HR-Prozesse digitalisieren: E-Learning wird Teil der Unternehmenskultur

In einem sich schnell ändernden Geschäftsumfeld ist die Weiterbildung des Personals enorm wichtig, um dessen Engagement und Effizienz zu steigern. Insbesondere im Lockdown haben Onlineschulungen stark an Bedeutung gewonnen. E-Learning-Erfahrungen prägen zunehmend die Unternehmenskultur. Wie Unternehmen mithilfe von digitalen Instrumenten ihre HR-Prozesse optimieren und automatisieren können, wurde auf der AHK-Personalkonferenz „HR-Tech und Onlineschulung“ diskutiert.

Praxis und Theorie verbinden

Um ihre Personalentwicklung nachhaltig zu gestalten, können russische Unternehmen auf die langjährigen Erfahrungen Deutschlands im Bereich der dualen Berufsausbildung zurückgreifen. Im dualen System erfolgt die Ausbildung an zwei Lernorten: Die praktischen Fertigkeiten werden im Betrieb erworben, die theoretischen Kenntnisse in der Berufsschule, was die fachliche  Kompetenz des Personals steigert.

Um die Implementierung der dualen Ausbildung in Russland voranzutreiben, hat die AHK Russland einen Koordinierungsrat gebildet und eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die am 28. Juni erstmals tagen wird. Das teilte Perry Neumann, CEO von Kühne & Nagel, auf der AHK-Personalkonferenz mit.

Das Hauptziel der neuen Arbeitsgruppe bestehe darin, neue Plätze für die duale Ausbildung in Russland zu schaffen, sagte Neumann. „Zu unserer Freude haben bereits viele AHK-Mitgliedsunternehmen ihren Wunsch bekundet, sich diesem System anzuschließen.“

Onlineschulung als Teil der Unternehmenskultur

Die russische Online-Bildungsplattform Skillbox bietet Online-Unterricht in nahezu allen gefragten Berufsbildern an. Liana Rassulowa, Producerin von Schulungsprodukten bei Skillbox, berichtete, wie im Pandemie-Lockdown mit Experten aus diversen Industriesparten Onlineschulungsprogramme für Unternehmen gestartet wurden. Auch nach dem Lockdown würden viele Unternehmen von Vorteilen der Onlineschulung profitieren. Deshalb könnten Programme wie die von Skillbox bald zu einem wichtigen Bestandteil der Unternehmenskultur werden, hofft Rassulowa.

Beim Lebensmitteleinzelhändler Globus sind Onlineschulungen bereits seit 2010 in den Onboarding-Prozesses und der Personalentwicklung nicht mehr wegzudenken, wie Ligia Blank, Personalleiterin bei OOO Hyperglobus, ausführte. Die Zahl der Onlinekurse für die Belegschaft habe sich seit 2019 bereits auf zehn verdoppelt und werde demnächst auf 18 steigen. Der Videounterricht umfasse sowohl Schulungen für Manager als auch Spezialprogramme zur Weiterentwicklung der fachlichen Kompetenzen einzelner Fachkräfte.

Konservative Ausbildungen mit überfrachteten, auf viele Monate angelegten Lehrplänen passen nicht mehr zu den sich schnell verändernden Geschäftsprozessen und verlieren deshalb zunehmend an Bedeutung. Um den Lernprozess schneller an die aktuellen Bedingungen anzupassen, hat Spectrum Group eine eigene Online-Universität ins Leben gerufen, die Programme für verschiedene Berufskategorien anbietet: vom Mini-MBA für Führungskräfte der mittleren Ebene bis hin zu Berufsbildungsprogrammen für Ingenieure. Darüber hinaus bietet das Unternehmen mit einem „Karriere-Navigator“ seinen Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre Karriere vom Berufseinstieg bis zur Führungsposition durchzuplanen.

Obwohl IT-Technologien viele Vorteile bieten, stoßen Unternehmen bei ihrer Implementierung oft auf Probleme. Über die häufigsten davon sprach Alexander Sachartschuk, HR-Leiter von IT-Projekten der HR-Abteilung im St. Petersburger Kirow-Werk. Er monierte, dass Mitarbeiter oft ungenügend in die betrieblichen Schulungsprogramme involviert und über alle Funktionen der genutzten IT-Systeme aufgeklärt seien.

Viele Mitarbeiter würden mit komplexen Inhalten von Lehrvideos nur schwer  klarkommen und deshalb die Unternehmens-Software nur begrenzt nutzen. Hier könnten Tooltips oder Algorithmen Abhilfe schaffen, die individuell ermitteln, welcher Videokurs für den jeweiligen Mitarbeiter der richtige ist.

Auf der Konferenz wurden auch zukunftweisende Startups aus dem Bereich HR-Tech vorgestellt. Im Anschluss konnten die Konferenzteilnehmer über die besten abstimmen. Die meisten Stimmen erhielt wibedo - eine App, die nach Personal für bestimmte Dienstleistungen sucht. Ein Vertreter des Startups wurde eingeladen, in der nächsten Sitzung des Komitees Personalfragen darüber zu referieren.

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Ansprechpartner

Thorsten Gutmann

Leiter der Abteilung Kommunikation & Marketing