Russland will Bergbau mit deutschen Firmen modernisieren

Angesichts der Energiewende in Deutschland schauen viele deutsche Bergbauunternehmen verstärkt nach Russland. Die russische Regierung baut neue Bergbaubetriebe und sieht deutsche Firmen als strategische Partner. Welche Anreize werden deutschen Investoren und Anlagenbauern im russischen Bergbau geboten? Darum ging es bei einem Dialog mit dem russischen Industrie- und Handelsministerium, der von der AHK Russland zusammen mit der IHK Cottbus und der IHK Düsseldorf und mit Unterstützung der Initiative Mining & Generation Technology organisiert wurde.

Iwan Troschtschenkow, im Industrie- und Handelsministerium zuständig für Berg- und Schwermaschinenbau, gab den Vertretern der deutschen Unternehmen einen Ausblick auf die Entwicklung der russischen Schwer- und Kohleindustrie für die kommenden 15 Jahre. Nach seinen Worten plant die russische Regierung eine umfassende Modernisierung der Produktionsanlagen. Außerdem sollen im Kohlerevier Kusbass, in der Region Rostow sowie im Fernen Osten und in Ostsibirien neue Bergbaustätten in Betrieb gehen. Um diese Pläne zu verwirklichen, brauche Russland Hilfe vonseiten der deutschen Wirtschaft, die sowohl Technologien als auch moderne Ausrüstungen zur Verfügung stellen könnte.

Iwan Troschtschenkow berichtete auch über Fördermaßnahmen, mit denen ein günstiges Umfeld für ausländische Investoren wie auch für Unternehmen geschaffen werden soll, die in Russland lokalisieren wollen. Ein wichtiges Instrument dabei sei der Sonderinvestitionsvertrag (SPIK). Wenn ein Unternehmer in Projekte investiere, die mit der Entwicklung moderner Technologien aus einem Verzeichnis der russischen Regierung verbunden sind, bekomme er Steuervorteile.  Der Vertreter des Ministeriums beschrieb ferner, wie ein Sonderinvestitionsvertrag geschlossen wird und was die Regierung unter modernen Technologien konkret versteht.

Umwelt als Kooperationsbereich

Waleri Grischin, im russischen Energieministerium zuständig für Arbeitssicherheit und Ökologie im Steinkohlenbergbau, berichtete über die neuesten russisch-deutschen Projekte im Brennstoff- und Energiesektor. Dabei ging er insbesondere auf die Wasserstoffkooperation ein, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gemeinsam mit dem Industrie- und Handelsministerium und dem Energieministerium der Russischen Föderation auf den Weg gebracht worden war. Bei der internationalen Wasserstoff-Konferenz im März 2021 sollen weitere Schritte zum Ausbau der Partnerschaften in diesem Bereich erörtert werden. Auch im Umweltbereich sieht Grischin gute Chancen für eine Zusammenarbeit. Beim Öko-Projekt, das die RWE-Forschungsstelle für Rekultivierung zusammen mit dem russischen Kohleproduzenten Kuzbassrazrezugol umsetze, gehe es darum, Kooperationen in den Bereichen Bodenrekultivierung, Abfallwirtschaft und Wasserstoffenergie zu entwickeln. Die Regierung der Region Perm wolle im Kampf gegen austretende Grubenwässer im Steinkohlerevier Kisel deutsche Firmen aus dem Bereich umweltgerechte Abwasserreinigung als Partner gewinnen.

Anreize für Mittelständler

Deutsche Unternehmensvertreter bekundeten bei der Diskussion ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit russischen Partnern. Nils Scharfenberg, Vertriebsleiter bei der TAKRAF GmbH, verwies darauf, dass deutsche Bergbauunternehmen seit Beginn der Energiewende in Deutschland nach neuen Absatzmärkten suchen. Die russische Bergbauindustrie sei besonders attraktiv. Nils Scharfenberg formulierte Vorschläge, wie die Entwicklung der russisch-deutschen Zusammenarbeit im Bergbau beschleunigt werden könnte. So sollten lokalisierenden Unternehmen Zollpräferenzen gewährt werden und bürokratische Hindernisse, insbesondere bei der MwSt.-Erstattung, beseitigt werden. Ein Großteil der kooperationswilligen deutschen Unternehmen seien kleine und mittlere Unternehmen, betonte der TAKRAF-Betriebsleiter. Daher müsste nicht nur für große Produktionen, sondern auch für kleinere Projekte ein günstiges Umfeld geschaffen werden.

Der Dialog findet in der nächsten Sitzung des Komitees Lokalisierung und Industrieproduktion am 25. Februar seine Fortsetzung.

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Ansprechpartner

Thorsten Gutmann

Leiter der Abteilung Kommunikation & Marketing