Herausforderung Corona: BMW Group Russia

Aus erster Hand: Stefan Teuchert, CEO BMW Group Russia

Die Corona-Pandemie hat viele Unternehmen weltweit vor große Herausforderungen gestellt. Kurzarbeit, Homeoffice, Lockdown, Maskenpflicht, Anti-Corona-Maßnahmen – das sind Stichworte, die uns spätestens seit März dank Covid-19 permanent begleiten. Die Anti-Corona-Maßnahmen der russischen Regierung haben die Wirtschaft in einen Ausnahmezustand versetzt. Wie kämpfen sich unsere Mitglieder durch die Corona-Zeit durch? Wann hat diese Zeit für Unternehmen überhaupt angefangen? Und wie soll es weitergehen? Wir haben gefragt (Zeitraum Ende April/Anfang Mai 2020).

Nach der Erfahrung, welche unsere Kollegen in China und später in Südeuropa gesammelt hatten, war klar, dass die Corona-Krise auch uns treffen wird. Und spätestens nach dem Einbruch des Rubels von Anfang 70 auf 87 für 1 Euro haben wir die Auswirkungen gespürt.

Zuerst mussten wir uns auf einen möglichen Lockdown vorbereiten und Homeoffice in der Firma etablieren. In Russland war es bis dahin nicht üblich, dass die Mitarbeiter von Zuhause arbeiten. Daher galt es zuerst, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, denn nur ein kleiner Teil der Mitarbeiter hatte Laptops und Remote-Zugriffsberechtigung. Danach testeten wir in Schritten, ob und wie es funktioniert und ob die jeweilige Arbeit überhaupt von Zuhause durchgeführt werden kann (Zugang zu Systemen und notwendigen Unterlagen, Austausch mit Kollegen, Entscheidungs- und Genehmigungsprozesse).

Eine der größten Herausforderungen ist gerade, dass in Russland noch sehr viele Prozesse auf Dokumenten in zweifacher Ausfertigung mit diversen Stempeln und Unterschriften basieren. Einführung und Umstellung auf elektronische Dokumentenverwaltung inkl. elektronischer Unterschrift sind hier wesentliche Voraussetzungen für einen effizienten und sicheren Prozess. Das ist allerdings nicht so schnell umzusetzen und auch rechtlich nicht immer möglich.

Wir erleben gerade einen richtigen Digitalisierungsschub, und das ist eindeutig positiv. Wir haben viele neue Tools entwickelt und implementiert – und werden dies noch weiter tun in den nächsten Monaten –, welche unsere Prozesse zu Kunden, Händlern, Partnern und auch intern deutlich schneller, effizienter und kundenfreundlicher machen. Neue Services und viele Innovationen sind entstanden. Das ist sehr motivierend für unsere Mitarbeiter und Basis für eine erfolgreiche Zukunft nach der Krise.


Die BMW Group ist seit 1999 in Russland tätig – über BMW Group Russia, Tochtergesellschaft und Generalimporteur von Marken BMW und MINI auf dem russischen Markt. Das Geschäftsjahr 2019 war für die BMW Group Russland eines der erfolgreichsten in der 20-jährigen Unternehmensgeschichte: Mehr als 46.500 Automobile, Motorräder und Scooter wurden an Kunden überreicht.


Das erste Quartal lief noch sehr gut und sogar über unseren Erwartungen. Im April und Mai sehen und erwarten wir deutliche Einbrüche im Absatz und Umsatz, hoffen jedoch, ab Juni wieder zu einem normalen Geschäft zurückkehren zu können und ggf. im zweiten Halbjahr die Verluste aus dem zweiten Quartal zu minimieren. Wir mussten keine Mitarbeiter entlassen, stellen aber auch keine neuen ein und versuchen, mit der bestehenden Mannschaft deutlich effizienter zu sein und Kosten zu senken, wo es möglich ist. Aber so eine Krise bietet immer Chancen und wir werden diese konsequent suchen und nutzen.

Die Automobilindustrie weltweit ist in einer sehr schwierigen Situation. Zuerst durch den generellen Trend der Transformation zu neuen Mobilitätslösungen, durch hohe Anforderungen und Investitionen in die Technologien der Zukunft (automatisiertes Fahren, Elektrifizierung, Connectivity). Dann kam der Dieselskandal, und nun die Corona-Krise. Wir sehen eine starke Konsolidierung im Handel und einen zunehmenden Trend zum Onlinevertrieb. Das wird die Branche nachhaltig verändern. Aber wir sind gut gerüstet und sehen uns hier in einer sehr guten Position.

Die Fragen stellte Lena Steinmetz, AHK Russland

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Ansprechpartner

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Leiter der Abteilung Kommunikation