Mitarbeiter einstellen in Russland

Wie stelle ich Mitarbeiter in Russland ein?

Das Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf dem Territorium der Russischen Föderation wird durch das Arbeitsgesetzbuch geregelt, das in aller Ausführlichkeit praktisch alle Aspekte der Arbeitstätigkeit behandelt.

Die Grundlage für ein beliebiges Arbeitsverhältnis in Russland ist der Arbeitsvertrag, der immer in Schriftform geschlossen wird und sowohl für russische Arbeitnehmer als auch für ausländische Arbeitskräfte erforderlich ist.Obligatorische Komponenten eines Arbeitsvertrags sind folgende Daten:

  • Name und Anschrift des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers
  • Ort der Beschäftigung
  • Startdatum der Beschäftigung
  • Position und Arbeitsfunktion
  • Arbeitsbedingungen
  • Beschäftigungsordnung (kann separat definiert werden)
  • Vergütung
  • Art des Arbeitsvertrags (befristet bzw. unbefristet)
  • Arten und Konditionen der Sozialversicherung

Zu beachten: Für den Abschluss eines befristeten Vertrags bedarf es besonderer Gründe, die durch das Gesetz strikt definiert sind.

Der Arbeitsvertrag kann zusätzliche Konditionen enthalten wie etwa: Probezeit, Geheimhaltung vertraulicher kommerzieller Informationen, Urlaub (soweit dies nicht durch die Beschäftigungsordnung geregelt ist), Rechte und Pflichten des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers u.a.m. Bei der Einstellung eines Mitarbeiters darf die evtl. festgelegte Probezeit keine drei Monate überschreiten (für leitende Mitarbeiter und deren Stellvertreter sind es sechs Monate).

Der Mindestlohn beziffert sich ab 01. Januar 2015 auf 5965 Rubel und wird für jedes Subjekt der Russischen Föderation gesondert festgelegt (in Moskau etwa sind es 16 500 Rubel). Die Höhe der Vergütung eines Arbeitnehmers wird durch den Arbeitgeber aufgrund der Qualifikation des betreffenden Arbeitnehmers nach eigenem Ermessen, jedoch nicht unterhalb des definierten Minimums, festgelegt.  Zu beachten ist: Die Entlohnung wird in Rubel zweimal monatlich ausbezahlt. Dies ist im Gesetz direkt festgelegt. Der Gesetzgeber und die Überwachungsbehörden kontrollieren die Erfüllung dieser Vorschrift sehr streng; für beliebige Verstöße (Lohn- bzw. Gehaltszahlungen in Fremdwährung) kann der Arbeitgeber mit ernsthaften Strafen belangt werden.

Die summarische Arbeitszeitdauer darf keine 40 Stunden pro Woche übersteigen; Überstunden außerhalb der Arbeitszeit sind mit schriftlicher Zustimmung des Arbeitnehmers bzw. unter bestimmten Umständen möglich. Die Überstunden dürfen in der Summe keine 120 Stunden im Jahr überschreiten. 

Der garantierte Mindestjahresurlaub beträgt in Russland 28 Kalender- (keine Werk-) Tage. 

Ein wichtiger Aspekt ist die Kündigung. Das Arbeitsgesetzbuch regelt diese Prozedur sehr straff. Ein Arbeitnehmer kann nur strikt mit einer im Arbeitsgesetzbuch vorgesehenen Begründung entlassen werden, und zwar in beiderseitigem Einvernehmen der Parteien des Arbeitsvertrags, bei fehlender ausreichender Qualifikation, aus gesundheitlichen Gründen, wegen einmaliger grober Verletzung der Arbeitspflichten durch den betreffenden Arbeitnehmer usw. Eine in unangemessener Weise abgewickelte Kündigung eines Arbeitnehmers stellt für die Firma ein großes Risiko dar – die Praxis zeigt, dass Arbeitnehmer sich gern ans Gericht wenden und dass ihren Klagen im Falle unrechtmäßiger Kündigung Recht gegeben wird.

Zusätzlichen Auflagen der Gesetzgebung unterliegen Arbeitsverträge zwischen russischen Arbeitgebern und ausländischen Arbeitnehmern. So werden Arbeitsverträge mit ausländischen Arbeitnehmern auf unbefristete Dauer geschlossen (befristete Verträge sind in begrenztem Umfang und lediglich mit auch für russische Staatsbürger geltenden Begründungen zulässig, die durch die Gesetzgebung definiert sind). Die Arbeitsverträge mit solchen Arbeitnehmern müssen nunmehr Angaben zu der geltenden Arbeitserlaubnis des betreffenden Arbeitnehmers sowie Daten zur freiwilligen Krankenversicherung enthalten. Ein neues Kapitel sieht ferner zusätzliche Voraussetzungen für die Kündigung von Arbeitsverträgen mit ausländischen Arbeitnehmern und deren Entlassung vor.