Kunde zahlt nicht

Was mache ich, wenn ein Kunde nicht zahlt?

Ihr Vertragspartner kann sich aus mehreren Gründen als insolvent erweisen, und in Krisenzeiten sind ausbleibende Vertragszahlungen Alltagspraxis. Selbst langjährige Kunden mögen Sie mit der Erfüllung ihrer Verpflichtungen im Stich lassen – in diesem Fall ist nicht nur die Partnerschaft, sondern auch der finanzielle Wohlstand einer oder mehrerer Vertragsparteien bedroht. 

Was tun, wenn der russische Partner nicht mehr zahlt? Wir haben es häufig mit dieser Situation zu tun, da die betroffene ausländische Firma einen russischen Geschäftspartner lange und höflich über eine fällige Verschuldung ausschließlich per E-Mail oder telefonisch informiert. In einer bestimmten Phase sollte jedoch zu radikaleren Maßnahmen gegriffen werden. Hier sind einige praktische Empfehlungen:

1. Wenn der russische Partner die Zahlungen eingestellt hat, sollte die Erbringung der Vertragsleistungen und Ausführung der vereinbarten Arbeiten gleichfalls eingestellt werden. Die Lieferung von Waren darf auf keinen Fall fortgesetzt werden, wenn der Kunde die vorherige Lieferung nicht bezahlt hat, und zwar insbesondere dann, wenn der Verdacht besteht, dass es in allernächster Zeit zu keiner Zahlung kommt.

2. In gewissen zeitlichen Abständen sollte die Zahlungsfähigkeit des betreffenden Kontrahenten überprüft werden. Wenn die russische Firma häufig die Geschäftsleitung, ihre Anschrift oder die Kontoverbindungen wechselt, wären die finanziellen Beziehungen mit diesem Partner mit größter Vorsicht zu behandeln.

3. Es ist nie überflüssig, sich über die Tätigkeit der russischen Firma anhand von öffentlich zugänglichen russischen Steuer- und Buchhaltungsunterlagen kundig zu machen und sich mit einer Anfrage an kompetente russische Firmen zu wenden, die ausführliche Angaben zu Ihrem Geschäftspartner aus legalen Quellen beschaffen können. 

4. Wenn ein Kunde die Zahlungen eingestellt hat, sollte an ihn so schnell wie möglich eine offizielle Reklamation gerichtet werden. Falls für den Vertrag russische Rechtsnormen gelten, ist es ratsam, kompetente russische Firmen anzusprechen, die dem Schuldner im Namen des Gläubigers eine offizielle Mahnung zukommen lassen, die unter anderem dazu dient, den Fakt der Verschuldung an sich zu fixieren. Sobald die Situation sich zu einem Konflikt zugespitzt hat, wird es so gut wie nicht mehr möglich sein, den Schuldner dazu zu bringen, die Verschuldung zuzugeben.

5. Falls der russische Geschäftspartner seine Schulden nicht begleicht, kann ihm die Regelung der Differenzen durch ein Schlichtungsverfahren (in außergerichtlichem Modus) angeboten werden.

6. Der russischen Firma kann auch angeboten werden, die Verschuldung zu restrukturieren bzw. gegen die Tilgung eines größeren Teils der Verschuldung teilweise zu erlassen. 

7. Ist eine vorgerichtliche Regelung gescheitert, sollte auf keinen Fall auf den Rechtsweg verzichtet werden, selbst wenn Sie begreifen, dass Sie in diesem Fall in Russland prozessieren müssen.

Die Gerichtskosten sind in Russland recht niedrig, die Entscheidungsfristen sind bei russischen Gerichten wesentlich kürzer als in Europa. Die Gerichtskosten können (bei positivem Ausgang des Verfahrens) vom Schuldner eingetrieben werden. Hinzu kommt, dass russische Firmen, sobald sie schlicht und einfach mit einem Gerichtsverfahren konfrontiert werden, anfangen zu zahlen, ohne eine Gerichtsverhandlung abzuwarten.

Es sollte darauf hingewiesen werden, dass in der Arbeit mit russischen Vertragspartnern Prävention praktiziert werden sollte, um Streitsituationen zu verhindern. Zu diesem Zweck sollten Sie den Vertrag mit äußerster Sorgfalt formulieren und sich in größtmöglichem Maße absichern, noch bevor es dazu kommen sollte, dass Rechnungen nicht bezahlt bzw. Verpflichtungen nicht erfüllt werden.