen in Baden-Württemberg

Die GRID-Initiative vereint deutsche und russische Unternehmen, die gemeinsam in Richtung Digitalisierung vorangehen wollen. Am Dienstag, den 6. November 2018 ist eine hochrangige GRID-Delegation aus Moskau in Stuttgart, der Hauptstadt von Baden-Württemberg, eingetroffen.

Die Delegation wird bis Donnerstag Paradeunternehmen einer der bestentwickelten Regionen der Bundesrepublik kennenlernen. Gekommen waren neben Vorständen und CEOs von Großunternehmen wie TMK, der Sinara-Gruppe oder Volkswagen Group RUS auch der Präsident des russischen Unternehmerverbands RSPP Alexander Schochin, der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer Matthias Schepp und der Geschäftsführer des Ostausschusses-Osteuropavereins Michael Harms.

Der erste Tag führte die Delegation ins schwäbische Ludwigsburg, ein Städtchen nahe Stuttgart. Hier ist das relativ kleine Unternehmen MHP ansässig, ein Tochterunternehmen des deutschen Autoherstellers Porsche. Das Beratungsunternehmen funktioniert wie ein Think Tank für IT und Digitalisierung. Es hilft nicht nur dem berühmten Mutterkonzern, sondern auch den meisten anderen großen deutschen Automobilherstellern und Zulieferern dabei, „Prozesse zu optimieren“, wie sein Gründer und Chef von MHP Ralf Hofmann darlegte. In den vergangenen Jahren habe sich die Welt derart schnell verändert, dass man kaum noch mit den Möglichkeiten der neuen Technik mitkomme, so Hofmann. Kreativ-Werkstätten wie das in Ludwigsburg dienen MHP dazu, Anwendungsfälle für digitale Wundermittel wie Internet of Things oder Blockchain zu finden.

Im nagelneuen MHP Lab tüfteln seine Mitarbeiter an neuen Technologien, mit denen Fabriken noch intelligenter produzieren oder der Straßenverkehr in Städten besser fließt. Einige dieser cleveren Produkte wurden den Gästen aus Russland vorgestellt. Am meisten beeindruckte der sogenannte „Sound Detective“, eine Technologie, die für noch weniger Fehler in den ohnehin schon hochmodernen Autofabriken sorgen soll. Fabrikarbeiter werden dabei mit Handsensoren ausgestattet, die genau „zuhören“, wann immer beim Zusammenbau der Autos ein Steckschalter „Klick“ macht. So wird kontrolliert, ob jede der gut 700 Steckverbindungen im Auto korrekt eingebaut worden ist. Schon bald soll das Ganze in Werken des Volkswagen-Konzerns zum Einsatz kommen. 

Beim Empfang am Abend begrüßte Staatsministerin Katrin Schütz die Delegation im Namen der Landesregierung von Baden Württemberg. Trotz einer akuten Fußverletzung hat sie es sich nicht nehmen lassen, die Gäste aus Russland persönlich zu treffen. Matthias Schepp erläuterte, wieso in seinen Augen Deutsche und Russen ein perfektes Team bilden und zusammen unschlagbar seien – dann nämlich, wenn sich deutsches Organisationstalent mit der russischen Stärke des „Awos“ verbindet. Schepp übersetzte dieses eigentlich unübersetzbare Wort so: die Kunst, Dinge möglich zu machen, die anderen unmöglich sind. 

Ein großes Lob für die Deutschen erteilte in seiner Rede Alexander Schochin. Kein anderes Land tue zurzeit mehr für die Wiederherstellung normaler Beziehungen zu Russland als Deutschland. Als Beispiel nannte er das Pipeline-Projekt Nord Stream 2. Auch Schochin hatte ein sprachliches Bonbon parat, in Form des russischen Sprichworts „Was gut für den Russen ist, ist für den Deutschen der Tod.“ Das könne man heute nicht so sagen. Allgemein und erst recht auf dem Gebiet der Digitalisierung gelte nämlich: „Was gut für die Deutschen ist, ist auch gut für die Russen – und umgekehrt.“

Die GRID-Initative (German-Russian Initative for Digitalization) wurde im Februar 2018 gegründet. Dazu gehören deutsche und russische Unternehmen, die im Bereich Digitalisierung eng zusammenwirken sowie Trägerverbände: die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft-Osteuropaverein (OAEV) und der russische Unternehmerverband RSPP.

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