Russlandkonferenz 2021: Corona beschleunigt Pharma-Innovationen

Die Corona-Pandemie ist für die Pharmaindustrie eine große Herausforderung. Unternehmen und Regierungen weltweit müssen auf allen Ebenen die Umstellung auf Innovationen beschleunigen. Telemedizin, Regionalisierung und grenzübergreifender Wissenstransfer könnten die Entwicklung der Medizintechnik- und Arzneimittelbranche noch Jahre prägen. Darüber waren sich die Teilnehmer des Pharma-Diskussionspanels auf der Russlandkonferenz 2021 einig.

Text: Ivan Povarnitsyn

Vor dem Ausbruch der Pandemie waren Ärzte eher konservativ und misstrauisch gegenüber neuen medizinischen Technologien, sagte Swetlana Gerbel, CEO von Siemens Healthineers Russland, auf der Russlandkonferenz 2021 am Dienstag. Die Russlandkonferenz wird jährlich von der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland ausgetragen und vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) unterstützt.

Als viele Ärzte 2020 in den Corona-Stationen ausharren mussten, machte sich die Industrie darüber Gedanken, wie die Telemedizin und die Fernüberwachung von Patienten und von Geräten nutzbar gemacht werden können. Dr. Christian Matschke, Vorstandsmitglied der Berlin-Chemie AG, zeigte sich überzeugt, dass die Pandemie die Digitalisierung des medizinischen Sektors stark beschleunigen werde. Dank digitaler Technologien sei es jetzt möglich, das Infektionsrisiko zu verringern, Prozesse der Massendiagnostik zu optimieren, Mediziner im Distanzunterricht auszubilden und dadurch Gesundheit und Leben zu retten. Auch in der Produktion von Arzneimitteln werden Prozesse weiter digitalisiert werden, letztendlich zum Wohle des Patienten.

Wissens- und Technologieaustausch und gelockerte Vorschriften

Der globalen Herausforderung müsse mit einer globalen Antwort begegnet werden, sagte der Präsident der russischen Pharmafirma Nanolek Wladimir Christenko. Die Pandemie beschleunige den internationalen Wissens- und Technologietransfer im medizinischen Bereich, denn die Länder müsste grenzübergreifend zusammenarbeiten, um das Virus zu bekämpfen. Diese Erkenntnis habe zu einem innovativen Durchbruch im Bereich der Regulierung geführt. Um die Produktion von Impfstoffen und anderen wichtigen Medikamenten schnellstmöglich zu steigern, hätten die Regierungen ihre Vorschriften gelockert und die Zulassungsverfahren vereinfacht, so Christenko.

Christian Matschke erwartet, dass weltweit Lösungen auftauchen, die zur Bekämpfung des Coronavirus beitragen. Daher gelte es, Hürden, die deren Weitergabe behindern, aus dem Weg zu räumen. Der durch die Grenzschließungen verursachte Abriss der Lieferketten habe auch die Pharmaindustrie getroffen, sagte Falk Tischendorf, Anwalt und Managing Partner bei Beiten Burkhardt Moskau. Wirkstoffe seien für viele Arzneimittelhersteller deutlich teurer oder gar unzugänglich geworden. 

Lieferquellen diversifizieren und mehr Regionalisierung

Aber wie kann diesem Problem in Zukunft begegnet werden, sollte die Ausbreitung der Pandemie wieder zu Grenzschließungen führen? Eine Lösung wäre laut Tischendorf, wenn Unternehmen ihre Lieferquellen diversifizieren. Falle dann ein Lieferant aus, müsse die Produktion nicht gestoppt werden. Eine weitere Option wäre die Regionalisierung, das heißt die Herstellung von Materialien und Komponenten vor Ort. Diese Option würden vor allem Unternehmen bevorzugen, die in der Corona-Krise bittere Erfahrungen gemacht hätten, sagte Tischendorf.

In der Pandemie dürfen Pharmaunternehmen die Hände in den Schoß legen, appellierte Nanolek-Chef Christenko. Die Industrie lege den Schwerpunkt darauf, neue Mittel gegen das Coronavirus zu entwickeln. Viel hänge davon ab, „wie geschlossen die internationalen Akteure auftreten“, betonte Swetlana Gerbel von Siemens Healthineers Russland.

Russlandkonferenz 2021 - Die wichtigsten Links

Hier finden Sie Videos, Fotos und weitere Berichte zur Russlandkonferenz 2021 der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland und der Deutsch-Russischen AHK.

Videos auf dem YouTube-Kanal der AHK Russland:

Berichte auf der Website:

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Leiter der Abteilung Kommunikation & Marketing