Delegation der Deutschen Wirtschaft
Sanktionen

Weitere US-Sanktionen gegen Russland – Lieferverbote für Munition

13.10.2021

Das russische Wirtschaftsnachrichtenportal RBC hat am gestrigen Dienstag die Situation um die zusätzlichen US-Sanktionen gegen Russland, die am 7. September 2021 in Kraft getreten waren, analysiert. Die zweite Sanktionsrunde gegen Russland basiert auf den US-Gesetz zur Kontrolle chemischer und biologischer Waffen (CBW Act). Die neuen restriktiven Maßnahmen gegen Moskau hatten die US-Behörden bereits am 20. August angekündigt. Sie beschränken die "ständige Einfuhr" von Kleinwaffen und Munition aus Russland in die USA, indem US-Importeuren neue Einfuhrlizenzen für diese Erzeugnisse verwehrt werden. Den russischen Herstellern ziviler Munition drohen daher erhebliche Verluste auf dem US-Absatzmarkt.

Die Sanktionen gelten formell für ein Jahr, könnten aber noch deutlich länger andauern. Damit sie aufgehoben werden können, muss der US-Präsident dem Kongress versichern, dass Russland den Einsatz von Chemiewaffen aufgegeben hat und Alexej Nawalny Wiedergutmachung leisten wird.

Laut einer öffentlichen Datenbank des US Census Bureau (US-Pendant Äquivalent zu Rosstat) belaufen sich die jährlichen Lieferungen von Patronen (mit Kugeln geladen) russischer Hersteller in die Vereinigten Staaten auf mehr als 100 Millionen Dollar (das entspricht mehr als 7,2 Milliarden Rubel). Die Einfuhren russischer Munition stiegen im August sprunghaft auf fast 28 Millionen Dollar an, gegenüber weniger als 700.000 Dollar im Vormonat, wie aus einer kürzlich aktualisierten US-Statistik hervorgeht.

Die russischen Munitionseinfuhren in die USA erreichten in den ersten acht Monaten dieses Jahres 114 Millionen Dollar - fast so viel wie im gesamten vergangenen Jahr (etwa 118 Millionen Dollar), wie aus US-Zolldaten hervorgeht. Der Jahresdurchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt bei 102 Millionen Dollar. 2020 entfielen mehr als 21 Prozent der gesamten US-Munitionsimporte auf Russland, das damit die Nummer eins unter den Lieferanten ist (Südkorea folgt mit der Hälfte dieses Wertes an zweiter Stelle, Tschechien steht auf dem dritten Platz.

Anfang der 2000er-Jahre seien 70-80 Prozent der in Russland produzierten Patronen in den Export gegangen exportiert, sagt Wiktor Murakhowsky, Chefredakteur der russischen Fachzeitschrift “Arsenal Otetschestwa”. Ihm zufolge ging der Löwenanteil dieser Ausfuhren auf den amerikanischen Markt. "Man kann nicht sagen, dass sich die Situation bis 2021 wesentlich verändert hat. Praktisch alle russischen Patronenhersteller leben vom Export. Die USA haben den größten Munitionsmarkt der Welt. Der private Waffenbesitz ist dort weit verbreitet, es gibt viele Schützenvereine und eine entwickelte Schießkultur", so der Experte.

Es ist nicht zu erwarten, dass die Sanktionen noch einmal überarbeitet werden. Aller Voraussicht nach werden andere Anbieter den russischen Anteil am US-Markt übernehmen. "Einen Teil davon werden auch die Fabriken auf dem Balkan übernehmen, die früher eine sowjetische Lizenz zur Herstellung von Munition besaßen. Die Lizenzen sind längst abgelaufen, aber trotzdem produzieren die Fabriken weiter", glaubt Wiktor Murakhowsky.

Wie sind diese Sanktionen geregelt?

Die Lieferungen russischer Munition in die USA werden wegen der Sanktionen nicht von heute auf morgen eingestellt. Die auferlegten Beschränkungen sind wie folgt formuliert: "Neue oder bereits eingereichte, aber noch nicht genehmigte Anträge auf Erlaubnis zur Einfuhr von Feuerwaffen oder Munition aus Russland <...> werden abgelehnt". 

Munitionsmangel

Die Coronavirus-Pandemie und der Rekordabsatz von Munition in den USA haben bereits zu einer Verknappung auf dem Markt geführt. Medienberichten in den USA zufolge standen die Menschen inmitten der Coronavirus-Panik Schlange, um Waffen und Munition zu kaufen. Mit der Zunahme der Verkäufe ist auch der Preis gestiegen. Im Juli dieses Jahres erklärte Mark Oliva, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der US National Rifle Foundation, dass der Zuwachs neuer Käufer in den letzten anderthalb Jahren zu leeren Regalen und hohen Preisen geführt habe. "Eine 5,56-mm-Patrone für ein AR-15-Sturmgewehr kostete früher etwa 33 Cent, heute liegt ihr Preis bei fast einem Dollar. Die Munition ist also viel teurer geworden und viel schwieriger zu finden", erklärte er.

Quelle:
RBC

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