Russlandkonferenz 2021: Ministerpräsident Kretschmer wirbt für grüne Energiepartnerschaft

Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaats Sachsen, begrüßt die Pläne für eine grüne Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Russland. “Da, my moschem eto delat!” („Ja, wir können das schaffen!“), sagte der CDU-Politiker auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Energie auf der Russlandkonferenz 2021 in bestem Russisch.

Text: Thomas Baier

Auf die Frage nach den Aussichten auf eine grüne Energiepartnerschaft, sagte Kretschmer: „Deutschland steigt aus Kernenergie und Kohle aus. Die Zukunft liegt im Wasserstoff. Hoffentlich schaffen wir es, den Energieaustausch über mindestens die nächsten 50 Jahre zu erhalten. Denn dieser Austausch hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass wir trotz Meinungsverschiedenheiten und teilweise größeren Konflikten immer die Türklinke in der Hand gehalten haben und die Tür nicht zugeschlagen haben, wie Helmut Kohl zu sagen pflegte. Das war essenziell für den Frieden in Europa.”

Die Energiewende sei eine große Herausforderung, weil in Sachsen der Strom vor allem durch Braunkohle gewonnen worden sei, biete aber gleichzeitig große Chancen, merkte Kretschmer an. Neue Ideen, neue Forschungseinrichtungen mit vielen Arbeitsplätzen, zusätzliche Windanlagen und Fotovoltaikanlagen sowie ein neues Wasserstoffkompetenzzentrum in Leipzig würden zeigen, dass Mitteldeutschland vermehrt auf diese Technologie setze, ergänzte der sächsische Regierungschef. Die Russlandkonferenz wird von der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland ausgetragen und vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) unterstützt.

Dr. Rainer Seele, Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und Vorstandsvorsitzender von OMV, erklärte, dass sich diese neue Energiepartnerschaft sukzessive entwickeln werde. "Wir werden eine Phase haben, in der Erdgas als Brückentechnologie in Deutschland eine große Bedeutung haben wird, um die Energiesicherheit zu gewährleisten. Auch die Wasserstoffallianz zwischen Russland und Deutschland bietet großes Potenzial." 

90 Prozent des zugeschalteten Auditoriums hielten in einer Online-Abstimmung eine grüne Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Russland für zukunftsträchtig. Sie glauben, dass die bei Erdöl und Gas seit mehr als einem halben Jahrhundert erfolgreiche Energiepartnerschaft auch bei erneuerbaren Energien fortgeschrieben werden kann.  

Großes Potenzial für Wasserstoffproduktion in Russland

Der Gouverneur des Leningrader Gebietes, Alexander Drosdenko, verwies auf die vielen Möglichkeiten in seiner Region, um Vorreiter im Bereich des grünen Wasserstoffs in Russland zu werden. Acht Wasserkraftwerke gebe es bereits im Leningrader Gebiet. Außerdem bestehe großes Interesse von russischen Unternehmen an Windkraftanlagen. Investoren sollen künftig noch mehr Anreize wie eine Gewinnsteuer von null Prozent erhalten, um in erneuerbare Energien, insbesondere Wasserstoff, im Gebiet Leningrad zu investieren. 

Wie Pawel Sorokin, stellvertretender russischer Energieminister, betonte, gehören Dekarbonisierung und Klimaneutralität zu den zentralen Themen auf der globalen Agenda. Deshalb habe Russland Gesetzesentwürfe auf den Weg gebracht, um längerfristig eine CO2-Neutralität zu erreichen, und das Pariser Klimaabkommen ratifiziert. Das zeige, wie wichtig diese Themen für Moskau seien. Wie er anfügte, müssen “die Ziele ambitioniert, aber wirtschaftlich auch rentabel sein.” Es müsse ein Gleichgewicht zwischen Klimaschutz und wirtschaftlichen Kosten gefunden werden. Bei erneuerbaren Energien, Wasserstoff und Erdgas sollten Russland und Deutschland kooperieren, wobei die Interessen der Wirtschaft in diesem Transformationsprozess berücksichtigt werden müssten. 

Russisches Erdgas als Brückentechnologie - Nord Stream 2 ist notwendig

Für Ulf Heitmüller, CEO des Gasunternehmens VNG AG, ist die geografische Nähe zwischen Deutschland und Russland ein entscheidender Faktor für die kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Ländern Europas. 

Auf die Frage, ob die Energiepipeline Nord Stream 2 zu Ende gebaut wird, antwortete OMV-CEO Rainer Seele: "Ja, aber natürlich! Ich hoffe möglichst schnell. Wir sind als Investoren stark betroffen dadurch, dass es zu so einer großen Verzögerung gekommen ist. Diese Verzögerung führt zu einer wirtschaftlichen Beeinträchtigung. Wirtschaftlich und von der Energiesicherheit her ist das Projekt absolut begründet und notwendig. Politische Probleme sollten in einem politischen Rahmen gelöst werden. Es sollte nicht den Unternehmen eine zusätzliche Last aufgebürdet werden. Wenn man ein Problem mit der russischen Politik hat, sollte man nicht Großprojekte ins Visier nehmen, die zur Hälfte von europäischen Unternehmen getragen werden. Europa braucht die Pipeline und wir Investoren brauchen Investitionssicherheit. Außerdem braucht Europa diese günstige Energiequelle, um unsere Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten.” 

Unterstützung für Nord Stream 2 kommt auch aus Sachsen. Ministerpräsident Kretschmer betonte, dass Nord Stream 2 notwendig ist: "Für Sachsen ist russisches Erdgas extrem wichtig. Das zeigt auch die langjährige Partnerschaft zwischen Gazprom und Verbundnetz Gas (VNG), das in Leipzig beheimatet ist.” 

Auf die Frage, ob die Energiewende eine Gefahr für ein Unternehmen wie Verbundnetz Gas (VNG) ist, erwiderte CEO Ulf Heitmüller: "Wir fürchten die Energiewende überhaupt nicht, da wir ein integraler Bestandteil der Energiewende sind. Ohne Gas kann die Energiewende nicht gelingen. Erdgas ist der sauberste fossile Energieträger. Wir sollten die Rolle von Erdgas nicht unterschätzen - bei den jetzigen niedrigen Temperaturen wäre es ohne Erdgas in deutschen Häusern kalt geworden. Hier zeigt sich der Wert von Erdgas und der hervorragend ausgebauten Infrastruktur. VNG und Russland haben fast eine 50 Jahre dauernde gemeinsame Geschichte, die vor allem von absoluter Zuverlässigkeit geprägt ist. Wir bauen diese Partnerschaft weiter aus: Zum Beispiel haben wir unseren jährlichen Bedarf aus Russland auf zehn Milliarden Kubikmeter erhöht. Perspektivisch werden wir einen Ersatz für Erdgas brauchen, da es CO2-belastet ist. Die Partnerschaft mit Russland bietet für diesen Strukturwandel hervorragende Ausgangspositionen, die wir als VNG aktiv vorantreiben."

Russlandkonferenz 2021 - Die wichtigsten Links

Hier finden Sie Videos, Fotos und weitere Berichte zur Russlandkonferenz 2021 der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland und der Deutsch-Russischen AHK.

Videos auf dem YouTube-Kanal der AHK Russland:

Berichte auf der Website:

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