Russlandkonferenz 2021: EAWU als Drehscheibe zwischen Europa und Asien

Die Unterbrechung der Lieferketten war für den internationalen Handel die schlimmste Folge der Corona-Pandemie. Mehr politischer Dialog, ein grüner Korridor und Digitalisierung könnten die logistischen Verbindungen wieder stärken. Das waren die zentralen Aussagen einer Diskussion über die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) auf der Russlandkonferenz 2021.

Text: Ivan Povarnitsyn

Ruslan Dawydow, Vizechef des Föderalen Zolldienstes Russlands (FTS) und langjähriger Gesprächspartner der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), berichtete über die Erfolge bei der Digitalisierung der russischen Zollbehörde und Grenzkontrollen. Die Russlandkonferenz wird jährlich von der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland ausgetragen und vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) unterstützt.

Der FTS  habe bereits 2008 damit begonnen, elektronische Zollanmeldungen einzuführen. Daraus sei bis 2020 ein einheitliches automatisiertes Informationssystem der Zollbehörden mit 69 Informationsressourcen und 81 Programmen entstanden. Die Digitalisierung habe eine Reform des Zolldienstes ermöglicht, bei der die Anzahl der Zollanmeldungsstellen von 600 auf 16 reduziert worden sei. Durch Automatisierung und Digitalisierung von Prozessen würden Korruptionsrisiken reduziert, Ressourcen eingespart sowie die Arbeit der Behörden beschleunigt und qualitativ verbessert, sagte Dawydow. Gegenwärtig würden nur noch ein Prozent aller Zolldokumente außerhalb der elektronischen Zollanmeldungsstellen bearbeitet. Ansonsten erfolge die Zollabwicklung papierlos. 

Grüner Korridor für Güterverkehr

Der EAWU sei es untereinander in der Pandemie besser als der EU gelungen, die „starken und stabilen“ Wirtschaftsverbindungen aufrechtzuerhalten, sagte Klemens Rethmann, CEO, Rhenus AG & Co KG. Dies spräche dafür, dass die Lieferkanäle innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion robust seien. Um diese Kanäle direkt mit dem europäischen Markt zu verknüpfen, sollte zwischen Russland und Deutschland ein grüner Korridor für den Güterverkehr eingerichtet werden, so Rethmann.

In einem „grünen Korridor” gelten vereinfachte internationale Handelsverfahren. Profitieren davon könnten auch Unternehmen wie der russische Aluminium-Gigant Rusal, der vor kurzem mit Aluminium Rheinfelden den ältesten Aluminiumhersteller Deutschlands übernommen hat. Anton Basulew, Direktor für internationale Projekte bei Rusal, bezeichnete hohe Zölle als eine der größten Herausforderungen, mit denen der Konzern bei den Aluminiumlieferungen nach Deutschland konfrontiert ist. Exporte über einen „grünen Korridor“ könnten eine Lösung sein.

Lieferketten absichern durch internationalen Dialog

Die Welt von heute ist ein „unglaublich kompliziertes geopolitisches System“, sagte Uwe Leuschner, Experte für Logistik in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und der EAWU auf der Russlandkonferenz 2021. Deshalb seien Lieferketten von vielen Faktoren abhängig.

Die Vielfalt von Faktoren erfordere einen intensiven internationalen Dialog, sagte Leuschner. Das sei klar geworden, als die Nachfrage nach internationalen Lieferungen im vergangenen Jahr trotz Pandemie rasant angestiegen sei. Leuschner prognostizierte, dass die Anzahl der Container, die aus China nach Europa befördert werden, bis 2025 auf eine Million wachsen könnte. All diese Waren würden von Asien über einen logistischen Korridor, in dem „hauptsächlich Russisch gesprochen wird, nach Europa strömen“. 

Zugang zu asiatischen Märkten

Deshalb müsse Europa nicht nur mit Russland, sondern auch mit der gesamten Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) auf politischer Ebene einen Dialog führen, so Leuschner. Durch die Zusammenarbeit mit der EAWU könne sich Europa über Zentralasien Zugang zu den größten asiatischen Märkten verschaffen. 

Dem pflichtete Michael Quiring bei, Partner und Local Manager Zentralasien bei Rödl & Partner. Die Länder Zentralasiens bezeichnete er als „Hubs“ und als Tor zu vielen asiatischen Märkten. Leuschner zufolge ist die Digitalisierung richtungsweisend für die Logistikbranche. Die Digitalisierung und die internationale Zusammenarbeit könnten die Grundlage für einen „gemeinsamen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok“ bilden, von dem sowohl Moskau als auch Brüssel stark profitieren.

Russlandkonferenz 2021 - Die wichtigsten Links

Hier finden Sie Videos, Fotos und weitere Berichte zur Russlandkonferenz 2021 der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland und der Deutsch-Russischen AHK.

Videos auf dem YouTube-Kanal der AHK Russland:

Berichte auf der Website:

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