Klaus Mangold: "Abwesenheit deutscher Politik ist bedauernswert"

"Die Bundesregierung glänzt leider durch Abwesenheit auf dem diesjährigen St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum, das ist nicht gut. Abwesenheit setzt ein falsches Signal", kritisierte Klaus Mangold, Aufsichtsratsvorsitzender der Knorr-Bremse AG und ehemaliger Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, in der AHK-Podcastreihe "Zaren. Daten. Fakten".

  • © knorr-bremse.com

Noch vor zwei Jahren hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf dem Wirtschaftsforum mit seinem damaligen russischen Kollegen Maxim Oreschkin ein Memorandum über eine deutsch-russische Effizienzpartnerschaft unterzeichnet. Mangold bedauerte, dass sich Altmaier nicht zu einer Teilnahme durchringen konnte.
 
"Russland ist eine Weltmacht und wir müssen mit dieser Weltmacht umgehen. Es ist fatal sie in ein Abseits zu drängen", erklärt der 77-Jährige. "Europa wird ohne Russland nicht die Stärke haben, die es braucht, um ein interessanter Partner zu sein im großen Spiel der Weltpolitik zwischen den USA und China."

Der ehemalige Spitzenmanager kritisierte auch das Einfrieren des Petersburger Dialoges, einer Diskussionsplattform der deutschen und russischen Zivilgesellschaft, durch die deutsche Seite. "Wenn die Tür erst einmal zugeschlagen ist, ist es schwer, sie wieder zu öffnen", sagte Mangold. Das habe man auch beim NATO-Russland-Rat gesehen, der nach der Krim- und Ukrainekrise seitens der NATO ausgesetzt worden war. Die russische Regierung hatte in der vergangenen Woche die Tätigkeit einiger deutscher NGOs verboten, die auch Mitglied des Petersburger Dialogs sind. Eine Denkfabrik, das Zentrum Liberale Moderne, steht den Grünen nahe und wird von den ehemaligen Grünen-Spitzenpolitikern Ralf Fücks und Marieluise Beck angeführt, die wie Mangold ebenso im Petersburger Dialog sind. 

Früher sei die deutsche Delegation auf dem Petersburger Wirtschaftsforum immer die größte gewesen, in den vergangenen  Jahren seien Chinesen, Japaner, Koreaner und Araber stärker präsent, beklagte Mangold.

Er äußerte sich erfreut über die rege Teilnahme des deutschen Mittelstands am diesjährigen Wirtschaftsforum, da "die russische Industrie zu sehr aus Großunternehmen besteht". Es sei die Aufgabe von Präsident Putin, den Mittelstand und die Familienunternehmen zu fördern. Ein besonderer Fokus liegt laut Mangold in diesem Jahr auf dem Thema Wasserstoff und einer möglichen deutsch-russischen Kooperation in diesem Zukunftsfeld. 

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