Nord Stream 2 auf der Zielgeraden

Der Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 könnte bereits im August abgeschlossen werden, wie Matthias Warnig, CEO der Nord Stream 2 AG, in einem “Handelsblatt”-Intrview sagte.

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    Nord Stream 2 pipelaying operation. Vessel Pioneering Spirit (26.02.19) close to Visby in the Baltic Sea. Foto: Axel Schmidt/Nord Stream 2 www.axelschmidt.net

"Wir gehen davon aus, dass die Bauarbeiten bis Ende des nächsten Monats abgeschlossen sein werden. Jetzt sind bereits 98 Prozent der Pipeline fertiggestellt. Die verbleibenden zwei Prozent beziehen sich auf einen der beiden Zweige, die andere Linie ist fertig gebaut", ergänzte er.

Nach Angaben der russischen Wirtschaftsnachrichtenportal RBK unter Berufung auf eine Gazprom-Quelle könnte der zweite Strang etwa im August fertiggestellt werden. Selbst Sanktionen gegen die Verlege-Schiffe dürften an diesem Terminplan nicht mehr rütteln.

Laut Warnig will die Nord Stream 2 AG "die Pipeline noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen". Außerdem werde die Möglichkeit geprüft, die Leitung für den Transport von Wasserstoff zu nutzen. Es sei sehr realistisch, dass wir spätestens in zehn Jahren in der Lage sein werden, einen oder beide Stränge mit Wasserstoff zu versorgen, fügte der Chef des Pipelinebauers an.

Präsident Wladimir Putin hatte auf dem diesjährigen Wirtschaftsforum in St. Petersburg bekannt gegeben, dass die Verlegung des ersten Pipelines-Stranges Anfang Juni abgeschlossen wurde. Nur noch etwa 100 Kilometer der Pipeline müssten verlegt werden, sagte Vize-Ministerpräsident Alexander Novak. "Wir hoffen, dass dieses Projekt noch in diesem Jahr abgeschlossen wird".

Geplant war, die Pipeline bereits Ende 2019 fertigzustellen, was jedoch durch die US-Sanktionen verhindert wurde. Laut Washington bedroht Nord Stream 2 die Energiesicherheit Europas. Deutschland lehnt die US-Sanktionen ab und spricht von einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes. Moskau wies mehrmals darauf hin, dass die Pipeline ein rein kommerzielles Projekt ist und nicht zum Spielball politischer Interessen werden darf.

Den Gegnern des Projekts läuft die Zeit davon. Allerdings ist nicht völlig auszuschließen, dass das Projekt auf den letzten Metern gestoppt wird, wenn sich die USA doch noch zu entsprechenden Sanktionen entschließen. Dieses Risiko ist laut Warnig nach wie vor hoch. Vor allem die Vereinigten Staaten und die Ukraine stemmen sich gegen das Pipeline-Vorhaben, weil sie es als Instrument des russischen Einflusses in Europa sehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte am 12. Juli in Berlin dem ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij ihre Unterstützung nach der Fertigstellung der Pipeline zu und beteuerte, die Sorgen Kiews ernst zu nehmen. Dennoch rechnet Merkel nicht mit einer baldigen Lösung des Dauerstreits um die Gaspipeline. Nach eigener Auskunft will die Kanzlerin das Thema bei ihrem Treffen mit US-Präsident Joe Biden an diesem Donnerstag erörtern.

Vielleicht scheint dann endlich mal Licht am Ende der umstrittenen Pipeline. Denn viel Zeit bleibt nicht mehr: Der Sommer nähert sich trotz Rekordtemperaturen stetig seinem Ende.

Quellen:

https://www.handelsblatt.com/ 

https://www.rbc.ru/ 

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