Klaus Ernst: „Es ist im deutschen Interesse, Nord Stream 2 fertig zu bauen“

Die Ostseepipeline Nord Stream 2 sollte trotz politischer Turbulenzen fertiggestellt werden, sagte der Bundestagsabgeordnete Klaus Ernst (Linke) auf dem AHK-Treff.

Der traditionelle AHK-Treff fand am 10. September erstmals im Oktoberfest-Stil und als Online-Offline-Hybridveranstaltung statt. Hauptredner des Abends war Klaus Ernst, der gebürtig aus Bayern stammende Linken-Politiker und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Energie im Deutschen Bundestag. Trotz der angespannten Lage zwischen Moskau und Berlin plädierte er für eine Fertigstellung von Nord Stream 2. Energiepolitik sei ein „stabilisierender Faktor“ und sollte nicht als politisches Druckmittel missbraucht werden. „Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland ist dazu geeignet, politische Konflikte zu reduzieren“, so Klaus Ernst, der per Zoom aus seinem Abgeordnetenbüro in Berlin zu den mehr als 950 Mitgliedsunternehmen der AHK Russland sprach. Ebenso kritisierte Ernst die seit 2014 andauernde EU-Sanktionspolitik. „Je länger Sanktionen dauern, desto schwieriger wird die Rückkehr zur Normalität.“ Vor allem deutschen Firmen würden aufgrund der Russland-Sanktionen hohe Einnahmen entgehen.

Deutsche-Bank-Russlandchef: Rubel ist stark unterbewertet

Im Vorfeld der Keynote diskutierten hochkarätige Redner aus dem AHK-Vorstand über die aktuelle wirtschaftliche Lage in Russland. Borislav Ivanov-Blankenburg, Chief Country Officer & Chief Executive Officer der Deutschen Bank in Russland, äußerte sich zur Finanzstabilität und dem Rubelkurs. Der sich erholende Purchasing Managers Index (PMI) sei ein guter Indikator dafür, dass Russland sich auf dem Weg in Richtung Normalität befinde. Den Wirtschaftseinbruch in Russland erwarte er bei „eher minus 4%”. Zum Vergleich: Die Wirtschaft der Eurozone wird laut Europäischer Zentralbank um voraussichtlich 8% fallen. Den Rubel sieht Ivanov-Blankenburg als stark unterbewertet und führt dafür vor allem politische Risiken an, da die gute Makrostabilität Russlands eigentlich einen Kurs von 63 Rubel zum Dollar gewährleisten sollte.

Auch Stefan Teuchert, Präsident und Generaldirektor von BMW Russland, macht sich Gedanken über den Wertverlust des Rubel, da sich eine schwache Währung direkt auf die Kauflaune auswirke. Dennoch sei er verhalten optimistisch: „Im April ist der Markt um 70% eingestürzt und im Mai um 50%. Aber bereits im Juni konnten wir eine gute Erholung sehen. Der Markt hat sich schneller erholt, als vorher prognostiziert wurde.“ Die Corona-Krise sei außerdem eine Art „Boost für die Digitalisierung” gewesen, da BMW den Kunden nun wesentlich mehr Informationen online zur Verfügung stelle.

„Russland braucht Bayer, aber Bayer braucht auch Russland“

Die Industrie leide ebenfalls unter dem hohen Wechselkurs, erklärte Elena Semenova, Managing Director von Phoenix Contact RUS, und gab zudem aufschlussreiche Erkenntnisse zum „Lokalisierungsdruck” in der Elektrotechnik und im Maschinenbau. Außerdem würden die russischen Konkurrenzprodukte immer besser und damit stiege auch der „Qualitätsdruck” auf deutsche Unternehmen.

„Russland braucht Bayer, aber Bayer braucht auch Russland” erklärte der Geschäftsführer der AO Bayer und Landessprecher der Bayer AG im GUS-Raum, Niels Hessmann. Die zwei Standbeine für Bayer in Russland, das Gesundheitsgeschäft und die Landwirtschaft, hätten ordentlich zulegen können, und damit sei es ein „sehr positives Jahr” für Bayer in Russland. Besonders stark ist das Wachstum mit über 20% im Pharmamarkt zu spüren gewesen, da „Russland hat in den letzten Jahren viel unternommen hat, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern.“

Dirndl und Lederhosen

Viele Gäste kamen in Dirndl und Lederhosen zu den Feierlichkeiten im AHK-Hauptquartier, an denen wegen der Corona-Pandemie nur wenige Mitglieder persönlich teilnehmen konnten. Ein Großteil der Gäste sah online über die neue Online-Eventplattform der AHK zu. Teilnehmer aus Moskau und St. Petersburg erhielten einen bayerischen kulinarischen Gruß kostenlos per Home-Delivery nach Hause.

Nach den Keynotes und Diskussionen gab es zwei Fassanstiche: einen vor Ort in Moskau und einen in Aying bei München. Aus der „oberbayrischen Vorzeigeidylle” führte Helmut Erdmann, Direktor der über 140-jährigen Traditionsbrauerei Ayinger, durch eine Online-Bierverkostung, bei der er drei der 14 Ayinger-Biersorten vorstellte. Zur musikalischen Unterhaltung spielte die Oktoberfestband Kirchdorfer die Wünsche der Online- und Offline-Teilnehmer des AHK-Oktoberfestes.

Ein Veranstaltungsbericht von Thomas Baier.

Die AHK bedankt sich bei den folgenden Sponsoren und Partnern:

Hauptsponsor

Bionorica

Goldsponsor

Selgros

Silbersponsor

  • Ritter Sport Schokolade
  • O’key

AHK-Treff Sponsoren:

  • Der zweite Dresdner Opernball in St. Petersburg während der Deutschen Woche in St. Petersburg
  • Merck
  • Raiffeisenbank

Partner:

  • Ayinger
  • Lambertz
  • Enders
  • Lorenz
  • Kuehne+Nagel
  • Salamander
  • Julius Meinl
  • Restaurant “Центральный дом литератора“
  • Karl Schnitzel
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Ansprechpartner

Thorsten Gutmann

Leiter der Abteilung Kommunikation