GRID-Delegation in Baden-Württemberg: zu Gast bei der Daimler AG und den digitalen Zwillingen von Siemens

Der zweite Tag des Besuchs in Baden-Württemberg führte die GRID-Delegation um Alexander Schochin, Matthias Schepp, Michael Harms und zahlreiche russische Unternehmer zu den Sternen – in die Zentrale des Automobilgiganten Daimler in Stuttgart-Untertürkheim. Hier schlägt das Herz des noblen Autos mit dem Stern im Logo: des Mercedes-Benz.

Den Bericht über den 1. Tag der Delegation in Baden-Württemberg lesen Sie hier.

„Noch sind wir kein digitaler Champion“, räumte Eckart von Klaeden bei der Begrüßung ein. Aber man arbeite daran. Erwartungsgemäß betonte der bekannte Ex-Politiker, der heute die Abteilung Politik und Außenbeziehungen der Daimler AG leitet und eine Art Außenminister des Konzerns ist, die Bedeutung der Digitalisierung für sein Unternehmen. Sie sei eine der größten Herausforderungen, der sich Daimler zurzeit stelle. Für so manchen Gast war hingegen überraschend, dass von Klaeden ein inniges Verhältnis zu Russland hat: Er erzählte, dass seine Familie auch russische Wurzeln habe, denn die Großeltern mütterlicherseits wurden in St. Petersburg geboren. Einer seiner Urgroßväter war dort vor der Russischen Revolution Chemieprofessor, ein anderer kämpfte als Marineoffizier im russisch-japanischen Krieg von 1905.

Im Anschluss erläuterten Daimler-Ingenieure, wie sie sich die digitale Zukunft des Autos vorstellen. Dazu gehören natürlich Cockpits, die so vernetzt wie ein Smartphone sind und sich ganz auf die Bedürfnisse des Fahrers einstellen. Künstliche Intelligenz ist hier schon heute am Werk und durchdringt künftig jeden Bereich bei Daimler, von der Entwicklung und Produktion bis zum Service der Autos. Der Konzern macht sich auch intensiv Gedanken über Carsharing („shared mobility“) und autonomes Fahren, zwei Trends, die erst mit der Vernetzung der unzähligen digitaler Helferlein im Wagen und Bergen von Daten so richtig interessant werden. „Daten sind für uns das neue Öl“, hörte man immer wieder von den Automachern in Stuttgart.

Nach dieser Vorschau in die Zukunft des Autobaus und einem Rückblick auf seine Vergangenheit im Daimler-Museum ging es nach Karlsruhe, das gut eine Autostunde westlich der Landeshauptstadt Stuttgart liegt.

Hier betreibt Siemens unter anderem ein Werk für Controller und eine Art Show-Room für Fabriken. Der Münchner High-Tech-Konzern zeigte einige „Extras“, die man bei der Bestellung einer Fabrik bei ihm mitbuchen kann und die große Effizienzgewinne versprechen. Auf Wunsch erstellt Siemens zum Beispiel einen sogenannten „digitalen Zwilling“ der werdenden Fabrik, vom Gebäude bis zum kleinsten Ventil der Produktionsanlage. So entsteht eine Computersimulation der gesamten Fabrik und der darin ablaufenden Prozesse. Mit diesem „Zwilling“ lassen sich viele nützlich Dinge machen, von der Schulung der Mitarbeiter über Notfall-Übungen bis zum Testen von neuen Rohstoffen für die Produktion – und das alles ganz ohne die Risiken und Kosten der realen Welt. Einen „one more thing“-Moment gab es dann noch zum Abschluss der Präsentation, als ein Siemens-Verantwortlicher per Klick auf einem Tablet-Computer eine kleine Chemiefabrik startete und bis zu ihrer Notabschaltung manipulierte. Schöne neue Welt – der Manager von heute kann nicht nur seinen Fabrik-Zwilling jederzeit bei sich tragen, sondern auch die richtige Fabrik von überall steuern.

Bojan Krstulovic

Mehr zur Initiative finden Sie im entsprechenden Bereich auf der AHK-Website: GRID.

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